Weil gute Jugendarbeit nun mal ihren Preis hat

Von: Kolja Linden
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Gute Jugendarbeit ist nicht zum Nulltarif zu haben, auch nicht im Sport: Auf die Betreuungsleistung der Vereine macht der Stadtsportverband aufmerksam. Foto: K. Linden

Stolberg. Wenn man Rüdiger Keulen nach Beispielen für wichtige Jugendarbeit im Sportverein fragt, dann fallen ihm gleich mehrere ein. Ganz besonders aber der TSV Donnerberg: „Was die Jugendabteilung da leistet, ist großartig”, sagt der Vorsitzende der Sportjugend im Stadtsportverband (SSV).

Bei dem Fußballklub sind Kinder und Jugendliche vom Donnerberg aktiv, aber auch aus den Stadtteilen Mühle oder Velau - aus sozialen Brennpunkten. Kinder, die der Verein von der Straße holt, sagt Keulen, die beim Sport wichtige Regeln lernen, die ihnen sonst fehlen. „Im Verein benehmen sie sich vorbildlich”, lobt Keulen die Arbeit des TSV Donnerberg: „Da müsste die Stadt alleine drei Sozialarbeiter für einstellen.”

Die Stadt zahlt dem Stadtsportverband derzeit jährlich 2500 Euro Zuschuss zur Sportförderung von Kindern und Jugendlichen - eine freiwillige Ausgabe, die nun auf der Kippe steht.

„Diese 2500 Euro sind noch viel zu wenig”, sagt Waltraud Schnettler. Die Kassiererin des Stadtsportverbands verteilt das Geld an die Vereine nach einem Schlüssel, der sich an den Mitgliederzahlen der Jugendabteilungen orientiert. 53 Cent bleiben da pro Kind, hat der Stadtsportverband ausgerechnet. Am Dienstag entscheiden Hauptausschuss und Rat über die Fortführung der Förderung oder deren Einstellung zugunsten einer Entlastung des Haushalts.

„Hilfestellung an jedem Gerät”

Doch qualifizierte Jugendarbeit ist teuer, das gilt für jede Sportart. Schnettler erinnert an ihren eigenen Sport, das Turnen: „Da muss an jedem Gerät jemand stehen und Hilfestellungen geben.” Teuer sei oft auch die Qualifikation von Übungsleitern: Heute braucht man im Sport Leute, die eine Ausbildung haben, das kostet Geld”, sagt Günther Severens, Vorsitzender des Stadtsportverbands.

Und der hat nun in die eigene Tasche gegriffen. 4000 Euro schüttet der SSV in diesem Jahr an die Vereine aus, nach dem gleichen Verteilungsschlüssel. „Wie die Vereine das Geld verwenden, ist ihre Sache”, sagt Waltraud Schnettler. Bedingung sei aber, dass es auch wirklich der Jugend zu Gute kommt. Kontrollieren könne man das zwar nicht, aber „bei einem gut geführten Verein ist das keine Frage, dass das Geld an der richtigen Stelle ausgegeben wird”, so Rüdiger Keulen und ergänzt: Kein Mensch kann sich vorstellen, was es kostet, mehrere Jugendmannschaften zu betreiben.

Die 4000 Euro stammen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden von Sponsoren und dem Geschäftskostenzuschuss der Stadt, den der SSV aufgrund sparsamen Verhaltens nicht komplett gebraucht habe.

Trotz dieses Vorpreschens setzt der Stadtsportverband darauf, dass die Politik die Pauschale von 2500 Euro auch weiterhin genehmigt. „Wir gehen als Vorbild an die Sache ran”, sagt Severens, „aber die Stadt ist damit nicht raus aus ihrer Verantwortung.”
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