Wie steht es um die Straßen der Kupferstadt?

Von: Sonja Essers
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Bisher konnte Begeher Thomas Gerth auf Stolbergs Straßen und Gehwegen in diesem Jahr 312 Schäden feststellen und dokumentieren. Diese reichen von Schlaglöchern über herausgebrochene Steine oder fehlende Platten. Foto: Sonja Essers
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Nach jeder seiner Touren dokumentiert Begeher Thomas Gerth die Schäden, die er auf Straßen und Gehwegen gefunden hat Foto: Sonja Essers

Stolberg. 1950 Schäden in knapp vier Jahren: Die Bilanz von Thomas Gerth kann sich definitiv sehen lassen. Seit Ende 2013 arbeitet Gerth beim Technischen Betriebsamt der Stadt als Begeher. Seine Aufgabe: Er nimmt die Stolberger Straßen und Gehwege ganz genau unter die Lupe. Sein Fazit: „Seitdem ich in Stolberg bin, wurde die Stadt mindestens ein Mal komplett durchrepariert.“ Für die Zukunft gibt es dennoch einiges zu tun.

Allein im vergangenen Jahr ermittelte Gerth in Stolberg 521 Schäden. In diesem Jahr liegt die Zahl bisher bei 312 Stück – Tendenz steigend. Warum es so wichtig ist, diese ausfindig zu machen? So soll die Stadt vor dem sogenannten Organisationsverschulden bewahrt werden.

Was das bedeutet? Stolpert ein Bürger beispielsweise über einen losen Stein im Boden und bricht sich ein Bein, könnte er die Verwaltung theoretisch auf Schadensersatz verklagen. Hat Gerth diesen Schaden allerdings vorab dokumentiert, hat der Kläger keine Chance. Wie oft solch ein Szenario geschieht? „Seitdem ich hier bin, kam das vielleicht insgesamt vier oder fünf Mal vor“, erklärt Gerth.

Wichtiger Aufgabenbereich

Thomas Gerth ist der erste Begeher in Stolberg. Vor ihm gab es diesen Job nicht. In den Jahren 2012 und 2013 fertigte das Technische Betriebsamt eine so genannte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung an, deren Ergebnis die Einstellung von Thomas Gerth war. Er nehme einen „für die Stadt sehr wichtigen Aufgabenbereich wahr“, erläutert Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm die Funktion des 50-Jährigen.

Zwischen acht und zehn Kilometer legt Gerth täglich im Schnitt zurück. Dabei hat er Routen, die er wöchentlich, monatlich, alle drei Monate oder jedes halbe Jahr begeht oder befährt. In der Innenstadt ist er wöchentlich unterwegs. Schließlich gebe es dort einiges zu tun. „Zwischen drei und fünf Schäden in der Woche sind im Steinweg normal“, sagt Gerth.

Typische Schäden in der Kupferstadt sind unter anderem herausstehende Gullydeckel, Absackungen im Asphalt oder herausgebrochene Steine und Platten. Woran das liegt? „Es gibt Straßen, die noch aus den 1960er Jahren stammen und ihre Dauer überschritten haben. Für den heutigen Verkehr sind sie gar nicht ausgelegt“, sagt Gerth und nennt dafür die Innenstadt als Beispiel. Tonnenschwere Müllwagen oder Busse sorgen immer wieder dafür, dass der Asphalt bröckelt. So kann für Fußgänger und Fahrradfahrer schnell eine gefährliche Stolperfalle entstehen. „Es geht nicht darum, ein Schlagloch zu finden. Es geht darum, den Schaden zu dokumentieren und darum, dass die Straßen kontrolliert werden“, sagt er.

Seine Routen werden auf einer Art Tablet aufgezeichnet, so dass Gerth immer nachweisen kann, wann er wo unterwegs war. Stellen, die repariert werden müssen, fotografiert er, dokumentiert die Schäden und gibt die an die Kollegen vom Technischen Betriebsamt weiter, die sich um die Reparatur kümmern. „Ist die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, kümmern wir uns so schnell wie möglich darum. 75 Prozent der Schäden sind innerhalb von 36 Stunden erledigt“, sagt er. Größere Aspahltschäden seien binnen einer Woche behoben.

Gerth ist gelernter Straßenbauer und hat über 20 Jahre auf Baustellen gearbeitet. Außerdem ist er staatlich geprüfter Bautechniker für Tief- und Straßenbau. An seinem Job als Begeher schätzt er vor allem die Vielseitigkeit. Besonders gerne ist Gerth in Schevenhütte unterwegs: „Es ist toll, dort zu gehen. Es gehört zu meinen Lieblingsvierteln in Stolberg.“ Besonders ins Schwitzen komme er bei seinen Begehungen auf dem Donnerberg. „Dort geht es zwei Stunden auf und ab. Danach ist man schweißgebadet“, sagt Gerth und lacht. Als Kind gehörten Spaziergänge übrigens nicht zu seiner Lieblingsbeschäftigung. Das hat sich mittlerweile geändert. Und: „Ich habe schon manch tolle Ecke in Stolberg entdeckt“, sagt er.

Zu seinem Job gehört auch, dass er sich um Ausschreibungen kümmert und auch der Kontakt zu den Stolbergern sei wichtig. „Ich bin auf die Bürger angewiesen und freue mich, wenn mir jemand Bescheid gibt, dass an den Straßen etwas getan werden muss“, sagt Gerth. Wem eine gefährliche Stelle auffällt, kann sich per E-Mail an thomas.gerth@stolberg.de oder unter Telefon 122313 an ihn wenden.

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