Weltfrauentag: Frauen müssen nicht alles alleine schaffen

Von: Sarah-Lena Gombert
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Gastronomin Marita Matousék (von links), Anke Wendel vom Verband Alleinerziehender, Schiedsrichterin Ruth Butzen, Moderatorin Sandra Kaiser, Friseurmeisterin Funda Teke und Tabalingo-Vorsitzende Ursula Espeter diskutieren über Alltagsprobleme von Stolberger Frauen. Foto: Gombert
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Stolbergs stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen leitet mit ihrer Rede den Abend ein.

Stolberg. Es geht an diesem Abend nicht um Donald Trump und pinke Strickmützen. Es geht auch nicht um die Unterdrückung der Frau in der Geschichte der Menschheit. An diesem Abend geht es im ökumenischen Gemeindezentrum Frankental ganz konkret um das, was die Frauen in Stolberg bewegt.

Anlässlich des internationalen Frauentags hat das Organisationsteam rund um die Stolberger Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann ein kleines, feines Programm zusammengestellt. Rund 80 überwiegend weibliche Gäste sind der Einladung gefolgt. Zum Zählen der männlichen Teilnehmer hätte man nicht einmal die Finger einer Hand gebraucht.

Kern des Abends war die von Sozialwissenschaftlerin Sandra Kaiser moderierte Podiumsdiskussion. Fünf Stolberger Frauen, Gastronomin Marita Matousék, Anke Wendel vom Verband Alleinerziehender, Fußballschiedsrichterin Ruth Butzen, Friseurmeisterin Funda Teke und die Vorsitzende von Tabalingo, Ursula Espeter, diskutierten über die Rollen der Frau in Familie und Beruf und über Schwierigkeiten von Alleinerziehenden.

Sie sei immer schon dem Ball verfallen gewesen, sagte Fußball-Schiedsrichterin Ruth Butzen, die auch stellvertretende Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses des Kreises ist. „Mein Vater durfte aber damals gar nicht wissen, dass ich mich für Fußball interessiere.“ Ein bisschen Kicken, das habe sie zu Hause nur im Keller gekonnt, heimlich. Gegen den Willen der Familie und auch gegen männliche Kollegen habe sie sich immer durchsetzen müssen –mit Erfolg. Heute ist Ruth Butzen unter anderem eine gefragte Frau in einer Männerdomäne. „Dabei hat mir eine gewisse Sturheit geholfen, die ich auch heute noch habe.“

Sich vor allem von männlichen Kunden nicht einschüchtern lassen und ihre Sache durchziehen, dabei geht es unter anderem bei der Arbeit von Funda Teke. Die 26-jährige Friseurmeisterin hat bereits seit vier Jahren ihren eigenen Salon im Stolberger Stadtteil Mühle. „Manche Männer drehen auf dem Absatz um, wenn sie merken, dass bei uns nur Frauen die Haare schneiden“, sagt die junge Deutschtürkin und fragt sich: „Was denken die – dass ich denen zu tief in die Augen schaue? Mich interessiert nur, dass die Haare meiner Kunden schön geschnitten sind!“

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Dass Frauen sich gegenseitig unterstützen müssen, um mit der Doppelbelastung durch Familie und Beruf klarzukommen, machte Gastronomin Marita Matousék deutlich, die auch in der Stolberger Kulturszene kräftig mitmischt. „Als ich Chefin des ,Savoy‘ war, habe ich gerne alleinerziehende Mütter eingestellt“, erklärt sie. Und um denen den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Arbeit zu erleichtern, stelle man eben zwei ein statt einer. „Die können sich dann zum Beispiel gegenseitig vertreten, wenn eine mal wegen eines kranken Kindes ausfällt.“ Mit diesem System habe sie gute Erfahrungen gemacht.

 

Dass ein gutes Netzwerk wichtig ist, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, betonte auch Ursula Espeter vom Verein Tabalingo, selbst Mutter von fünf Kindern, eines mit einer Behinderung. „Als Frau hat man immer schnell ein schlechtes Gewissen, wenn man nicht alles alleine schafft. Aber man muss gar nicht alles alleine schaffen.“ Sie habe sich mit anderen Müttern gegenseitig unterstützt, wenn es zum Beispiel darum ging, die Freizeit der Kinder zu organisieren: „Andere Mütter haben meine Kinder zum Training mitgenommen. Dafür habe ich auf deren Kinder aufgepasst, wenn sie an einem Brückentag arbeiten mussten“, nennt sie als Beispiel.

Auch Arbeitgeber können Frauen dabei helfen, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können: „Betriebe ab einer Größe von 50 Mitarbeitern sollten eine Betriebskita vorhalten“, findet Marita Matousék, „und deren Öffnungszeiten müssen sich an den Arbeitszeiten der Eltern orientieren.“

Auch Anke Wendel vom Verband Alleinerziehender beklagt das starre Betreuungsangebot, das gerade mit frauentypischen Berufen wie dem der Krankenschwester schlecht vereinbar sei. Was die Rolle von Frauen im Beruf angeht, wehrt sich Wendel dagegen, dass man nur dann erfolgreich sein kann, wenn man seine weiblichen Attribute ablegt. „Ich bin dagegen, dass Frauen im Beruf wie Männer agieren“, betont sie. Auch aus Sicht eines Unternehmens könne es nur positiv sein, wenn beide Geschlechter sich ihrem Naturell entsprechend einbringen.

Stolbergs stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen hatte in ihrer Rede zu Beginn deutlich gemacht, dass es eigentlich zu bedauern sei, dass es den Frauentag gibt: „Denn solange es diesen Tag gibt, so lange gibt es auch keine Gleichberechtigung.“ Zwar habe sich schon vieles in die richtige Richtung bewegt. Doch immer noch gelte es, für Lohngerechtigkeit zu kämpfen. Und immer noch sei Kindererziehung Frauensache. „Es sind auch die Frauen, die zum Teil auf Kinder verzichten, um Karriere machen zu können.“ Frauenfragen seien daher zentrale Fragen für die Gesellschaft.

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