Wenn der Rollator zum Statussymbol wird

Von: Sandra Pavlic
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55 Mitarbeiter betreuen 56 Bew
55 Mitarbeiter betreuen 56 Bewohner im „Heim des guten Samaritan”. Foto: Sandra Pavlic

Stolberg. Es ist 12 Uhr, und das bedeutet „Mahlzeit” im Speisesaal. Im „Heim des Guten Samaritan” treffen sich die Bewohner - natürlich um zu speisen, aber auch um gesellig ein wenig zu plaudern. Gemeinschaftsräume gibt es auch, hier nehmen die Männer und Frauen ihre Nahrung mit Hilfe von Pflegekräften zu sich.

„Wir können nicht heilen”, betont der Geschäftsführer Dirk Renerken. Aber genau diese Erwartungshaltung stehe vielfach im Raum, wenn die Entscheidung für ein Altenheim gefallen sei. „Viele Angehörige vergleichen das Heim mit einem All-Inclusive-Hotel und fragen nach der Animation”, erkennt auch Pflegedienstleiterin Jolanta Mika falsche Vorstellungen.

Tatsächlich stehe Pflege, Betreuung und Beratung im Vordergrund. Dabei sei die Familie gleichermaßen wie das Pflegepersonal gefragt, wenn es beispielsweise um die Überwachung der Einnahme von Medikamenten gehe. Aber erst einmal müssten Menschen lernen, „Ängste gegenüber Heimen abzubauen und anerkennen, dass es doch ganz gut sein kann”, erläutert Dirk Renerken. Besonders bei Demenzerkrankten würden die Betroffenen ihr neues Leben oftmals besser annehmen, als es ihre Familien zuvor erwartet hätten.

56 Bewohner werden zurzeit betreut. Von insgesamt 55 Mitarbeitern sind 35, überwiegend Frauen, in der Pflege tätig. In drei Schichten und Bewohnergruppen aufgeteilt, schafft es eine Pflegekraft, abhängig des Grades der Pflegestufe sowie der pflegerischen Notwendigkeit, zwischen sieben und zehn Personen zu versorgen. Auszubildende, deren Anteil laut Renerken noch nie so hoch gewesen ist, füllen mit der hauseigenen Wäscherei und Küche den Personalstand.

„Trotz Schichtsystems und der Arbeit an Wochenenden und Feiertagen bewerben sich immer mehr Jungs. Obwohl gegenwärtig kein Fachkräftemangel zu verzeichnen sei, „hat man in diesem Beruf nie genügend Personal”, betont der Diplom-Pflegewirt Renerken. Es sei jedoch ein Trugschluss zu glauben, die Zahl der Angestellten mache die Arbeit aus.

Qualität statt Quantität sei oberstes Gebot. Sozialarbeiter, Mediziner, Pflegepersonal, Angehörige gehen den Bedürfnissen jedes Bewohners nach, rund 20 ehrenamtliche Hilfskräfte engagieren sich darüber hinaus im Heim, vier Ordensschwestern der Christenserinnen, bis vor einigen Jahren noch in der Pflege tätig, nehmen die Aufgaben der Seelsorge wahr.

Die Pflegekräfte bauen oft eine Beziehung zu den Bewohnern auf: „Teilweise lebt man mit der ,Oma schon zehn Jahre lang zusammen, und man teilt Freud und Leid. Es ist nicht so unpersönlich wie in einem Krankenhaus, eher wie im Treppenhaus des eigenen Heims, wenn man auf Nachbarn trifft,” sagt Krankenschwester Mika.

Zur Erhaltung der Beweglichkeit ist fast jeder Bewohner im Besitz eines Rollators. „Aufgrund verschiedener Modelltypen gelten die Rollatoren als Statussymbol. Besonders im Speisesaal gibt es regelrechte Kämpfe unter den Bewohnern,” sagt Dirk Renerken und schmunzelt dabei. „Dieser Beruf ist so vielfältig und facettenreich. Es wird niemals langweilig, da man nicht vorhersagen oder planen kann, was am nächsten Tag geschieht. Es gibt viel Nachholbedarf in der Gesellschaft. Ich wünsche mir einen großen Krug an Anerkennung bei den Mitarbeitern. Sie verdienen höchsten Respekt.”

Es ist jetzt 13 Uhr. Gesättigt verlassen die Bewohner den Speisesaal. Entweder ohne Hilfe oder gestützt vom Pflegepersonal, suchen die Senioren ihre Zimmer auf - es ist Mittagsruhe im Altenheim.
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