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Widerstand wächst nach Kanalbau am Narzissenweg

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Auf den ersten Blick gibt es viele Straßen im Stadtgebiet, deren Belag schlimmer aussieht als der des Narzissenwegs. Spätestens nach dem Kanalbau wird es damit vorbei sein, sagt die Stadtverwaltung, weil der Unterbau der Straße ganz einfach nicht ausreicht.

Stolberg-Donnerberg. Für die Anlieger ist beim oberflächlichen Blick auf ihre Straße zwar nicht alles in Ordnung, aber der Narzissenweg macht nicht den schlechtesten Eindruck. Zumindest nicht im direkten Vergleich mit der offensichtlich maroden Oberen Donnerbergstraße sowie dem Rosenweg. Hüben wie drüben sollen zunächst der Kanal und dann die Fahrbahn erneuert werden. Das stößt aber den Anwohnern des Narzissenwegs übel auf.

„Der Straßenbelag ist gut befahrbar“, formuliert Ralf Zielke in einem Schreiben an den Bürgermeister, das von 16 Haushalten gezeichnet ist. „Eine komplette Straßensanierung erachten wir nicht für erforderlich“. Immerhin handele es sich beim Narzissenweg um eine „ruhige Straße, die fast ausschließlich von Anliegern genutzt wird.“

70 Prozent Anliegerbeiträge

Das erklärt zugleich einen Anlass zur Sorge der Anwohner. Weil die Straße ja auch nahezu auch nur zu ihrem Nutzen besteht, sind die Sätze entsprechend hoch, mit denen sie bei einem Straßenausbau zur Kasse gebeten werden: Mit 70 Prozent werden sie an den Kosten von Fahrbahn, Geh- und Radwegen, Straßengrün, -beleuchtung und -entwässerung beteiligt. Das ist fast der aktuelle Spitzensatz in der Kupferstadt – nur wer an einer Sackgasse wohnt, muss mit 80 Prozent mehr Aufwand aus eigener Tasche bezahlen.

Bei einer Ersterschließung sind es aufgrund gesetzlicher Vorschriften 90 Prozent. Immerhin kalkuliert die Verwaltung die Kosten für den Straßenbau mit rund 300.000 Euro. Weitere 190.000 Euro fließen in die Erneuerung der Abwasserleitung im Narzissenweg. „Es ist für uns nachvollziehbar, dass der Kanal wahrscheinlich überaltert ist und saniert werden muss“, erklärt Zielke dazu. „Diese Kosten werden über unsere Kanalgebühren finanziert.“

Bereits im Dezember hatten die Ratsmitglieder Hans Kleinlein (SPD) und Fritz Thiermann (CDU) den augenscheinlich ordentlichen Zustand des Narzissenwegs im Bauausschuss thematisiert. Die Vergabe des Planungsauftrages wurde daraufhin auf den 22. Januar verschoben. Für diese Sitzung reicht die Verwaltung Argumente nach, die die Priorität der Erneuerung des Narzissenweges untermauern – sowohl was den Zustand des Kanals wie den der Fahrbahn anbetrifft.

„Es besteht dringender Handlungsbedarf“, betont Fachbereichsleiter Bernd Kistermann mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse der überwiegend aus dem Jahr 1966 stammenden Abwasserleitung: Längs- und Querrisse, undichte Verbindungen, fehlende Stutzen und hereinwachsende Wurzeln bedeuten, dass die Stadt vom Gesetzgeber zum Handeln gezwungen ist.

Im zweit-schlimmsten – der Klasse 7 von acht möglichen – Zustand befindet sich die Straße. Ein nicht tragfähiger Unterbau der Fahrbahn versursacht Netzrisse in der Deckschicht und weitere Schäden. Acht Prozent Apshaltausbrüche sind bereits sichtbar. Weitere 35 Prozent sind von Netzrissen durchzogen – „wie bei einem Puzzle“, heißt es in der Verwaltung dazu: Die einzelnen Teilchen aus Asphalt werden bei nächster Gelegenheit wegplatzen. Spätestens bei den Arbeiten zur Erneuerung der Kanalisation wird von einem oberflächlich betrachteten ordentlichen Zustand der Fahrbahn nichts mehr übrig bleiben.

Und wenn man schon einmal den Kanal im Narzissenweg anpacken muss, dann sei es auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll, den Straßenbau durchzuführen, argumentiert Kistermann. Und er erinnert die Ausschussmitglieder an ihre eigenen Beschlüsse.

Oben auf der Prioritätenliste

Im Juli hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt eine Prioritätenliste beschlossen, anhand der die Sanierung von Straßen im Stadtgebiet zu erfolgen hat. Dabei wurde auf Basis der ermittelten Zustandsklassen der Handlungsbedarf – dieser besteht an 281 Straßen und Wegen im Stadtgebiet – ebenso berücksichtigt wie eine wirtschaftlich sinnvolle Vorgehensweise und die Kapazitäten im Rathaus. Ganz weit oben rangieren dort auch Narzissen- und Rosenweg.

Immerhin hat der Stadtrat im Rahmen des Stärkungspaketes das Budget zur Kanalsanierung auf drei Millionen Euro gedeckelt; und eine weitere Rolle spielte sicherlich auch die Möglichkeit zur Refinanzierung durch Zuschüsse (z. B. Aachener Straße) oder Beiträge auf Basis des Kommunalabgabengesetzes, wie bei Narzissen- und Rosenweg sowie Oberer Donnerbergstraße. Auf Basis dieser Prioritätenliste hatte die Verwaltung alleine für 2014 einen Investitionsbedarf von 5,8 Millionen Euro ermittelt.

Für die Sitzung am 22. Januar erwartet die Verwaltung, dass die Politik ihr den Auftrag gibt, ein Ingenieurbüro mit den ersten Planungsstufen zu beauftragen. Liegen dann die Entwürfe vor, sollen die Bürger an der Planung beteiligt werden.

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