Stolberg - „Wenn de Trump Bürgermeister von Stolberg wär...“

„Wenn de Trump Bürgermeister von Stolberg wär...“

Von: ucg
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Auf einer Taxifahrt in die Innenstadt: Ein Seminar in praktischer Politikwissenschaft erlebte der Autor des Beitrages. Foto: J. Lange

Stolberg. Das Auto-Radio dudelt. „WDR 5, die Nachrichten“, meldet sich plötzlich eine Frauenstimme, just als wir aus Richtung Köln kommend das Stolberger Einzugsgebiet erreichen. Der Taxifahrer dreht ein wenig lauter. „US-Präsident Donald Trump…“ Weiter kommt die Sprecherin nicht, denn der freundliche Fahrer grätscht direkt ein.

„Watt halten sie denn von dem Trump?“, fragt er – und wartet die Antwort gar nicht erst ab. „Wenn Sie mich fragen – der iss leicht bekloppt…“ Mein zustimmendes „Hmmm…“, von der Rückbank ermutigt ihn.

„Aber stellen Se mal vor. Wenn der Trump Bürgermeister von Stolberg wär‘. Ich kenn mich aus, bin nämlich aus der Ecke hier. Und 48. Semester Politikwissenschaft. Voll das Klischee: Keine große Leuchte war er – also wurd’ er Taxifahrer…“

Er lacht schallend. „Aber im Taxi kann ich den Professor für praktische Politikwissenschaft machen… Vorher noch zwei Semester Jura. Jau. Wissen Se – wie nennt man einen Anwalt aus Stolberg, der ihnen vom Gericht gestellt wird? Vicht-Verteidiger!“

Rote Ampel. „Ach so, ja, de Trump. Stolberg first heißt datt dann. Als erstes fliegen alle Todesanzeigen aus der Stolberger Zeitung raus. Fake News! Wo de Donald datt sagen hat stirbt doch keiner! Er zögert kurz. „Bei der AZ könn’ se übrigens froh sein, wenn der die nicht dicht macht. Wissen Se warum?“ Wieder wartet er nicht erst auf die Antwort. „Der Gysi hat mal bei denen gesagt, datt de Trump ein sehr schlichtes Gemüt wär’. Ham die gedruckt. Und wissen Se ja – wer gegen den watt sagt, der fliegt. Kündigung kommt per Twitter.“

Ein paar Kurven weiter. „Watt machen Se so beruflich? Vielleicht watt mit Werbung, Marketing oder so? Hmmm… Na bitte, datt passt. Wissen Sie eigentlich, dass die Firma von Kölnisch Wasser hier in Stolberg sitzt?“ Hmmm. „Genau! Jede Wette – bei Trump heißt datt dann nicht mehr Kölnisch Wasser. Weil – Köln iss ja Ausland. Alle Freihandelsverträge gekündigt. Außer mit Düsseldorf. Weil – de Melania braucht ja immer de neueste Mode. Donald’s neue Marke: „Wehebach-Water“. Mit 4711 ist auch vorbei, logisch. Datt heißt dann „22 22 – oridschinäl Wehebach Water. Wissen Se warum 22 22? Iss de Postleitzahl von hier, nur ohne 5. Klingt marketingmäßig besser so. Und watt nich’ passt, fliegt raus. So iss dat doch bei Trump.“

Irgendwas brütet er noch aus, dass ist deutlich zu sehen. Und da kommt’s: „Kupferstadt ist auch passé wenn Donald am Ruder iss. Jau! Dafür müssen Se von hier sein: In Münsterbusch am Schellerberg gab’s annodunnemals mal ne Silberhütte. Iss doch viel cooler: Silver-City Stolberg! Allet längst vorbei. Aber mit alternativen Fakten kennt der sich ja aus.“ Das Schloss kommt in Sicht. Er deutet aus dem Fenster. „Gucken Se mal – de Trump-Tower! Hmmm…“ Wir kommen an. Der Fahrer lächelt. „Welcome to Silver-City! Make the Voreifel great again! Zahlen dürfen Se aber noch in Euro und nicht mit Dollar.“

Sein Lächeln wird zu einem sympathisch verschmitzten Grinsen: „Macht 31,50 – plus üppiges Trinkgeld natürlich.“ Hmmm?!?! „Tja, gucken Se mal, dat lernste von Trump: Ich fahre Kombi. Warum? Weil: Wenn de Präsident werden willst, brauchste ne richtig große Klappe…“

Der Autor war lange Jahre Mitglied der Chefredaktionen von „Welt am Sonntag“ und „Bild“. Er arbeitet als Kommunikations-Unternehmer in seiner Heimatstadt Hamburg, von wo ihn die Reise immer wieder beruflich in die rheinische Voreifel führt.

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