Stolberg-Donnerberg - Wetterstation auf dem Donnerberg: Wächter über den Sturm

Wetterstation auf dem Donnerberg: Wächter über den Sturm

Von: Sarah Sillius
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„Immer passiert etwas”: Mich
„Immer passiert etwas”: Michael Stammler ist fasziniert vom Phänomen Wetter. Sein Hobby lässt sich wunderbar mit seinem Beruf als selbstständiger IT-Spezialist vereinbaren. Foto: S. Sillius

Stolberg-Donnerberg. Michael Stammler kennt sie alle. „Ulrich” und „Andrea” zum Beispiel. Die beiden Stürme, die in der vergangenen Woche über die Region und auch über Stolberg hinweg gefegt sind.

Und das mit einer rekordverdächtigen Geschwindigkeit. „Bei Ulrich hat meine Station 107,3 km/h gemessen”, verrät Michael Stammler, 46. Er besitzt auf dem Donnerberg eine eigene Wetterstation.

Das Wetter beschreibt es als sein Hobby, doch eigentlich ist es mehr als das. Das Wetter ist Stammlers große Leidenschaft. Dabei waren Wolken, Blitz und Donner zu seiner Kindheit eigentlich Störfaktoren. Denn während er seiner damaligen Lieblingsbeschäftigung, der Astronomie, nachgehen wollte, störten sie die Sicht durch sein Teleskop.

Mit zehn Jahren wurde Michael Stammler ein Fan der Sterne und Planeten. „Ich bin am Bodensee aufgewachsen, da war der Sternenhimmel einfach so toll”, erinnert er sich. Mit zwölf hielt Stammler dann sein erstes eigenes Teleskop in den Händen. Anfangs aufregend, mit der Zeit ernüchternd. Stammler konnte wegen der Wolkendecke nichts erkennen und begann, sein Interesse auf das Wetter zu lenken. „Das Spannende daran ist: Immer passiert irgendwas.”

Es störte Stammler jedoch, dass es keine exakten Vorhersagen zur Wettersituation für die Region gab. Mit der Wetterdatenpolitik und dem Warnmanagement der Wetterdienste ist er bis heute unzufrieden. Über das Internet informierte sich Stammler, wie man sich seine eigene Wetterstation einrichten kann. Eine Profi-Station musste her, die verlässliche Daten liefert und diese auch aufzeichnet. Seit mehr als 20 Jahren läuft diese Station nun.

Vor zehn Jahren dann zog Stammler aus beruflichen Gründen nach Stolberg, brachte seine Wetterstation mit und installierte die Geräte auf seinem Dach an der Unteren Donnerbergstraße. Jahr für Jahr wuchs die private Wetterstation heran. Mittlerweile kann Stammler eine elektrische Feldmühle präsentieren, die das elektrische Feld zur akuten Warnung vor Blitzschlag misst, eine komplette Installation mit Antenne zur Blitz-Ortung und Windmesser. Im Garten steht das Wetterhäuschen, das Temperatur und Luftdruck vorschriftsgemäß auf zwei Metern Höhe über dem bewachsenen Grund misst. Eigens empfangene Satellitenbilder runden den Datenstrom ab.

„Andrea, Bibiana und Uli”

In seinem Büro überblickt Stammler die Lage auf zahlreichen Bildschirmen. Er sieht, wo der Blitz einschlägt, wo es regnet und wie stark der Wind weht. Auf einem Satellitenbild (siehe unten) konnte er am vergangenen Freitag gleich drei Sturmtiefs auf einmal beobachten. „Ulrich”, „Andrea” und „Bibiana” hatten sich zusammengefunden. Es war eine spannende Woche für Stammler. Mit „Uli” konnte er die höchste Windgeschwindigkeit der vergangenen zehn Jahre messen.

Dass aufgrund einer extrem starken Böe ein Auto von der Fahrbahn am Burgholzer Graben geweht wurde, hält Stammler durchaus für möglich. „Der Zeitpunkt stimmt genau überein. Um 9.56 Uhr habe ich die Stärke von 107,8 km/h gemessen, zur gleichen Zeit könnte die orkanartige Böe auf dem Plateau sogar 120 km/h schnell gewesen sein.”

Michael Stammler ärgert es, dass es so viele Unfälle gibt - trotz der Unwetterwarnungen. „Die Leute müssten sensibler mit dem Wetter umgehen”, sagt er. „Wieso fahren unbeladene Lkw bei diesem Sturm? Warum gehen Menschen bei so einem Wetter im Wald joggen?” Dinge, die Stammler einfach nicht einleuchten. „Durch die Klimaerwärmung ist das Wetter viel gefährlicher geworden”, sagt Stammler. Gewitter im Sommer seien intensiver - ebenso wie Stürme im Winter. „Wenn der Winter so warm ist, muss sich die Energie ja irgendwie entladen.”

Natürlich wünscht sich Stammler keinen großen Orkan oder gar Tornado für Stolberg. Aufregend würde er es aber finden, einem Tornado in den USA hinterherzujagen und ihn vielleicht sogar mit der Kamera einzufangen. So wie den Tornado in Duisburg 2004. Mit einem Team zeichnete Stammler den gefährlichen Luftwirbel auf. Das war sein bisher spektakulärstes Wettererlebnis.

„Bei dieser Urgewalt merkt man erst einmal, wie klein man eigentlich ist. Da hat der Mensch keine Chance. Beim Wetter handelt es sich um eines der wenigen Dinge, gegen die er nichts ausrichten kann”, sagt Stammler und die Begeisterung blitzt in seinen Augen auf. Auf den nötigen Schlaf verzichtet Stammler gerne einmal, um den Sturm im Blick zu behalten. Denn wer weiß, wem er nach „Ulrich” und „Andrea” als nächstes begegnen könnte?
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