Wie wird Stolberg familienfreundlicher?

Von: mlo
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Die Stadt Stolberg ist bereits durchaus kinder- und familienfreundlich. Es könnte aber noch Verbesserungen geben. Davon sind die Verantwortlichen im Rathaus überzeugt und suchen den Dialog mit den Bürgern. Foto: Imago/stock&people

Stolberg. Die Kupferstadt ist in Sachen „Familienfreundlichkeit“ schon sehr gut aufgestellt, wie es die Informationsveranstaltung im Museum Zinkhütter Hof vor mehr als 60 Gästen zeigte.

Die Familie als Leistungsträger der Gesellschaft umfasst alle Generationen und begünstigt positiv die wirtschaftliche Entwicklung. Moderator Sebastian Heyn führte durch den Abend und stellte eine Reihe von Referenten vor, die einen Überblick gaben, was in Stolberg schon alles auf den Weg gebracht wurde.

„Das Augenmerk liegt heutzutage auf der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagte der Bürgermeister, Dr. Tim Grüttemeier, bei seiner Begrüßung. Von der klassischen Einkind-Familie müsse man sich verabschieden, da die Familie heute vielfältiger und schwieriger geworden sei. Junge Eltern in der „Rush Hour“ des Lebens brauchten ein breit gefächertes Angebot, um allen gerecht zu werden. „Daher müssen die Bedürfnisse an alle Bürger angepasst sein.“

Vor Herausforderungen

Auch Robert Voigtsberger, der Erste Beigeordnete der Stadt, sieht die Familie vor großen Herausforderungen stehen und möchte mit Hilfe der Stolberger Bevölkerung in Form des Ideenwettbewerbs die bestehenden Familienangebote noch attraktiver machen, um irgendwann als familiengerechte Kommune zertifiziert zu werden. Für ihn sind die Kinder und Familien die beste Investition für die Zukunft, und darum gilt es aktiv zu werden. „Wir müssen uns bewegen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken oder die Abwanderung von Familien zu vermeiden“.

Willi Seyffarth, Amtsleiter beim Jugendamt, dokumentierte wie es um das Angebot in der frühen Bildung/Betreuung und Erziehung in Stolberg steht. Der größte Kraftakt war die U3-Betreuung, für die 459 Plätze geschaffen wurden. Damit liegt Stolberg mit 34 Prozent über dem derzeitigen NRW-Durchschnitt von 27 Prozent. Für die insgesamt 1800 Betreuungsplätze stehen 40 qualifizierte Tagespflegepersonen und Betreuer in den 32 Kitas in Stolberg (darunter sieben Familienzentren) zur Verfügung.

Inklusionsplätze gibt es 76. Bedarfsgerecht betreut werden Kinder von 0 bis 6 Jahre von sieben Uhr morgens bis nachmittags inklusive Mittagessen. Ausbaubedarf besteht allerdings noch für die Randzeitenbetreuung.

Bei den therapeutischen Leistungen steht die Sprachförderung hoch im Kurs. Kooperationen bestehen mit anderen Bildungseinrichtungen (zum Beispiel Helene-Weber-Haus), Vereinen, freien Trägern, Beratungsstellen, Gesundheitseinrichtungen, Kinderärzten und Grundschulen.

Stolberg verfügt über 21 Kinderspiel- und Bolzplätze, zwei Jugendtreffs in freier Trägerschaft, Kinderkino, Jugendbus und Spielmobil. Bei der Ferienaktion für die Kinder im Alter bis 16 Jahre gibt es jährlich über 70 Angebote. Dabei sind Spaß, Sport und Zirkus inklusive Mittagsmahlzeit. Und dank der Trägervielfalt ist der Selbstkostenanteil sehr gering.

Petra Jansen referierte als Amtsleiterin für das Amt Schule, Kultur, Sport und Tourismus über ein breitgefächertes und hochwertiges Bildungsangebot. Alle Schulabschlüsse sind in Stolberg zu erreichen. Der offene und gebundene Ganztag ist aus dem Schulleben nicht mehr wegzudenken, und es gibt eine Reihe von Förderschulen mit verschiedenen Schwerpunkten. In den zehn wohnortnahen Grundschulen werden die Kinder individuell gefördert und begleitet. Die Leistungen der Ganztagsbetreuung variieren zwischen 4,5 und 6,5 Stunden. Neben der pädagogischen Übermittagsbetreuung mit preiswerten Mittagsmahlzeiten gibt es in den Oster-, Sommer- und Herbstferien flächendeckende Ferienangebote.

Zu den weiterführenden Schulen zählen gegenwärtig noch zwei auslaufende Hauptschulen, zwei Realschulen, von denen sich die Walter-Dobbelmann-Realschule bald verabschiedet, zwei Gymnasien, jeweils eine Sekundar- und Gesamtschule und ein Berufskolleg mit Schwerpunkten im Bereich: Handwerk, Hauswirtschaft, kaufmännische Berufe, Naturwissenschaft, Sozialpädagogik und Gesundheit. Elf Schulsozialarbeiterinnen haben es sich zum Ziel gesetzt, die Inklusion zu erleichtern und die Leistungen zu verbessern. Sie beraten nicht nur Kinder und Eltern, sondern auch die Lehrer und werden bei der schulbegleitenden Berufsorientierung angefragt.

Nach dem Unterricht warten erfahrene Betreuer für Spiel, Sport und Freizeitaktivitäten auf die Kinder, wo auch Werte wie Toleranz und Respekt angesagt sind.

Insgesamt hat die Stadt 120 Vereine, die sich um Sport, Brauchtum, Musik und Kultur kümmern, dazu ein Hallenbad, 21 Sporthallen, fünf Tennisplätze und ein Beachvolleyball-Stadion. Auf zwei Ebenen ist die 1050 Quadratmeter umfassende Bücherei mit Lesecafé, Schülercenter, vier Internetplätzen und Elternbibliothek angelegt; 450 Quadratmeter davon gehören den Kindern, die im Lesen hier zusätzlich gefördert werden. Für die Erwachsenenbildung ist die Volkshochschule mit ihrem umfangreichen Sprachangebot da.

Circa 80 Dozenten bieten 190 Veranstaltungen an, darunter Exkursionen, Eltern-Kind-Schwimmkurse, Vorträge und Integrationskurse. Im Bereich Freizeit-Kultur-Tourismus ist der alljährliche Adventskalender am Alten Rathaus ein großer Renner. 1600 Präsente wurden an die mitmachenden Kinder im letzten Jahr verteilt.

Die Kupferstädter Weihnachtstage, sowie die Stadtparty, der Familientag J.u.K.S. (Jugend- und Kulturevent Stolberg), Stolberg goes…, Die Museumsnacht und die Bildungswerkstatt im Museum Zinkhütter Hof haben sich über Jahre bewährt. Die Nachtwächterführungen im mittelalterlichen Kostüm während der Weihnachtstage finden ebenso ihre Anhänger wie die Altstadtführung mit Anekdoten für Erwachsene als auch speziell für Kinder.

Der Letzte im Bunde, der seine Daten vortrug, war Paul Schäfermeier. Der Amtsleiter des Sozialamtes vermeldete, dass 30 Prozent der Menschen in Stolberg über 60 Jahre alt sind und diese meist in der Peripherie der Stadt wohnen. Das freiwillige Senioreninfocenter - seit dem 1. September unter Leitung von Marianne Bauer - im Rathaus sei eine kommunale Anlaufstelle für seniorenspezifische Themen und Probleme.

Mit 1600 bis 1800 Anfragen pro Jahr bietet das Center Hilfe und Unterstützung an, sei es zur Rente, Pflege, Schwerbehinderung, Seniorenarbeit oder bei geringem Einkommen. In den 16 Seniorenstuben gibt es den Wegweiser „Älter werden in Stolberg“, in dem gemeinsam mit verschiedenen Trägern und Ämtern, Initiativen und Vereinen Beratungs- und Unterstützungsangebote dargestellt werden.

Schäfermeier sind eine altersgerechte Infrastruktur, barrierefreies und altersgerechtes Wohnen, Mehrgenerationenhäuser, betreutes Wohnen, lokaler fahrbarer Mittagstisch, umfangreiche medizinische Versorgung und Haushaltshilfen wichtig.

Zum Schluss zog Robert Voigtsberger das Resümee: Er möchte das gute Image der Stadt erhalten und noch verbessern. Langfristig soll auch die Stadtverwaltung selbst familienfreundlicher werden, und darum freue man sich jetzt schon auf die vielen Ideen aus der Bevölkerung.

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