Wer sich beim Sperrmüll bedient, begeht Diebstahl

Von: Dirk Müller
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Kühlschränke und Elektroniks
Kühlschränke und Elektronikschrott kann im städtischen Wertstoffhof an der Hasencleverstraße kostenlos entsorgt werden. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Abholung des Sperrmülls ist bei der Stadt „bestellt”, und alte Möbel sowie ausgediente Elektrogeräte stehen am Straßenrand bereit. Oft dauert es nicht lange, und des Einen Müll weckt das Interesse Anderer, die für manches Sperrgut noch Verwendung haben.

Doch dass an der Straße befindlicher Sperrmüll herrenlos ist, niemandem gehört und zur „Selbstbedienung” einlädt, sei ein landläufiger Irrglaube, erklärt Sven Poschen vom Ordnungsamt der Stadt Stolberg: „Sobald die Dinge zur Abholung herausgestellt sind, gehen sie in den Besitz der Kommune über. Etwas davon zu entwenden ohne nachzufragen, ist Diebstahl.”

Ordnungsamt kontrolliert jetzt

Durch meist gut organisierte „Metallsammler” zum Beispiel entstehe hoher wirtschaftlicher Schaden, für den am Ende die Bürger aufkommen müssen. „Wenn ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen das Metall verwerten kann, hat das finanzielle Einnahmen zur Folge, die wiederum die an die Kommune zu entrichtenden Müllgebühren niedrig halten. Bereichert sich ein Metallsammler durch das Entwenden und Veräußern des Sperrguts, zahlen die Bürger höhere Abfallentsorgungsgebühren”, führt Poschen aus. Mehr als einen Diebstahl zu Lasten der Gebührenzahler begehen die „Sperrmüllsammler”, die sich an Elektrogeräten zu schaffen machen, um an Metall oder bestimmte Bauteile zu kommen. Sie schädigen mit ihrem illegalen Geschäft oft massiv die Umwelt.

Besonders alte Kühlschränke bergen Schadstoffe in sich, die das Grundwasser verseuchen können und die Ozonschicht unseres Planeten angreifen. „In den Kühlkreisläufen älterer Geräte befinden sich durchschnittlich 250 Gramm FCKW-haltiges Thermo-Öl. Schon ein einzelner Tropfen davon verseucht bis zu 1000 Liter Trinkwasser”, beschreibt Wolfgang Peters von der Noex AG.

Das Tochterunternehmen der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) ist von der Stolberger Stadtverwaltung mit der fachgerechten und umweltfreundlichen Entsorgung elektronischer „Altlasten” der Haushalte betraut. Peters führt aus, dass vor allem die Kompressoren alter Kühlschränke vom Straßenrand weg gestohlen werden: „Für diese Kompressoren erzielen die Sammler gerade einmal fünf Euro im Verkauf. Das Problem ist, dass beim Entwenden des Bauteils durchschnittlich 128 Gramm FCKW R 12 freigesetzt werden.”

Dieses Kältemittel ist fast 11 000 Mal klimaschädlicher als CO2. Der unkontrollierte Austritt aus nur einem einzigen Gerät entspricht einem CO2-Ausstoß von 1,4 Tonnen. „Ein geplünderter Kühlschrank belastet das Klima so stark wie ein durchschnittliches Dieselfahrzeug in 20 000 gefahrenen Kilometern”, vergleicht Peters. Rund drei Millionen Haushaltskühlgeräte werden jährlich in Deutschland entsorgt, 80 Prozent davon wurden vor 1995 hergestellt und beinhalten das gefährliche FCKW. Knapp 500.000 Geräte erreichen bereits ausgeplündert die kommunalen Übergabestellen. Gegen die daraus resultierende Umweltbelastung und den wirtschaftlichen Schaden für die Bürger haben die Stadtverwaltung, die EGN und die Noex AG nun eine Allianz geschlossen, um die Bewohner der Kupferstadt für das Thema zu sensibilisieren.

„Wir raten den Haushalten, als Sperrmüll angemeldete Elektrogeräte erst am Morgen des Abholtages herauszustellen, damit das Zeitfenster für die Mülldiebe möglichst klein ist”, sagt Poschen. Er verweist darauf, dass ausgediente Geräte zudem kostenlos bei dem städtischen Wertstoffhof an der Atscher Hasencleverstraße 29 abgegeben werden können. Kleingeräte, die etwa Akkus enthalten, nimmt das Schadstoffmobil ebenso kostenfrei entgegen. Einzelheiten sind dem jährlichen Abfallkalender zu entnehmen.

Außerdem werde das Ordnungsamt verstärkt Kontrollen durchführen, um Sperrmülldieben das Handwerk zu legen. Zumindest werde es dadurch für die illegalen Wertstoffsammler in Stolberg ungemütlicher, meint Peters, der Erfahrungen aus anderen Städten zugrunde legt: „Bei Anzeigen wegen Umweltvergehen und Diebstahl blieb es oft nicht. Nicht ausreichend gesicherte Ladung und nicht verkehrssichere Fahrzeuge wurden auch geahndet.”

Bürger, die Diebstahl oder Beschädigung von Sperrmüll beobachten, können sich direkt an das Ordnungsamt wenden unter der Telefonnummer 13-311, -470 oder -216 oder per E-Mail: sven.poschen@stolberg.de .
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