Stolberg - Wie ein Welpe auf Florians Blutzucker aufpasst

Wie ein Welpe auf Florians Blutzucker aufpasst

Von: Jessica Küppers
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Gutes Team: Florian und Schapendoes-Welpe Ibon arbeiten seit vier Monaten daran, dass der Junge trotz Diabetes wieder unbeschwerter leben kann. Foto: Jessica Küppers
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Anja und Daniel Hutschenreuter setzen große Hoffnungen in den Erfolg des Assistenzhundetrainings. Foto: Jessica Küppers

Stolberg. Manchmal werden Florian Hutschenreuters Beine schlapp. Für den Elfjährigen aus Stolberg-Donnerberg ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass er unterzuckert ist und dringend Glukose braucht. Denn Florian hat Diabetes vom Typ I. Doch Florian hat einen Freund, der auf ihn achtgibt: den Welpen Ibon - einen Diabeteswarnhund.

Florian ist er einer von rund 300.000 Menschen und 25.000 Kindern, die bundesweit unter der Stoffwechselerkrankung leiden. Besonders gefährlich ist es, wenn der Blutzuckerspiegel absinkt. Dann schaltet das Gehirn in einen Modus, der nur noch die lebenswichtigen Funktionen unterhält. An eine Unterzuckerung können sich viele Patienten hinterher gar nicht erinnern, geschweige denn in der Situation entsprechend reagieren. Deshalb ist der Zustand lebensgefährlich, wenn er nicht rechtzeitig bemerkt wird.

Damit das nicht passiert, hat die kleine Familie aus Stolberg-Donnerberg Familienzuwachs bekommen. Er heißt Ibon, ist fünfeinhalb Monate alt und wird zum Diabeteswarnhund ausgebildet. Sobald sich die Sauerstoffsättigung im Blut des Jungen verändert und der Blutzucker extrem sinkt oder steigt, soll der Schapendoes-Welpe Alarm schlagen. Das ist vor allem nachts wichtig, wenn Florians Eltern, Anja und Daniel Hutschenreuter, nicht auf ihr Kind aufpassen können.

Um die Situation sicher einschätzen zu können, muss Ibon zunächst viel üben. Gemeinsam mit Florian und der Hundetrainerin Elke Lachmann aus Stolberg-Schevenhütte trainiert der Assistenzhund nun viermal pro Woche. Dann steht zum Beispiel Duftdifferenzierungstraining auf dem Programm.

Dafür sammelt die Familie regelmäßig Wattepads. Immer dann, wenn Florian unterzuckert ist, tupfen sie seinen Nacken mit Pads ab und verschließen die Proben in einem Plastikbecher. Zum Vergleich wiederholen sie das Prozedere, wenn sich Florians Blutzucker wieder normalisiert hat. Ibon muss später herausfinden, welche Probe zur der Unterzuckerung gehört. „Das muss für den Hund das Schönste auf der Welt sein“, sagt Daniel Hutschenreuter, damit das für den Hund nicht normal werde und er das Interesse daran verliere.

Eine Belohnung gibt‘s per Clicker, und erste Erfolge sind auch schon zu sehen. „Wenn Florian sich nicht gut fühlt, ist der Hund gleich zur Stelle und leckt ihm zum Beispiel über das Gesicht“, sagt Mutter Anja Hutschenreuter. Auch werde der Hund ganz nervös, wenn Florian nicht in der Nähe sei. Diese enge Bindung zwischen Mensch und Tier sieht Lachmann als Schlüssel zum Erfolg. Dazu komme eine solide Basisausbildung und die Unterstützung der Eltern.

Dass Florian nicht kerngesund ist, weiß die Familie seit etwa einem Jahr. „Ich dachte erst, dass mit seiner Blase etwas nicht stimmt“, erzählt Florians Mutter, weil ihr Sohn ständig zur Toilette gegangen sei. Auch war ihm dauernd übel. Auf die Idee, dass es Diabetes sein könnte, sei sie nicht gekommen, weil die Krankheit in der Familie bislang keine Rolle gespielt habe.

Es folgte ein dreiwöchiger Krankenhausaufenthalt, in dem die ganze Familie lernen musste, mit der Krankheit umzugehen. Konkret bedeutete das: Spritzen setzen, Einheiten für die Mahlzeiten ausrechnen und Symptome einer Unter- oder Überzuckerung kennenlernen. Seitdem kann Florians Mutter keine Nacht mehr durchschlafen.

„Wir messen zwei- bis dreimal pro Nacht den Blutzucker“, sagt sie. Das Schlimmste sei, dass die Entwicklung der Messwerte so unberechenbar sei. Etwas normalisiert habe sich die Situation erst, seit er eine Pumpe hat, die ihn kontinuierlich mit Insulin versorgt. Auch Florian selbst hat sich seit der Diagnose verändert. „Er traut sich weniger als vorher“, sagt seine Mutter. Früher sei er zum Beispiel gerne Fahrrad gefahren. Weil viel Bewegung aber den Blutzucker stark beeinflusst, ist er vorsichtiger geworden.

Sicherheit und Selbstbewusstsein soll ihm und seiner Familie nun das Training mit Ibon zurückgeben. Dafür sammelt die Familie nun Spenden, denn die Kosten von rund 8000 Euro, die die zweijährige Ausbildung zum Diabeteswarnhund kostet, kann sie nicht alleine aufbringen. Doch auch, wenn sie das Geld nicht zusammenbekommen sollten, haben sie es nicht bereut, dass Ibon bei ihnen einzogen ist. „Der Hund tut uns allen gut“, sagt Daniel Hutschenreuter. „Und wir haben auf jeden Fall einen tollen Familienhund dazubekommen“, ergänzt seine Frau.

Assistenzhunde unterstützen kranke Menschen

Assistenzhunde unterstützen nicht nur Diabetiker, ihren Alltag zu meistern. Mit entsprechender Ausbildung sind sie auch für Epileptiker, Asthmatiker und Migränepatienten einsetzbar. Für die zweijährige Ausbildung eignet sich nicht jede Rasse. Wichtig ist die Nase, die groß und empfindlich sein sollte.

Zudem wird jeder Hund im Welpenalter unabhängig vom Hundetrainer getestet, ob er vom Wesen und von der Veranlagung her für die anspruchsvolle Aufgabe als Assitenzhund geeignet wäre. So sollte sich ein Assistenzhund zum Beispiel besonders für Gerüche interessieren.

Wer Florian unterstützen und für Ibons Hundeausbildung spenden möchte, kann dieses Spendenkonto nutzen:

Assistenzhunde e.V., Sparkasse Westmünsterland, IBAN: DE33401545300038138988, BIC: WELADE3W, Stichwort: Florian

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