Wenn aus Pelzen Teddy-Kleider werden

Von: Heike Eisenmenger
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Teddymacher aus Leidenschaft: Das ist Jürgen Behrendt aus Gronau, der in diesem Jahr den „Oscar” der Branche einheimste. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Mutters alter Ozelotpelzmantel kommt zu neuen Ehren - er wird umgeschneidert für eine Puppe. Gabi Römer aus Brand lässt das gute Stück für eine ganz besondere Puppe maßanfertigen - es ist die Lieblingspuppe ihrer verstorbenen Mutter.

„Ich empfinde das als einen sehr schönen Gedanken, es hätte meiner Mutter bestimmt gefallen, zumal es auch niemanden in der Verwandtschaft gibt, der ihre Pelzjacke hätte tragen können, weil die sehr schmal geschnitten ist”, sagt Römer. Echte Pelzmäntel, die zu neuen Ehren kommen, Puppenkleidchen wie aus einem Historienfilm, Felle für Teddybären, Glasaugen, Schühchen, Wiegen, und, und, und: Es gab viel zu sehen auf der fünften Puppen- und Teddybörse an diesem Sonntag in Stolberg.

Es ist Mittagszeit, die Börse ist gut besucht. Doch der Eindruck täuscht, das sagt zumindest die Organisatorin Elisabeth Claßen. Die 61-Jährige ist mit der Resonanz nicht zufrieden. „Die Aussteller kommen ganz euphorisch hierher, aber die Stolberger lassen sie hängen”, findet die Puppenmacherin aus Stolberg. Eintritt wird nicht verlangt, stattdessen wird um eine Spende gebeten, die dem Stolberger Projekt „Mittagessen in Kindergärten” zugute kommt.

Das Interesse auf sich lenken wollen auch die Aussteller. Besonders die Verkäufer von handgefertigten Puppen haben es in diesen Tagen schwer. Der Verkauf handgefertigter Puppen läuft eher schleppend - da sind sich die befragten Aussteller einig, was aber nicht unbedingt eine Folge der Wirtschaftskrise ist. Im Gegensatz zu Puppen, ist „Meister Petz” nämlich gut im Geschäft. „Teddys werden nach wie vor gesammelt”, erzählt Jürgen Behrendt aus Gronau, der zum ersten Mal in der Kupferstadt seine Bärenkollektionen vorstellt. Allerdings gehe der Trend weg vom großen Teddy, hin zum kleinen, bemerkt der 56-Jährige, der Gewinner des „The Golden George 2009” ist. Das ist sozusagen der „Oscar” der Teddybärenbranche.

Doch warum ist die einst florierende Puppenbranche im Niedergang? Die Aussteller nennen dafür mehrere Gründe. Angelika Kostyzyn, Fachfrau für handgearbeitete, opulente Puppenkleider im Stil des 19. Jahrhunderts und Puppenpelzmäntel, sieht das Problem im fehlenden Nachwuchs. „Heutzutage spielen die Kinder lieber mit elektronischem Spielzeug, es spielt sich fast alles virtuell ab. Leute, die sich für Puppen interessieren, sind in meinem Alter oder älter”, sagt die 49-Jährige.

Auch die Internet-Plattform Ebay, wo Waren meistbietend verkauft und angeboten werden, ist ein Grund dafür, warum es immer weniger Puppenbörsen gebe, glaubt die Schneiderin.

Besucherin Elke Sudmeyer hat eine 400 Kilometer weite Anreise in Kauf genommen, um in Stolberg handgefertigte Puppen und Teddys zu sehen.

Die Sammlerin macht die Massenproduktion von Puppen dafür verantwortlich, dass Spielzeugbörsen wie die in Stolberg selten geworden sind. „TV-Verkaufssender werfen die Puppen billig auf den Markt. Das sind zwar keine Unikate, aber das ist den meisten Leuten egal.” Was zählt, sei einzig und allein der Preis. „Die Leistung, eine Puppe mühevoll mit der Hand zu fertigen, wird gar nicht mehr honoriert”, bedauert Sudmeyer.

Ohne Handarbeit geht bei Claudia Hartung nichts: Sie betreibt eine Teddybärenklink. Alte Teddys zu reparieren, sei eine Herausforderung, erzählt Hartung. „Das Schwierige ist, den Charakter des Teddys nicht zu verändern. Oft trennen sich hier Wunschvorstellung und das, was machbar ist.” Darum sei ein Vorgespräch mit dem Kunden unbedingt erforderlich, betont die Klinikchefin.
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