Wenn Katzen das große Kribbeln kriegen

Von: Sarah-Lena Gombert
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Allzu häufiges Kratzen hinterm Ohr kann bei Katzen ein Zeichen für unliebsamen Besuch des Katzenflohs sein. In den letzten Wochen haben immer mehr Stolberger Haustiere mit den parasitären Insekten zu kämpfen. Foto: imago/imagebroker, imago/photoshot/evolve

Stolberg. Katzen sind reinliche Tiere. Wenn sie nicht gerade fressen oder schlafen, sind sie mit der Fellpflege beschäftigt. Doch wenn Stubentiger sich häufiger kratzen als sonst, dann kann das vor allem bedeuten, dass sie unerwünschten Besuch haben: vom Katzenfloh.

Der Parasit ist in diesem Spätsommer eine regelrechte Plage für Haustierbesitzer in Stolberg, wie zwei Tierärztinnen aus der Kupferstadt im Gespräch berichten. Auch eine Verkäuferin eines Zoohandels bestätigt auf Anfrage: Flohmittel gehen derzeit weg wie warme Semmeln.

„Ein ganz typisches Anzeichen für Flohbefall bei Katzen ist, dass sich die Tiere auffallend häufig hinter den Ohren oder oberhalb des Schwanzansatzes kratzen“, sagt Tierärztin Martina Schullenberg, die in diesem Jahr mehr Flohpatienten als gewöhnlich zu behandeln hat.

„Mindestens 15 Prozent der Tiere, die in meine Praxis kommen, haben mit Flöhen zu tun.“ Auch ihre Kollegin Silke Amelung bestätigt das Floh-Problem: „Mittlerweile kontrolliere ich jedes Tier, das zu mir kommt, auf Flöhe.“

Der Grund für die besonders häufig vorkommenden Flöhe in diesem Jahr sehen die Tiermedizinerinnen in der milden Witterung im vergangenen Winter und an dem wechselhaften Wetter in den vergangenen Wochen. „Im August hat das angefangen“, schätzt Silke Amelung, „da ist das mit den Flöhen richtig explodiert.“

Auch Hunde sind betroffen

Der Name des Übeltäters ist Katzenfloh, lateinisch Ctenocephalides felis. Wie der Name schon sagt, sind vor allem Katzen von dem kleinen, flinken Parasiten betroffen, aber auch Hunde, Kaninchen oder Meerschweinchen können dem Insekt als Wirte dienen. „Menschen hingegen nicht“, sagt Silke Amelung, „auch wenn sie mal gestochen werden.“ Auch Martina Schullenberg erklärt: „Als Mensch sind Sie für den Floh sehr unattraktiv. Sie sind schlicht nicht behaart genug.“

Befallen werden kann grundsätzlich jede Katze. Es spielt keine Rolle, wie gut sie gepflegt ist. „Sauberkeit spielt absolut keine Rolle für den Floh“, sagt Amelung, trotzdem ist der Parasitenbefall für viele Tierbesitzer ein Tabuthema, weil sie sich schämen.

Aber gerade in ländlichen Bereichen, wie rund um Stolberg, sind die meisten Katzen auch Freigänger. „Draußen kommen sie mit anderen Tieren in Kontakt, und der Floh springt von einem zum anderen Wirt“, erklärt Amelung. Auch der Mensch kann, zumindest kurzzeitig, als Transportmittel dienen. Bis zu 80 Zentimeter weit hüpft so ein Floh.

Um Flöhe möglichst schnell und dauerhaft wieder loszuwerden, sollen Tierhalter zum einen die Tiere selbst, zum anderen auch die Umgebung behandeln, insbesondere Schlafplätze. Es gibt Flohhalsbänder, die ein Pulver abgeben, das Flöhe abschreckt und abtötet. Es gibt „Spot on“-Flüssigkeiten, die im Nackenbereich aufgetragen werden und sich auf der Haut der Katze verteilen. Solche Mittel lassen sich auch als Vorsorge einsetzen, um es gar nicht erst zum Flohbefall kommen zu lassen.

Schließlich gibt es Tabletten: Diese versetzen das Blut der Katze mit einem Flohgift. Sobald dieser beißt und Blut trinkt, verendet er. „Natürlich sind das Chemikalien, die zum Einsatz kommen“, sagt Silke Amelung, „und viele Menschen erkundigen sich auch nach alternativen Methoden.“

Sie könne aber bei einem richtigen Flohbefall zu keinem anderen Mittel als den herkömmlichen raten. Mittel zur Flohbekämpfung bekommt man sowohl beim Tierarzt als auch im Zoohandel. Auch Drogerien verkaufen Sprays, mit denen man die Umgebung im Haushalt von Insekten befreien kann. Für den Haushalt gilt aber vor allem: Textilien möglichst heiß waschen und regelmäßig staubsaugen.

„Ich rate bei heftigem Flohbefall davon ab, einfach Produkte im Zoohandel zu kaufen“, sagt Tierärztin Silke Amelung. Auch dort bekommt man Sprays, Pulver und andere Dinge zur Flohbekämpfung. „Allerdings sind die Mittel nicht so wirksam wie die, die man beim Tierarzt bekommt“, so Amelung.

Das bedeutet: Behandelt man einen Flohbefall mit Mitteln aus dem Zoohandel, kann es passieren, dass die Tiere sich noch vermehren, bevor sie sterben. „So wird der Lebenszyklus der Flöhe nicht unterbrochen, und man hat in ein paar Wochen vielleicht die gleichen Probleme erneut“, erklärt Tierärztin Amelung.

Die Flöhe, selbst 2-3 Millimeter groß, legen ihre Eier in das Fell ihrer Wirtstiere. Dort fallen sie aber heraus, bevor die Larven schlüpfen. Diese wiederum verpuppen sich, und nach einer Zeit von mindestens einem Monat ist der Floh „erwachsen“. „Wie lange die Entwicklung des Flohs dauert, ist sehr unterschiedlich“, betont Martina Schullenberg.

Alleine die Floheier, die nahezu „unkaputtbar“ sind, können viele Monate lang unbeschadet überdauern, bis sich die Tierchen entwickeln. Darum sei eine langfristige Behandlung unabdingbar. „Ich muss mich also mindestens drei bis fünf Monate mit dem Thema befassen, wenn ich die Flöhe langfristig loswerden will“, erklärt die Tierärztin.

Für Schullenberg gehört zu einer Flohbehandlung außerdem immer eine Wurmkur dazu: „Katzen lecken sich, und dabei können sie auch Flöhe aufnehmen und dadurch von Würmern befallen werden.“

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