Wie Stolberg für Touristen attraktiver werden könnte

Von: Dirk Müller
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Umbau der „russischen Botschaft“: Monika Lück investiert in den seniorengerechten Umbau der Gebäude Steinweg 1 - 11. Auch die Fassade soll erneuert werden. Foto: Gombert

Stolberg. Die Bauarbeiten am Kaiserplatz und am Bastinsweiher machen deutlich sichtbar, dass die Stolberger Innenstadt im Wandel ist. Im Zusammenhang mit der Städtebauförderung Talachse betont die Stadtverwaltung immer wieder, dass im Optimalfall öffentliche Investitionen und privates Engagement Hand in Hand gehen sollten.

Beispielhaft für private Investitionen in Stolberg ist Monika Lück und ihre Familie. Mit ihrer Schwester Annegret Lück hat sie im Jahr 2007 den Kupferhof Rosental erworben und aufwendig restauriert. Projekte wie das City-Hotel an der Grüntalstraße folgten. Monika Lück übernahm die Burg-Gastronomie, und auch momentan betätigt sie sich als in besonderem Wortsinn als „Botschafterin“ für privates Engagement in der Kupferstadt.

Ihr derzeitiges Projekt wird im Volksmund wegen seiner 70er-Jahre-Architektur „russische Botschaft“ genannt. Was geschieht mit dem Gebäude Steinweg 1 - 11?

Lück: Meine Familie hatte zunächst 18 Wohnungen in dem Gebäude erworben, und heute sind 35 von 42 Wohnungen und das Ladenlokal neben der Apotheke in unserem Besitz. 20 Wohnungen haben wir bereits seniorengerecht saniert, und die anderen werden noch folgen. Die Türen sind einen Meter breit, also auch mit Rollator oder Rollstuhl passierbar, die Duschen ebenerdig, und das Haus verfügt über einen Fahrstuhl. Außerdem ist die Lage für ältere Mieter attraktiv, da ein Allgemeinmediziner und ein Zahnarzt direkt im Haus sind und eine Apotheke gleich im Erdgeschoss. Mit Burg-Center und Kaufland gleich um die Ecke und weiteren fußläufig erreichbaren Geschäften sind zudem gute Einkaufsmöglichkeiten vorhanden.

Haben Sie vor, auch in das Gebäude zu investieren?

Lück: Ja, denn aus der ehemaligen „russischen Botschaft“ soll der neue „Stolberg-Palace“ werden (lacht). Aber ernsthaft: Das Gebäude ist nun einmal da, so wie es ist. Aber wir wollen es durchaus innen wie auch außen aufwerten, auch wenn es für mich die größte Herausforderung in ganz Stolberg ist. Das Haus wird eine neue Wärmedämmung und neue Fenster bekommen, die Balkone werden saniert, farblich neu gestaltet und erhalten Edelstahlgeländer. Und die Fassade wird neu gestrichen, so dass die Optik des Gebäudes verbessert wird.

Fließen im Rahmen der Innenstadtumgestaltung Fördermittel in diese Maßnahmen?

Lück: Der Fassadenanstrich wird im Zuge der Förderung Talachse aus dem Verfügungsfonds bezuschusst. Ich befürworte es grundsätzlich, dass mit Fördermitteln private Investitionen angeschoben werden, aber im konkreten Fall des Gebäudes Steinweg 1 - 11 war das für uns nicht das ausschlaggebende Argument. Denn im Verhältnis zum gesamten Investitionsvolumen ist die Förderung nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Seit neun Jahren betreiben Sie auch das City-Hotel an der Grüntalstraße in direkter Nähe zum Kaiserplatz. Was halten Sie von der Umgestaltung des Platzes und der entstehenden Gastronomie in Form des Kupferpavillons?

Lück: Ich stehe der Aufwertung des Kaiserplatzes positiv gegenüber. Und auch der neuen Gastronomie, die den Platz mit zusätzlichem Leben füllen kann. Dem Investor wünsche ich gutes Gelingen mit dem Kupferpavillon. Wenn er die Gastronomie mit Herzblut betreibt, kann er erfolgreich sein – das zeigen mir meine eigenen Erfahrungen in Stolberg.

Zwischen Kaiserplatz und „Stolberg-Palace“ ist noch ein anderes Haus am Steinweg im Besitz Ihrer Familie...

Lück: Ja, mein Sohn hat vor sechs Jahren das Haus Steinweg 65 erworben. Das Gebäude haben wir komplett saniert. Das etwa 200 Quadratmeter große Ladenlokal im Erdgeschoss steht leider leer – wie zu viele am Steinweg. Es wird derzeit als Lagerfläche genutzt, aber wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch noch in seinem ursprünglichen Sinne genutzt wird und wir es als ein Ladenlokal verpachten können, in dem dann auch ein Geschäft öffnet.

Die Burg gehört den Stolberger Bürgern, und seit 2012 sind Sie „nur“ Pächterin des Wahrzeichens der Stadt, haben aber trotzdem viel in die Burg investiert...

Lück: Bevor ich die Burg-Gastronomie übernommen habe, bin ich überfallen worden. Das Projekt Burg war dann quasi meine Therapie, um den Überfall zu verarbeiten. Ich habe mich mit ganzer Kraft hineingekniet. Vorher war die Burg ja „außen hui und innen pfui“. Kaum war man drinnen, hatte man auch schon vergessen, dass man sich in einer Burg befand; es fehlten Charme und Flair. Das wollte ich ändern, und den meisten Besuchern gefällt das Innere der Burg so, wie es heute ist. Besonders Kinder bekommen leuchtende Augen, wenn sie die Ritterrüstungen sehen.

Wie hat die Burg sich seit 2012 entwickelt? Ist das Stolberger Wahrzeichen frequentiert?

Lück: Ja, der Trend ist in mehrfacher Hinsicht positiv. Zum Einen, weil Stolberg sich immer mehr als Hochzeitsstadt etabliert hat. Dass man Dank des engagierten und flexiblen Standesamts auf der Burg, im Museum Zinkhütter Hof, im historischen Rathaus und im Kupferhof Rosental heiraten kann, ist schon sehr besonders in unserer Region und wird sehr gut angenommen. Dann sind zum Beispiel die Ritteressen in der Burg sehr beliebt. Daran nehmen auch Gäste etwa aus Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach, Belgien und den Niederlanden teil. Auch der „Fire-Abend“, bei dem die Gäste auf dem oberen Burghof an Grilltischen ihre Speisen am offenen Feuer selbst zubereiten können, kommt gut an.

Bei den Kupferstädter Weihnachtstagen musste die Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins auf Geheiß des Stadtrats aus der Burg-Galerie weichen – zugunsten der Burg-Gastronomie. Warum?

Lück: Dazu muss man erklären, dass in der Gastronomie Weihnachtsfeiern wichtig sind, in der Burg aber faktisch keine möglich waren. Der Rittersaal ist an den Kupferstädter Weihnachtstagen mit einem Indoor-Weihnachtsmarkt belegt, in der Burg-Galerie waren die Ausstellungen des Heimat- und Geschichtsvereins, und das Turmzimmer wurde als Durchgang genutzt, so dass auch dort keine kleineren Weihnachtsfeiern stattfinden konnten. Es blieb nur das begrenzte Platzangebot der Burg-Gastronomie im Erdgeschoss, wobei auch dies kaum geeignet war, da dort der Durchgang zum Fahrstuhl ist. Jetzt konnten wir erstmals die Burg-Galerie anbieten und haben an den Wochenenden der Kupferstädter Weihnachtstage etliche Weihnachtsfeiern ausgerichtet. Von dem Publikum haben dann auch die Weihnachtsmärkte in der Altstadt und an der Burg profitiert, und Stolberg konnte auch bei neuen auswärtigen Gästen gute Werbung für sich machen.

Sie betreiben sowohl touristische Aushängeschilder wie die Burg und den Kupferhof Rosental, als auch das City-Hotel. Wie ist es Ihrer Meinung nach um den Tourismus in der Kupferstadt bestellt?

Lück: Da sehe ich noch viel Luft nach oben. Stolberg ist reizvoll, aber Qualitäten einfach nur zu haben, reicht nicht. Das Potenzial ist da, müsste aber noch optimiert werden. Zum Beispiel wäre ein vernetztes Konzept gut, dass die Führungen in der Burg, in der Altstadt, im Museum Zinkhütter Hof, den Kupferhöfen und dem Museum in der Torburg miteinander kombiniert – etwa auch mit dem Besuch bei den Werksverkäufen von Dalli beziehungsweise Mäurer & Wirtz und auch von Prym. Zudem müssten Stolbergs Qualitäten auch noch weiter über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht werden.

Wie könnte das touristische Potenzial Stolbergs noch optimiert werden?

Lück: Die Burg ist dafür ein gutes Beispiel. Als ich die Gastronomie übernommen habe, wurden die Seitentürme als Abstellraum und Umkleide genutzt und waren für Besucher nicht zugänglich. Das haben wir geändert und auch die „Folterkammer“ über dem Turmzimmer zugänglich gemacht sowie den kleinen „Hexenturm“ wiederbelebt. Damit ist der Erlebnisgehalt eines Besuchs der Burg schon gestiegen, aber es gibt noch weitere Türme, Gänge und Mauern, die von Gästen aktiv erkundet werden könnten. Und dann sind da noch die Stollen unter der Burg, die bis an die Klatterstraße führen. Würden diese für Publikum geöffnet, würden Gäste die Altstadt und die Burg nicht mehr nur besuchen und besichtigen – sie würden „das Abenteuer Stolberger Altstadt und Burg“ genießen und vielen Verwandten, Freunden und Bekannten erzählen, was sie tolles in Stolberg erlebt haben.

Sie und Ihre Familie haben in den vergangenen zehn Jahren schon einige Spuren in Stolberg hinterlassen. Was gehen Sie als nächstes an?

Lück: Erst einmal soll jetzt die ehemalige „russische Botschaft“ fertig werden, dann sehen wir weiter. Definitiv kann ich aber schon sagen, dass dies nicht mein letztes Engagement in Stolberg sein wird. Ich habe bereits einige neue Projekte ins Auge gefasst, aber da sie noch nicht spruchreif sind, möchte ich darüber im Moment auch nichts verraten.

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