Stolberg - Wer länger Grün hat, gefährdet den abbiegenden Verkehr

Wer länger Grün hat, gefährdet den abbiegenden Verkehr

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Der Grünpfeil hing zwölf Jah
Der Grünpfeil hing zwölf Jahre an der Zweifaller Straße - ohne beanstandet zu werden.

Stolberg. Wer auf der Galmeistraße dank des Grünpfeils an der Rotlicht zeigenden Ampel nach rechts auf den Lehmkaulweg (L 220) abbiegt, muss nicht nur dreifach vorsichtig sein, auf Fußgänger und Fahrradfahrer achten, sondern auch dem Fahrzeugverkehr der freigegebenen Verkehrsrichtung Vorrang gewähren. Der kommt dort in der Regel von links.

Von links-geradeaus kann auch der Verkehr mit Vorrang für den kommen, der bis vor kurzem noch auf der Zweifaller Straße (L 238) nach rechts auf den Burgholzer Graben (K 6) abbiegen wollte. Das darf er derzeit nicht mehr, weil der Grünpfeil im Frühjahr auf Wunsch der Stolberger Polizei erst einmal demontiert wurde. Ein Beinaheunfall eines nach rechts abbiegenden Kradfahrers war der Anlass dafür.

Aber mit der Demontage wurde in die Zuständigkeit der Stadt als Straßenverkehrsbehörde eingegriffen, monierte der Verkehrsausschuss Ende Juni. Entsprechend seiner Forderung wurde der Grünpfeil wieder angebracht.

Aber nur für wenige Tage, denn auf Drängen der Polizei tagte zwei Wochen später die Unfallkommission der Städteregion, der außerdem Vertreter der Bezirksregierung sowie des Landesbetriebs Straßenbau angehören, und entschied, den Grünpfeil umgehend wieder abzunehmen, weil durch ihn eine erhebliche Verkehrsgefährdung entstehen könnte.

Diese wird von der Polizei und der Unfallkommission damit begründet, dass für die aus der Innenstadt kommenden Fahrzeuge die Grünphase um einige Sekunden länger ist, als für die Verkehrsteilnehmer, die in Richtung Innenstadt wollen. Somit muss ein am Grünpfeil nach rechts in Richtung Donnerberg abbiegender Fahrer damit rechnen, dass ein Linksabbieger Vorfahrt hat.

Das ist offensichtlich aus Sicht von Polizei und Unfallkommission so gefährlich, dass der Grünpfeil abgenommen werden musste. Für die Feststellung dieser Gefahrenlage benötigten die Behörden gute zwölf Jahre. Denn seit 2000 hing dieses aus DDR-Zeiten übernommene Verkehrszeichen unbeanstandet an besagter Stelle.

Zumindest während der vergangenen 19 Monate ist der Grünpfeil nicht ursächlich gewesen für einen gravierenden Verkehrsunfall. „In diesem Zeitraum weist unsere Statistik keinen Unfall mit Grünpfeil auf, der uns bekannt und von uns aufgenommen worden geworden wäre”, sagt auf Anfrage unserer Zeitung Po­li­­zei­sprecher Paul Kemen. Registriert wurde ein einziger Unfall mit zwei Leichtverletzten, bei dem allerdings ein Autofahrer das Rotlicht missachtet hatte.

Ebenfalls seit 2000 gute acht Jahre lang existierte ein vergleichbarer Grünpfeil an der Zweifaller Straße, um nach rechts in die Finkensiefstraße abzubiegen. Auch dort hatten stadteinwärts entgegenkommende Abbieger länger Grün als der stadtauswärts fließende Verkehr. Auch dort ist der Grünpfeil demontiert worden. Allerdings aus einem wesentlich anderen Grund: Im Rahmen der Kaufland-Ansiedlung wurden Verkehrsflüsse neu berechnet.

Die Linksabbieger in Richtung Büsbach erhielten auf ihrer Abbiegespur eine eigene Ampelschaltung ebenso wie Rechtsabbieger aus der Finkensiefstraße - die komplette Verkehrsführung für die Einmündung wurde vor vier Jahren verändert. Dies ist wenige Meter stadtauswärts am Burgholzer Graben nicht der Fall.

„Die Verwaltung bejaht grundsätzlich die Anbringung des Grünpfeils an besagter Stelle”, bezeugt Walter Wahlen, der seit Monatsbeginn für Verkehr zuständige Fachbereichsleiter, in seiner Vorlage für den am 23. August tagenden Fachausschuss. Allerdings weist Wahlen auch auf die Forderung der Unfallkommission hin: „Die Ampelschaltung müsste umgestellt werden.” Das kostet Geld.

Träger öffentlicher Belange sind bereits zur Stellungnahme aufgefordert. Der zuständige Landesbetrieb hat angekündigt, die Installation einer Ampel für Rechtsabbieger zu prüfen. Bislang habe er das stets abgelehnt, weil die Abbiegespur zu kurz sei, wissen Insider. Derweil besagt das Gesetz allerdings nicht, dass einem an einem Grünpfeil kein Verkehr entgegenkommen darf.
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