Wenn das Eis per Taxi geliefert wird

Von: Valerie Barsig
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Sami Korkmaz betreibet in Stolberg ein Eistaxi. Damit sein Eis gefroren beim Kunden ankommt, verwendet er Kühlboxen, in denen bis zu minus zwanzig Grad herrschen können. Die Boxen ähneln denen, in denen Pizza ausgeliefert wird. Foto: V. Barsig
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Adriana Pellegrini betreibt ein Eistaxi in Stolberg. Damit ihr Eis gefroren beim Kunden ankommt, verwendet sie Kühlboxen, in denen bis zu minus zwanzig Grad herrschen können. Die Boxen ähneln denen, in denen Pizza ausgeliefert wird. Foto: V. Barsig

Stolberg. Adriana Pellegrini beugt sich über die Theke in ihrem Eiscafé in Büsbach und versenkt den Portionierer im Schokoeis. Die Kugeln wandern in eine pinke Plastikschale, Pellegrini klappert mit den Plastiklöffeln, setzt eine Waffel auf die Eisportion und verpackt die Schale sorgfältig in Papier – zweimal, denn so bleibt das Eis länger kalt. Wenige Minuten später landet das Paket in einer grauen Styroporbox, gut gebettet auf ein paar Kühlakkus.

Pellegrini macht sich auf den Weg: das Eis liefert sie an einen Kunden in Stolberg. Pelligrini hat seit diesem Jahr ein sogenanntes Eistaxi – ebenso wie Sami Korkmaz, der eine kleine Eisdiele in Atsch betreibt.

Eistaxi als zweites Standbein

Korkmaz hat schon im vergangenen Jahr begonnen, Eis in Stolberg auszuliefern. Er möchte sich mit dem Taxi ein zweites Standbein aufbauen. „Die Idee hatte ich schon länger“, sagt er. „Ich wusste nur nicht, wie ich sie umsetze.“ Schließlich brachte ihn sein Onkel auf die Idee, Kühlboxen zu benutzen, die ähnlich aussehen, wie die Styroporkartons, in denen Pizza ausgeliefert wird. Bis zu minus 20 Grad kalt halten sie das Eis. „Minus 18 Grad ist für Eis perfekt.“

Das weiß auch Adriana Pellegrini. Sie stand schon als Teenager in einem Ort in den Dolomiten in Italien hinter der Theke der Eisdiele ihres Vaters. „Ich konnte gar nichts anderes machen, als auch Eis“, sagt sie über ihren Werdegang. Schon seit 40 Jahren rührt sie aus Milch, Sahne, Zucker und allerlei anderen Zutaten frisches Eis zusammen. Sie weiß genau, wie es perfektes ist: die Konsistenz muss fest sein, es darf nicht direkt auf der Zunge zerschmelzen.

Natürliche Zutaten seien essenziell, sagt sie. Wenn man eine Eisdiele testen wolle, müsse man Zitronen- und Vanilleeis bestellen. „Wenn das schmeckt, ist es eine gute Eisdiele.“ Für ihr Zitroneneis benutzt sie Früchte aus Sizilien. „In Fruchteis müssen Stücke sein“, erklärt sie. Sei das nicht der Fall, könne es sein, dass lediglich Sirup verwendet wurde. Und das sei ein No-Go.

Eisdielen müssen sich längst auf immer neue Kundenwünsche einstellen: Veganes Eis, Eis mit weniger Zucker oder sogar Eis ohne Milch sind gefragt. Pellegrini hat gerade ein Soja-Eis im Angebot. „Man versucht es und schaut, wie es läuft“, erklärt sie. Gerade veganes Eis sei schwerer herzustellen, weil die Eismaschine gereinigt werden müsse, damit das vegane Eis nicht mit Milchprodukten in Berührung kommt.

Das Eistaxi ist für Pellegrini nur eine logische Schlussfolgerung: „Die Menschen werden einfach immer bequemer, alles geht über das Internet, alles kommt zu einem nach Hause.“ Also müsse das eben auch auf das Eis zutreffen. „Man muss da eben mit der Zeit gehen.“ Drei bis viermal am Tag liefert sie ihre Portionen innerhalb von Stolberg aus.

Insbesondere Familien und Jugendliche bestellen Eis per Taxi. Die größte Bestellung, die Sami Korkmaz im vergangenen Jahr auslieferte, ging an die Uniklinik in Aachen – 45 Becher Eis bestellten Ärzte und Krankenpfleger in der Klinik. „Viele sind überrascht, dass es ein Eistaxi gibt“, sagt Korkmaz. „Und haben Angst, dass das Eis nur flüssig bei ihnen ankommt.“ Dank Plastikschalen mit Deckel, Kühlakkus und einer isolierten Styroporbox besteht aber keine Gefahr.

Besonders beliebt bei Korkmaz ist seine eigens entwickelte Eissorte „Black Mamba“ mit schwarzer Vanille und auf der Zunge knisternden Kirschstreuseln. Korkmaz betreibt sein Eiscafé seit rund fünf Jahren. Davor arbeitete er drei Jahre lang bei einem Großhandel für Obst und Gemüse. „Dann wollte ich wieder das machen, was mir Spaß macht.“ Zehn Jahre lang arbeitet er schon in der Branche und besuchte zur Ausbildung eine die Eisfachschule in Iserlohn.

Adriana Pellegrini ist quasi in der Eisdiele geboren, sagt sie. Das Eismachen lernte sie von ihrem Vater. Früher sei es einfacher gewesen, eine Eisdiele zu betreiben. Das bestätigt auch Sami Korkmaz. Er lebt hauptsächlich von seinen Stammkunden.

Sein Café habe eine schwere Lage und nur wenig Laufkunden. Auch Pellegrini hatte früher mal eine größere Eisdiele. Seit drei Jahren hat sie ihr Café in Büsbach, das an einer belebteren Straße als das von Korkmaz liegt. Über die Wintermonate komplett zu schließen, sei aber trotzdem keine Option mehr, sagt sie. Nur noch zwei Monate im Jahr ist ihre Eisdiele geschlossen.

Das Eistaxi ist bislang nur in den Sommermonaten unterwegs. In den Nachmittag- und Abendstunden heißt es dann für Korkmaz und Pellegrini: Eis portionieren, Styroporkiste packen und ab ins Auto.

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