Wie steht es um die Marktstadt Stolberg?

Von: Thomas Waltl und Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
Stolberg Markt
Auch hier fehlt es an junger Kundschaft: der Markt auf dem Jordanplatz in Unterstolberg. Gemeldet sind zehn Stände, in der Regel scheint es aber nur bis zu sieben zu geben. Die Beschicker müssen darauf achten, unterschiedliche Produkte anzubieten. Foto: T. Waltl
Stolberg Markt
Zwei Stände sind auf dem Kirchplatz in Zweifall normal, vor etwa zwei Jahren gab es auch noch eine Bude mit Backwaren. Foto: T. Waltl
Markt Stolberg
Für den Samstagsmarkt auf dem Kaiserplatz sind sieben Stände angemeldet, in der Regel aber nur vier vor Ort. Foto: T. Waltl

Stolberg. Der Marktplatz gilt seit dem Mittelalter als der Ort innerhalb einer Stadt oder eines Dorfes an dem Güter erworben werden können. Was früher einmal das Handelszentrum einer Gemeinschaft war, ist heutzutage oft nur noch die Ansammlung von wenigen Ständen. Auch die Stolberger Marktbeschicker haben ihre Schwierigkeiten.

Mit dem Markt in Büsbach ist es seit einigen Wochen vorbei. Die einzige Beschickerin hat sich nach etwa einem Jahr entschieden, aufzugeben. Sie habe dem Ordnungsamt mitgeteilt, dass der Markt sich nicht etabliert habe, sagt Sven Poschen vom Amt für Sicherheit, Recht und Ordnung.

In Stolberg der Markt schlechthin

Wie steht es denn aber um die Markt-Landschaft in der Kupferstadt? Für die Märkte auf dem Kaiserplatz seien jeweils mittwochs und samstags sieben Stände angemeldet. „Einige Beschicker kommen aber nur alle 14 Tage“, sagt Poschen. In Zweifall sind zwei Verkäufer angemeldet und auf dem Jordanplatz zehn. Die Anmeldungen stimmen aber nicht immer mit der Zahl der Stände vor Ort und den Erfahrungen der Beschicker überein. „Wir zwingen die Händler ja auch nicht. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, den Stand aufzubauen“, sagt Poschen.

Der Samstagsmarkt, seit Ostern wieder am Kaiserplatz angesiedelt, wurde in den vergangenen Jahrzehnten geradezu stiefkindlich zwischen den Standorten auf dem EWV-Parkplatz und dem Gelände vor dem Standesamt hin- und hergeschoben. Vor einem Jahr, als der Wochenendmarkt noch am Willy-Brandt-Platz war, haderte Beschicker Toni von Krüchten mit dem Standort. Ein Markt gehöre in die Innenstadt, erzählte er damals. Er, der bereits seit fast vier Jahrzehnten, 38 Jahre genau, als Beschicker in der Kupferstadt frische Erzeugnisse anbietet.

Ist mit dem erneuten Umzug für die Ständebetreiber auch alles besser geworden? „Schlechter, als es am Willy-Brandt-Platz war, kann es eigentlich nicht werden. Genaueres kann ich jetzt aber noch nicht sagen, da muss man ein Jahr abwarten und schauen, wie es sich entwickelt“, sagt von Krüchten. Früher sei der Markt in Stolberg der Markt schlechthin gewesen.

Im Vergleich zu heute viel größer. Er sehe das Problem in den ganzen Kaufläden, die es an jeder Ecke gebe. Auf dem Kaiserplatz stehen samstags derzeit nur drei Stände. Eigentlich sind es vier, der Blumenhändler sei gerade nur im Urlaub. Neben den zwei Ständen mit frischen Erzeugnissen wie Paprika, Kohlrabi, Erdbeeren, Eiern und vielem mehr, steht auch noch eine Bude mit Backwaren auf dem Platz vor dem alten Rathaus.

Die Kunden an dem zweiten Gemüsestand bedient Reiner Lambertz. Er ist Beschicker aus Leidenschaft und führt den Stand bereits in der dritten Generation. Der Kontakt mit den Menschen sei das, was diese Tätigkeit ausmache, erzählte er. „Eine Frau hat zu mir mal gesagt: ‚Wenn ich am Markt bin, brauche ich keinen Psychiater, sondern unterhalte mich mit den Leuten.‘ Das sagt glaube ich alles.“

Lambertz wäre aber lieber beim alten Standort am Willy-Brandt-Platz geblieben. „Im Grunde ist es mir egal, auf welchem der beiden Plätze wir sind. Wichtig ist aber, dass man nicht ständig wechselt, sondern an einem Standort bleibt“, sagt er. Veränderungen seien für Beschicker immer schlecht. Sogar, wenn der Stand am gleichen Platz, aber an anderer Stelle stehe. Trotz der vielen Ortswechsel sieht Lambertz positiv der Zukunft entgegen.

Er glaubt auch nicht, dass mit der Zeit keine Kunden mehr kommen würden: „Wir haben einerseits sehr viel Stammkundschaft, andererseits kommen auch viele junge Menschen, um bei mir einzukaufen. Außerdem gab es in all den Jahren immer Hochs und Tiefs.“

Früher gab es sieben Beschicker

Rainer Joachims arbeitet seit 30 Jahren als Marktbeschicker. Seit 25 Jahren verkauft er freitags auf dem Jordanplatz in Unterstolberg. „Es hat sich viel verändert mit den Jahren“, sagt Joachims. Früher habe es viel mehr Verkaufsstände gegeben. „Heute können nicht zwei Gemüsestände auf einem Markt stehen. Sonst macht man sich gegenseitig das Geschäft kaputt.“ Zehn Beschicker sind beim Ordnungsamt für den Jordanplatz angemeldet. Vor Ort sind meist nur sechs.

„Vor allem müssen wir uns von den Supermärkten abgrenzen“, sagt Joachims. Deshalb verkauft er neben Gemüse auch frisch gepressten Orangen- und Ananassaft. Die Presse war teuer. An dem Saft verdiene er kaum etwas, sagt er. Auch die Kundschaft habe sich verändert: „In Zweifall gibt es noch jüngeres Publikum, aber insgesamt ist sie deutlich gealtert.“ Eine rosige Zukunft sieht der 50-Jährige für die Stolberger Märkte nicht: „Wenn es so weiter geht, könnte es mit dem Markt am Jordanplatz in zehn Jahren vorbei sein.“

Auch Heinz Hartmann verkauft auf dem Freitagsmarkt. Er führt einen Blumenladen am Bethlehem-Krankenhaus; seit fast 90 Jahren ist der Laden in Familienbesitz. Märkte mache er eher aus ideologischen Gründen, sagt er, „weil ich nicht will, dass Stolberg irgendwann ohne Markt dasteht.“ In den letzten Monaten hat er auch samstags auf dem Kaiserplatz verkauft. Derzeit macht er dort Sommerpause, „es ist in den Ferien zu wenig los. Die Innenstadt ist samstags einfach leer.“ Am Jordanplatz laufe es gut, sagt Hartmann, der Markt sei etabliert.

In Zweifall gibt es noch zwei Stände. „Den Markt auf dem Kirchplatz gibt es erst wieder seit etwa vier Jahren“, sagt Poschen. Anfangs seien sie noch zu dritt gewesen, erinnert sich Fanz Kelleners, ein Brotladen wurde aber aufgegeben. „Vielleicht auch, weil es 100 Meter weiter eine Bäckerei gibt.“

Kelleners hat es auch auf dem Jordanplatz versucht. Aber dort müsse er sein Angebot umstellen, um sich nicht mit einem anderen Aufschnittstand auszubooten. Für ihn laufe es  auf dem Kirchplatz gut: „Natürlich kann‘s immer besser laufen. Aber manche Beschicker erwarten auch einfach zu viel von dem Geschäft.“

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert