Stolberg - Widerstand gegen Supermärkte regt sich

Widerstand gegen Supermärkte regt sich

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Wie lange rollt der Einkaufswagen noch in den Gressenicher Supermarkt? Unterschiedlich sind die Prognosen von Befürwortern und Gegnern der großen Lösung in Mausbach. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Es wird schon eine Weile dauern, bis die Projektgesellschaft die Anregungen aus der Bürgerschaft und die der Träger öffentlicher Belange ausgewertet hat, prognostiziert Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt.

Auf der Sitzung Ende April wird die Ansiedlung von Supermärkten in Mausbach jedenfalls noch nicht zur Tagesordnung stehen. Bereits bei der Bürgerbeteiligung prallten die Fronten aufeinander.

Hüben die Befürworter eines Nahversorgungszentrums am Ortsrand, drüben die Gegner, die dramatische Auswirkungen auf den Einzelhandel im Bereich des Markusplatzes wie auf den im nahen Gressenich befürchten.

Inzwischen machen beide Seiten mobil. Während am Mittwoch im Rathaus Unterschriftenlisten der Ansiedlungsfreune eintrafen, kursieren in den Stadtteilen noch die Listen der Gegner.

„Sind wir Gressenicher Bürger zweiter Wahl?” ist das Kontra aus dem Römerort überschreiben. Hier ist Monika Lück eine der Wortführerinnen des Protestes.

Nicht nur deshalb, weil der örtliche Rewe-Markt von Georg Gofffart, der auch Betreiber des zusätzlichen Supermarktes neben dem geplanten Aldi an der Gressenicher Straße werden soll, Mieter in ihrem Gebäudekomplex am Hamicher Weg ist.

Sondern auch deshalb, weil sie sich vor rund zehn Jahren engagiert hat, um in „ihrem” Stadtteil die Nahversorgung aufrecht zu erhalten, als die letzten Tante-Emma-Läden ihre Türen schlossen.

Über Werth zur Wasserkaul

Heute fürchtet Monika Lück, dass bald der Rewe in Gressenich schließen wird, wenn Aldi im nahen Mausbach die Kundschaft zum dann auch benachbarten neuen Verbrauchermarkt locken wird.

Damit würde auch die Infrastruktur für das Altenheim und das betreute Wohnen in dem Ort wegbrechen. „Und wer kein Auto hat muss dann über Werth zur Wasserkaul mit dem Bus fahren”, prophezeit mit Monika Lück jene Geschäftsfrau, die von der Politik mit Lob überhäuft wurde, als sie die Voraussetzungen für den Supermarkt in Gressenich und die Rettung des Kupferhofes Rosental geschaffen hatte. Jetzt sieht sie sich von der Politik getäuscht.

Die Nahversorgung in Gressenich sei weiterhin garantiert, zitiert die Investorin den örtlichen Landtagsabgeordneten Axel Wirtz. Rewe habe aber nur lapidar mitgeteilt, dass der Konzern „zur Zeit nicht über eine Schließung Gressenichs nach der Eröffnung in Mausbach” nachdenke.

„Was heißt das schon?!” sagt Lück. Zu einer Annahme der beiden fünfjährigen Optionen im Anschluss an die noch sechsjährige Restlaufzeit des Vertrages habe Rewe sich nicht geräuspert. Was auch unüblich wäre.

Aber damit wäre die Nahversorgung zumindest auf fast zwei Jahrzehnte gesichert, appelliert Lück. Sie sieht sich in ihrer pessimistischen Einschätzung bestätigt durch die Verträglichkeitsanalyse der BBE Retails Experts Unternehmensberatung zur Ansiedlung in Mausbach.

Sie prognostiziert für den Gressenicher Markt einen Umsatzrückgang von rund 0,9 Millionen Euro; das entspräche etwa 22,5 Prozent.

Deutliche Auswirkungen

„Nicht unerheblich” wären auch die Auswirkungen auf den Plus-Markt am Markusplatz: Ein Minus von rund 25 Prozent (0,7 Millionen Euro) des Umsatzes wird erwartet.

Aber der Betreiber überlege ohnehin, diese Filiale vom Markt zu nehmen und mit dem neuen Angebot sei die Versorgung in Mausbach gesichert, so die Gutachter.

Sie finden zwar inbesondere die Auswirkungen auf Gressenich beachtenswert, aber der Betreiber habe den Erhalt des Marktes zugesichert.

Eine Prognose, der Lück nicht so recht Glauben schenken will. Sie sieht in der großen Lösung mit Aldi, Rewe und Getränkemarkt vor allem ein großes Wahlkampfgeschenk, dass die Politiker den Mausbachern machen wollten.

Dabei hätten die Parteien sich auch für die kleine Lösung mit nur einem Verbrauchermarkt, aber ohne Discounter entscheiden können, so Lück: Denn auch eine Erweiterung des Marktes am Markusplatz sei laut Eigentümer möglich.

„Dann würden beide Dörfer profitieren”, meint die Kritikerin. Bei dem jetzt eingeschlagenen Weg würden die negativen Folgen aber erst nach dem Wahltermin sichtbar werden.
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