Widerstand gegen Änderung des Bebauungsplans

Von: -jül-
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Auf dem ehemaligen Sportplatz auf der Rotsch ist mit der Erschließung des Neubaugebietes begonnen worden. Jetzt wird der Bebauungsplan geändert, damit ein Haus mit bis zu 20 Wohneinheiten auf maximal drei Etagen gebaut werden kann. Foto: J. Lange
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Ähnlich wie durch die Stolberger WoGe am Duffenter kann sich die Ratsmehrheit sozialen Wohnungsbau auf der Rotsch vorstellen. Foto: J. Lange

Stolberg. Für die beiden Liberalen ist die Sache klar. Sie ziehen eine Linie von der Rotsch bis nach Breinig. Einen „Klotz“, so wettert Bernd Engelhardt im Stadtrat, hätten Verwaltung und Ratsmehrheit „aus Investoren-Interesse“ bereits an der Neustraße durchgepeitscht.

Im Edi-Braun-Neubaugebiet werde der kaum verabschiedete Bebauungsplan jetzt wieder geändert, damit Investoren Mehrfamilienbebauung realisieren könnten. „Damit werden alle bisherige Käufer von Grundstücken hinters Licht geführt“, kritisiert der Fraktionsvorsitzende, und sein Kollege Axel Conrads ergänzt: „Für die Rotsch gilt das Gleiche“.

Es sind aber weniger die wenigen zukünftigen Bauherren, denn die derzeitigen Anwohner von Rotsch und Jordansberg, die mehr als skeptisch dem Vorhaben der Verwaltung gegenüberstehen, ein Gebäude nach Standards des sozialen Wohnungsbaus errichten zu lassen. Während im Rathaus aus dem Umfeld des zweiten geplanten Standortes am Duffenter bis dato keine Protestnoten eingetroffen sind, formiert sich auf der Rotsch der Widerstand.

Anlieger berichten von einer Bürgerinitiative mit 50 bis 60 Mitgliedern, die sich im Umfeld der Rotsch gegründet habe. Eine Reihe von Anwohnern nutzt die Fragestunde zu Beginn der Ratssitzung, um ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen.

Ein Gebäude mit bis zu drei Geschossen und 10 bis 20 Wohneinheiten störe auf der Rotsch mit ihren Einfamilienhäusern das Bild, und die geplanten Sozialwohnungen bedeuteten einen Verlust an Lebensqualität sowie an Wert der eigenen Immobilien, wenden Redner ein, die auch zu differenzieren suchen, wer spätere Nutzer sein könnten. Die Nachbarn hatten sich von der Bebauung des ehemaligen Sportplatzes eine Siedlung versprochen, wie sie oberhalb an der Walther-Dobbelmann-Straße entstanden ist.

Argumente, die die Liberalen, Grünen und die UWG aufgreifen. „Es kann doch nicht sein, dass das die einzigen städtischen Grundstücke sind, die dafür genutzt werden können“, wendet Engelhardt ein. Die FDP habe zwar „nichts gegen sozialen Wohnungsbau, aber Atsch, Münsterbusch und die südlichen Außenbereiche sollten ebenfalls durchforstet werden nach geeigneten, schnell bebaubaren Grundstücken“, fordern Liberale und Grüne, die sich als „wertkonservativ“ kennzeichnen, so Frank Thyssen weiter: „10 bis 20 Wohnungen bedeutet für uns keine dezentrale Unterbringung, sondern eine Ghettoisierung.“ Eine Anzahl von Wohnungen in einem Gebäude, die Engelhardt zur Bezeichnung „Klotz“ verleitet.

Auf die Interessen der Anlieger einzugehen, fordert Axel Conrads. Das Gebäude dürfe nicht mehr als fünf bis zehn Wohnungen bieten. Nach dem Neubauprojekt Neustraße in Breinig fehle den Bürgern nun das Vertrauen in Verwaltung und Ratsmehrheit, mokieren die Kritiker.

Allerdings seien die Anlieger nicht richtig informiert, hält der Technische Beigeordnete entgegen. Bereits jetzt könne auf der Rotsch mit zwei Geschossen plus Staffelgeschoss gebaut werden, argumentiert Tobias Röhm. Durch die Änderung des Bebauungsplanes sollen die Gebäude auch zukünftig „nicht wesentlich höher“ werden dürfen. Geändert werden solle in erster Linie die Beschränkung auf bislang lediglich zwei Wohneinheiten.

Und für die Rotsch sei auch nur ein Haus als sozialer Wohnungsbau vorgesehen, klärt Tim Grüttemeier auf. „Die Hochhäuser auf der Liester sind keinesfalls das Vorbild“, macht der Bürgermeister klar. Es gehe jetzt erst einmal nur um die Grundsatzentscheidung, dann solle in Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Baubranche ein konkretes Konzept erarbeitet werden.

„Und das werden wir öffentlich vorstellen und mit den Bürgern diskutieren“, sagt Grüttemeier. Und Dieter Wolf versucht den Anwohnern ein positives Bild des heutigen sozialen Wohnungsbaus vor Augen zu führen, der nichts mehr mit den Billigbauten aus den 60er Jahren gemeinsam habe. Die jüngsten Mehrfamilienhäuser der WoGe auf dem Duffenter und an der Hastenrather Straße seien positive Beispiele zeitgemäßen sozialen Wohnungsbaus, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Wolf lässt auch keinen Zweifel daran, dass die Kupferstadt sich dringend wieder auf dem Immobilienmarkt engagieren müsse, um auch unabhängig von der weiteren Entwicklung des Flüchtlingsaufkommens zeitgemäßen und bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. 1999 hatte die Stadt ihren nahezu kompletten Bestand an Wohngebäuden privatisiert.

„Es ist wichtig, dass die Stadt jetzt das Angebot wieder ausbaut“, pflichtet der CDU-Kollege bei. Jochen Emonds und Dieter Wolf halten die beiden Standorte Duffenter und Rotsch städtebaulich vertretbar für die beiden ersten Gebäude, die realisiert werden sollen. Auch in den Folgejahren werde sich die Kupferstadt engagieren, wenn der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für weite Bevölkerungsschichten weiter ansteige.

Und an die Anwohner von Rotsch und Jordansberg richteten auch sie die Botschaft, dass die konkreten Planungen mit der Öffentlichkeit abgestimmt würden und sie keine Angst vor einer Ghetto-Bildung haben müsse.

Fünf Ratsmitglieder sagen Nein

Letztlich stimmte eine breite Mehrheit des Stadtrates für den Einstieg in die Änderung des Bebauungsplans auf der Rotsch, für weitere Untersuchungen am Duffenter zur Bebauung des städtischen Grundstückes neben dem Discount-Markt sowie für die Erstellung eines konkreten Bebauungskonzeptes. Die fünf Ratsmitglieder von FDP, Grünen und UWG stimmten mit Nein.

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