Werks-Chor ist bald Geschichte

Von: Dirk Müller
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Der Leoni-Kerpen-Werks-Chor bei seiner letzten Probe mit Dirigent Kurt Haller. Die Sänger gestalten noch zwei Messen musikalisch und lösen den Chor dann auf. Foto: D. Müller

Stolberg. Am Samstag endet eine musikalische Ära, wenn der Leoni-Kerpen-Werks-Chor die Messe in der Mausbacher Pfarrkirche St. Markus gesanglich gestaltet. Denn der Chor löst sich auf. „Es hapert uns in jeder Stimmlage, und Nachwuchs ist keiner in Sicht“, berichtet Matthias Steinfeld, Vorsitzender des Werks-Chors, dass nur noch fünf Sänger übrig sind.

 „Nur durch die gute Zusammenarbeit mit dem Männerquartett Harmonie Eschweiler-Nothberg haben wir in den letzten Jahren Konzertstärke erlangen können.“

Doch da auch dieser Chor unter Nachwuchsproblemen leide und nur noch über zehn Sänger verfüge, habe auch die Harmonie beschlossen sich aufzulösen – nach 84-jährigem Bestehen, davon war die Harmonie fünf Jahrzehnte lang Meisterchor in Chorverband. Mit der musikalischen Gottesdienstgestaltung am Sonntag, 14. Dezember, in der Pfarrkirche St. Cäcilia in Eschweiler-Nothberg verabschiedet sich auch die mit dem Leoni-Kerpen-Werks-Chor befreundete Harmonie endgültig. Beide Chöre werden sich bei ihren letzten Auftritten gegenseitig unterstützen.

Für den Leoni-Chor kommt das Aus nach 64 Jahren. Es sei sehr bedauerlich, aber auch unausweichlich, sagt Steinfeld. „Wir sind ja leider nicht der einzige Männerchor mit Problemen. Das hohe Durchschnittsalter der Sänger und der Mangel an jüngeren Leuten mit Interesse dünnt die Männerchor-Landschaft aus“. Wie in Stolberg schon geschehen: Im vergangen Jahr löste sich der Dalli-Werks-Chor auf, zuvor hatte dies schon die Rheintreue getan. Und die Liste ließe sich fortschreiben. Was den Leoni- und Harmonie-Sängern bleibt, ist, sich herzlich bei ihrem treuen Publikum zu bedanken. „Und in unserem Fall ganz besonders bei den Familien Kerpen und bei der Geschäftsführung des Leoni-Kerpen-Werkes, die uns in all den Jahren vielfältig unterstützt haben“, betont Steinfeld im Namen aller Sänger.

Diese blicken auf eine wechselvolle Chor-Geschichte mit Höhen und Tiefen zurück. Der Idee von Heinrich Kerpen Senior folgend fanden zwölf Sänger am 5. Oktober 1950 zunächst als Quartettverein zusammen. Zu den Gründungsmitgliedern zählte August Lynen, der noch als Sänger im Leoni-Chor aktiv ist. 1953 wurde mit Josef Gigo von der Geschäftsleitung ein Profi mit der Leitung des Chors beauftragt.

Gigo übte das Dirigat 41 Jahre lang aus, bevor 1994 der jetzige Dirigent Kurt Haller den Werks-Chor übernahm. In seiner Historie wuchs das Ensemble zwischenzeitlich auf 35 Sänger an, konzertierte bei Feiern, Gemeinschaftskonzerten, Messen und auch zu traurigen Anlässen.

Zu Turbulenzen kam es 1991 nach einem Auftritt in der Stadthalle anlässlich der Feier des 60. Geburtstages von Firmenchef Heinrich Kerpen Junior. Der Chor sang in schwierigen akustischen Verhältnissen zur Begleitung des Orchesters Hugo Strasser – trotz Verstärkung mit nur 14 Sängern.

Selbstkritisch beschloss der Vorstand anschließend die Auflösung des Leoni-Kerpen-Werks-Chors, doch weder die Mitglieder noch der Firmenchef wollten dies akzeptieren. Letztlich wurde ein Jahr später ein neuer Vorstand gewählt, und die Probenarbeit wurden wieder mit Elan aufgenommen. 22 Jahre später fügen sich die verbliebenen Sänger, der Vorstand des Chors und die Werksleitung nun in ihr Schicksal, und der Leoni-Kerpen-Werks-Chor wird endgültig aufgelöst.

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