Weiß: VHS-Kammerchor setzt auf Harmonie

Von: Marie-Luise Otten
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Rekordverdächtig: Seit der Gründung im Jahr 1976 steht Klaus Weiß (l.) dem Kammerchor der Volkshochschule Stolberg vor. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Im Alter von sechs Jahren erhielt Klaus Weiß seinen ersten Klavier- und Orgelunterricht in Bochum. Nach dem Abitur studierte er Pädagogik (Hauptfach Musik) an der Pädagogischen Hochschule Essen und vertiefte seine Kenntnisse in Orgel- und Klavier sowie Komposition.

1972 legte er das Chorleiterexamen ab und gründete 1976 in Stolberg den Kammerchor der Volkshochschule Stolberg, dem er bis heute vorsteht. Weiß‘ Schwerpunkt als Pianist liegt in der Kammermusik und in der Liedbegleitung. In der kulturellen Reihe „Die Welt zu Gast bei Angie’s“ tritt er am heutigen Abend mit „seinem“ Chor auf und entführt die Gäste klangvoll nach Skandinavien. Vor dem Konzert hat Klaus Weiß sich den Fragen unserer Redaktion gestellt.

Was war die Motivation, den Chor zu gründen?

Weiß: Nach dem Studium habe ich zunächst im Neuen Chor der Stadt Bochum gesungen. Dann bin ich 1974 nach Aachen gezogen und sofort dem Jungen Chor Aachen beigetreten. Dieser außergewöhnlich gute Chor besitzt auch einen außergewöhnlich guten Dirigenten, nämlich Fritz ter Wey, der den Chor auch heute noch nach fast 50 Jahren leitet. Die Arbeitsweise von Herrn ter Wey mit dem Chor hat mich so fasziniert, dass ich beschloss, einen gemischten Chor zu gründen. Vorher hatte ich schon Schülerchöre und einen Männerchor geleitet. Ich habe dann in Aachen mein Chorleiterexamen gemacht und 1976 den VHS-Kammerchor gegründet. Aufgrund zweier Stimmbandoperationen war meine Stimme im Jungen Chor natürlich nicht mehr tragbar, so dass ich dann mehr Zeit hatte für den Kammerchor.

Warum läuft der Chor über die Volkshochschule?

Weiß: Das hat finanzielle Gründe. Die VHS konnte Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, und es gab auch andere Vergünstigungen.

Wie viele Mitglieder hat der Chor momentan, sind alle Stimmen gut besetzt, brauchen die Sänger eine musikalische Vorbildung?

Weiß: Derzeit sind es 27 Sängerinnen und Sänger, davon sind am Samstag aber nur knapp die Hälfte da. Wir sind nicht gleichmäßig besetzt, uns fehlen vor allen Dingen Alt- und Tenorstimmen. Notenkenntnisse sind nicht Bedingung, aber von Vorteil.

Wie sieht das Repertoire aus? Gibt es bestimmte Schwerpunkte?

Weiß: Wir singen Musikstücke von der Renaissance bis zur gemäßigten Moderne und Sprechgesänge. Schwerpunkte bilden Madrigale, romantische Chormusik und geistliche Werke.

Wie lange brauchen Sie für die Einstudierungszeit eines Konzertprogrammes?

Weiß: Das Semester dauert ja ein halbes Jahr, und die Zeit brauchen wir auch, bis dass das Konzertprogramm reif ist und aufgeführt werden kann. Dazu kommt das Probewochenende. Da wir an die Ferienzeit gebunden sind, kommt es auch vor, dass die Einstudierung schon mal etwas länger dauert.

Wie sieht es mit der Geselligkeit aus?

Weiß: Wir finden immer wieder Gelegenheit, uns neben den Proben und Konzerten zu verschiedenen Anlässen zu treffen. Abgesehen vom Stammtisch nach den Proben, singen wir bei vielen Festivitäten, halten regelmäßig Probenwochenende ab und machen viele Reisen, bei denen dann natürlich Konzerte stattfinden. So waren wir in Frankreich, Italien, Schweden, Österreich und Zypern.

Was schätzen Sie besonders am Kammerchor?

Weiß: Wir harmonieren gut zusammen, und wenn es etwas zu organisieren gibt, helfen viele Mitglieder und tragen Verantwortung.

Von welchen besonderen Ereignissen mit dem Chor können Sie noch berichten?

Weiß: Bei einem Chorkonzert in Brake bei Bremen gab es ein furchtbares Gewitter, was zur Folge hatte, dass plötzlich während des Konzertes der Strom ausfiel. Aber wir waren so gut vorbereitet, das wir ohne Licht weitergesungen haben, bis die Zuhörer uns nicht nur hören, sondern auch wieder sehen konnten.

Haben Sie Lieblingskomponisten beziehungsweise Lieblingsstücke?

Weiß: Mein persönlicher Favorit ist Gustav Mahler. Da er aber keine a-capella-Chormusik geschrieben hat, sondern hauptsächlich Sinfonien mit Chören und Lieder, höre ich, was Chormusik betrifft, am liebsten Johannes Brahms und Zoltan Kodaly. Der Chor singt Chormusik aus vielen europäischen Ländern, sehr gerne aus Skandinavien. Wir singen die Lieder fast ausschließlich in der jeweiligen Landessprache. Den Komponisten lag ja der Text zur Vertonung in seiner Heimatsprache vor. Jedes Wort birgt ja in sich schon einen gewissen Klang, und dieser Wortklang – und wir sprechen ja auch von einem Wortlaut – beeinflusst natürlich die Komponisten in seiner Kompositionsweise. Wenn ich zum Beispiel statt „amour“ „Liebe“ oder statt „country“ „Land“ singe, so ist der Klang dieser Wörter im Kontext mit der Vertonung in der Landessprache des Komponisten aussagekräftiger.

Auf welche skandinavischen Lieder können die Gäste am Samstagabend im „Angie’s“ sich freuen?

Weiß: Bei den Stücken in Büsbach handelt es sich in erster Linie um landschaftsbezogene Lieder, basierend auf traditionellen Volksmelodien. Aber es gibt auch einen unglaublich schönen Song aus dem schwedischen Spielfilm „Wie im Himmel“.

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