Wickeln, Füttern und Co.: Jugendliche werden zu Babysittern ausgebildet

Von: Leona Otte
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Mit Guido und Co.: Die Mädels des Kurses lernen bei der Babysittingausbildung anhand der lebensecht wirkenden Puppen unter anderem wie man Babys richtig wickelt. Freundliches Auftreten und wichtiges Wissen vermittelt. Foto: L. Otte
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Ist das Fläschchen zu heiß? Lil von der Weiden, Gianna Viethen und Annika Fischer (v.l.n.r.) machen beim Babysitterkurs den Test. Foto: L. Otte

Stolberg-Donnerberg. Fünf Mädels und ein junger Mann erlebten jetzt bei der Babysittingausbildung im Stolberger Kultur- und Gemeindezentrum KUGEL so etwas wie ein Déjà-vu und lernten darüber hinaus verantwortungsvoll für die Realität.

Es ist schön zu sehen, mit welcher Hingabe und Fürsorge sich Jugendliche und junge Erwachsene um etwas kümmern, das sie ins Herz geschlossen haben. Vielleicht kennt es noch jemand aus der eigenen Kindheit? Die emotionale Beziehung zur eigenen Puppe oder zum Stofftier, das man überall mit hinschleppte und ohne das ans Einschlafen nicht einmal annähernd zu denken war.

Drei Puppenbabys – Nika, Heinz und Guido – liegen auf dem Tisch. Ungeahnt dessen, dass sie gleich in den Augen derer, die sie heute umsorgen, für ein paar Stunden zum Leben erwachen werden. Aufmerksam lauschen die Teilnehmer den einführenden Worten von Sozialpädagogin und Kursleiterin Silke Göttgens-Weber: „Im Vergleich zu früher hat sich das Konstrukt der Familie gewandelt. Häufig wollen beide Elternteile ihren Beruf ausüben, Sport treiben oder mal ausgehen. Genauso wohnt die Verwandtschaft nicht mehr immer gleich um die Ecke. Der Bedarf an qualifizierten Babysittern ist also dementsprechend hoch.“

Das kommt den angehenden Jobanwärtern natürlich entgegen. Sie sind nicht nur hier, weil sie gern etwas mit kleinen Kindern machen, sondern sie möchten die Familien künftig vor allem unterstützen und entlasten. Bis es dazu kommt, gibt es allerdings noch Einiges zu lernen und zwar nicht nur, wie man gruselige Monster unter dem Bett vertreibt: Wie geht man mit einem Säugling um? Welche Phasen der kindlichen Entwicklung durchlaufen Kinder bis zum neunten Lebensjahr? Was gibt es für Unfallgefahren und wie verhält es sich mit der Aufsichtspflicht? All diesen Fragen soll nun auf den Grund gegangen werden.

Ein freundliches sympathisches Auftreten stellt den Start einer guten Arbeitsbeziehung dar. In einem fingierten Bewerbungsgespräch lernen die Teilnehmer sich zu präsentieren und selbstbewusst aufzutreten. Gleichzeitig schlüpfen sie mithin in die Rolle der Eltern. Daran geknüpft sind verschiedene Erwartungshaltungen, denen sie in Zukunft gerecht werden müssen: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und ein aufmerksamer Umgang mit den Kleinen sind unabdingbar. So sollten beispielsweise beim nachmittäglichen Besuch auf dem Spielplatz dann doch die Finger vom Handy gelassen werden.

Wichtig ist auch zu wissen, wie sich die zu betreuenden Kinder in welchem Alter verhalten. Dafür legen die Teilnehmer mit bunten Kärtchen eine Entwicklungsstraße an und kommen dabei ganz schön ins Grübeln – bevor es zum praktischen Teil übergeht. Hierfür hat sich Silke Göttgens-Weber etwas Besonderes einfallen lassen und auf dem Fußboden eine ganze Szenerie geschaffen mit Decke, Spielzeug und Babynahrung. In einen Halbkreis sitzen sie zusammen und eignen sich an, wie man Babys richtig auf dem Arm hält, wie sie gewickelt- und gefüttert werden: „Mir hat das am besten gefallen, weil ich noch etwas dazu lernen konnte. Dass man bei der Zubereitung des Fläschchens zum Beispiel, nicht nur einfach das Wasser einfüllt, sondern man auch darauf achtet, dass die Flasche steril sein muss und nicht zu heiß ist“, äußert die zwölfjährige Annika Fischer mit strahlenden Augen. Die Puppenbabys Nika, Heinz und Guido werden währenddessen die ganze Zeit umsorgt und liebevoll bemuttert, auf eine sehr behutsame Art und Weise: „Ich finde das toll. Es ist so interessant, dass die Kids über die Zeit des Babysitterkurses eine regelrechte Beziehung zu den lebensecht wirkenden Puppen aufbauen, denn genau diese Praxis ist es, die eine gewisse Ernsthaftigkeit mit sich bringt“, sagt Silke Göttgens-Weber. Die Sozialpädagogin nutzt ihr Wissensrepertoire, um den Teilnehmern die richtigen Werte und Verhaltensweisen mit auf den Weg zu geben.

Sehr einfühlsam schafft sie es, wenn es etwa um schreiende Säuglinge geht, auch dazugehörige Hintergründe zu beleuchten: „Der Gefühlswust mit dem jemand in solchen Situationen konfrontiert wird, muss erst einmal entschlüsselt werden, denn hinter jedem Gefühl steckt ein Bedürfnis. Weint das Kleine, stellt dies die Suche nach Sicherheit dar.“ Woraufhin die angehenden Babysitter entsprechend reagieren können. Die fünf Mädels und der junge Mann sind jetzt – dank des Seminares, welches vom Familienbildungswerk des DRK Aachen in Kooperation mit dem Jugendamt Stolberg Leben veranstaltet wurde – bestens auf ihre zukünftige Babysitterkarriere vorbereitet: „Es hat uns allen etwas gebracht. Ich werde ja auch irgendwann einmal eigene Kinder haben, dann weiß ich schon mal worauf ich mich einlasse“ sagt die 20-jährige Alexandra Arend. Und Teilnehmerin Gianna Viethen schlussfolgert hinzu: „So etwas könnte man auch mal an Schulen anbieten. Ich bin mir sicher, viele Schülerinnen und Schüler würden sich dafür interessieren.“

Mit einem Zertifikat in der Tasche und einem guten Gefühl machten sich die jungen Leute am Ende des Kurses auf den Weg nach Hause – wohlgemerkt ohne Nika, Heinz und Guido. Sie blieben bei Silke Göttgens-Weber, um bei der nächsten Babysittingausbildung die nächsten Herzen im Sturm zu erobern.

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