Weihnachtspaket-Aktion: Rund 900 Pakete bei der Tafel abgegeben

Von: Daniel Gerhards
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Leckereien in Hülle und Fülle: Dank der Weihnachtskisten-Aktion unserer Zeitung haben Bedürftige in Stolberg eine große Auswahl in Sachen Zutaten für den Feiertagsschmaus. Foto: D. Gerhards
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Voll gepackte Weihnachtskiste: Tafel-Leiter Kurt Herpertz und sein Team verteilen 900 Pakete an Bedürftige.

Stolberg. Die Auswahl ist riesig. Hunderte große Pakete und kleinere Päckchen – prall gefüllt mit leckeren Lebensmitteln – stehen im Museum Zinhütter Hof bereit. Ein Tafelkunde, der nicht mit Namen genannt werden möchte, hat sich ein großes Paket ausgesucht. Da ist allerlei drin, was er an den kommenden Tagen mit seiner Familie zubereiten möchte. „An den Weihnachtstagen sitzen wir mit der ganzen Familie zusammen. Da ist es schön, etwas gutes zu essen zu haben“, sagt er.

Insgesamt wurden bei der Weihnachtspaket-Aktion, die unsere Zeitung in Zusammenarbeit mit dem WDR und den Tafeln in der Region durchführt, in Stolberg rund 900 Kisten abgegeben. Die Aktion ist für die Bedürftigen eine wahre Freude: „Das ist eine schöne Unterstützung für die Leute, die sich nicht alles leisten können, was sie haben möchten“, sagt der Familienvater, der nicht mit Namen genannt werden will. Während er sich genau anschaut, was alles in der Kiste ist, die er sich mit seiner Frau ausgesucht hat, sind seine beiden Kinder in der „Spielzeug-Ecke“. Da gibt es viel Spannendes zu entdecken und jedes Kind darf etwas mit nach Hause nehmen.

Währenddessen schaut sich Tafel-Leiter Kurt Herpertz das Treiben rund um die Festtagskisten an. „Das ist so, wie wir es erwartet haben. Ein gewisser Stressfaktor ist für uns dabei“, sagt er. 30 bis 40 Tafel-Mitarbeiter sorgen dafür, dass es trotzdem gesittet zugeht. Sie lassen die Leute, die schon in einer langen Schlange vor der Tür warten, nur in kleinen Gruppen rein. „Wenn wir alle gleichzeitig reinlassen würden, wäre das ja ein ziemliches Gewühle“, sagt Herpertz. Obwohl niemand Sorge haben musste, mit leeren Händen nach Hause zu gehen, standen schon bevor es losging etliche Menschen vor dem Zinkhütter Hof. „Die ersten waren schon heute Morgen um sieben Uhr hier“, sagt Herpertz. Um 10 Uhr öffneten Herpertz und Co. die Türen. Damit das Warten nicht allzu schwer fällt, versorgen die Mitglieder des Stolberger Seniorenbeirats die Wartenden in der Schlange mit warmen Getränken. Gestern Morgen kamen die Tafelkunden als erste dran, nachmittags konnten dann auch andere Bedürftige – Hartz IV-Empfänger oder Leute mit einer kleinen Rente – eine Kiste abholen.

Drinnen warten schon die Tafel-Mitarbeiter. Sie begleiten die Leute beim Aussuchen der Kisten. „Bei manchen geht das ganz schnell. Aber viele sind ein bisschen erschlagen von der Vielfalt und können sich nicht entscheiden“, sagt Tafel-Helferin Doris Löfgen. Damit die Entscheidung etwas leichter fällt, zeigen die Tafel-Mitarbeiter den Bedürftigen in welchem Bereich sie sich eine Kiste aussuchen können. „Wenn wir das nicht eingrenzen würden, wäre die Auswahl ja viel zu groß. Dann könnte ich mich auch nicht entscheiden“, sagt Löfgen.

Richtig gefreut haben sich die Ehrenamtler von der Tafel schon am Abend vor der Ausgabe. „Gestern hatten wir 890 Pakete. Aber mir war klar: die zehn Pakete bekommen wir auch noch“, sagt Herpertz. Und tatsächlich wurde die 900er-Marke noch geknackt. Damit sind die Stolberger wieder spendabler als in den vergangenen Jahren – im Vorjahr und 2010 waren es deutlich weniger Kisten. Wenn Herpertz sieht, dass sich die Stolberger so um ihre Mitmenschen sorgen, wird ihm warm ums Herz: „Wenn man sich dieser Sache verschrieben hat und es kommen dann Leute, die selber nicht so viel Geld haben, aber trotzdem ein kleines Paket abgeben, ist man schon gerührt“, sagt er. Ähnlich gerührt dürfte er sein, wenn er das Strahlen der Menschen sieht, die sich mit einer vollen Kiste auf dem Arm verabschieden. In den Paketen haben viele Spender schon alle Zutaten für ein bestimmtes festliches Gericht zusammengestellt. „Viele drucken ein konkretes Rezept aus und legen die Zutaten dafür in die Kiste“, sagt Herpertz. Fleisch ist entweder eingeschweißt dabei oder es gibt einen Metzgerei-Gutschein.

Wichtig ist für die Ehrenamtler von der Tafel: Was die Leute in ihre Kiste packen, kommt auch bei den Bedürftigen an. „Die Kisten bleiben so, wie sie bei uns abgegeben werden. Auch die Flasche Wein lassen wir drin. Das hat etwas mit Stil zu tun“, sagt Herpertz.

Doch in das Paket gehört nicht nur die schmackhafte Gänsekeule: „Es ist wichtig, dass die Leute auch Grundnahrungsmittel dazulegen. Nudeln, Mehl oder Salz haben ein langes Mindesthaltbarkeitsdatum, deshalb bekommen wir diese Sachen im normalen Tafelbetrieb sehr selten von den Geschäften“, sagt Herpertz.

Ohne die Aktion wäre ein festliches Weihnachtsessen für viele kaum möglich. Herpertz: „Einige unserer Kunden kommen schon seit 1999 Woche für Woche zur Tafel. Die würden auch ohne die Weihnachtspaket-Aktion nicht verhungern. Aber das Essen hätte längst nicht so eine hohe Qualität.“

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