Weihnachtspaket-Aktion: Einmal im Jahr den lieben Nikolaus spielen

Von: Nadine Preller
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Immer im Einsatz: Nicht nur an den Weihnachtstagen sind Kurt Herpertz (2.v.l.), Leiter der Stolberger Tafel, und seine Kolleginnen Petra Heuser, Inge Weber und Marliese Graulich (v.l.) für ihre Kunden da. Foto: N.Preller

Stolberg. Wenn zwei Parteien etwas Gutes tun wollen, freut sich am Ende... womöglich niemand. Zumindest könnte es passieren, dass einige Bedürftige den Zinkhütter Hof diese Vorweihnachtstage wieder so verlassen müssen, wie sie ihn betreten haben: mit leeren Händen. „Diese gute Sache funktioniert schon so lange, aber die letzten Jahre haben wir immer weniger Pakete von den Bürgern erhalten“, erklärt Kurt Herpertz, Leiter der Stolberger Tafel, sichtlich besorgt.

Mit der guten Sache meint Herpertz die alle Jahre wieder von den Tafeln der Region in Kooperation mit unserer Zeitung und dem WDR durchgeführte Weihnachtspaket-Aktion. Auch in Stolberg können wieder Pakete, von Bürgern weihnachtlich dekoriert und mit allerlei Köstlichkeiten für den Heiligen Abend gefüllt, am 19. Dezember von 9 bis 19 Uhr im Zinkhütter Hof abgegeben werden. Einen Tag später besuchen dann Bedürftige das Museum, Familien mit kleinem Einkommen, Senioren mit geringer Rente, Menschen, die von Hartz-IV leben müssen. Und mit den Paketen können sie dann zumindest kulinarisch ein gebürtiges Weihnachtsfest feiern.

Mit wenig Aufwand anderen eine große Freude machen scheint ergo so einfach – warum nun sinkt die Anzahl der abgelieferten Pakete von Jahr zu Jahr? Liegt es an der mangelnden Spendenbereitschaft der Stolberger Bevölkerung? „Keineswegs“, betont der Leiter der Stolberger Tafel. „Die ist hier vor Ort sogar sehr hoch. Ich bin sehr glücklich über die hohe Solidarität, die die Bürger an den Tag legen.“

Das Problem sei ein ganz anderes: Fast zeitgleich mit der Weihnachtspaket-Aktion veranstaltet der Einkaufsmarkt Rewe deutschlandweit die Weihnachtstüten-Aktion unter dem Motto: „Spenden Sie gemeinsam mit Rewe für die Tafeln“. Für fünf Euro können in den Märkten fertig abgepackte Tüten gekauft werden, die dann später an die lokalen Tafeln weitergegeben werden – so unter anderem auch an die Stolberger. Was Herpertz in Erfahrung gebracht hat: „Viele Bürger denken da berechtigterweise: Das ist ja super. Dann muss ich nicht selbst ein Paket für die Aktion im Zinkhütter Hof zusammenpacken und dorthin fahren. Das macht ja Rewe alles für mich.“ Die Krux bei der ganzen Sache sei nur: Die beiden Aktionen stünden in keiner Weise in einem Zusammenhang. „Doch das weiß kaum jemand“, sagt Herpertz. Und so werden es von Jahr zu Jahr weniger Weihnachtspakete, die die Tafel für die Aktion im Stolberger Museum erhält.

Erreichen würden die Rewe-Tüten nach Herpertz die Tafel zwar schon – anders als die Weihnachtspakete werden die aber über die gesamten winterlichen Tage ausgegeben. „Bei der Ein-Tages-Aktion im Zinkhütter Hof gibt es hingegen immer hübsch verpackte Kisten, oft mit eigenen Rezeptvorschlägen oder kleinen Überraschungen. Die beiden Aktionen wollen wir schon allein aus Stilfragen auseinanderhalten.“

Weihnachtstüten und Weihnachtspakete – zwei durchaus sinnvolle und lobenswerte Ideen, die sich leider gegenseitig im Weg stehen. „Vergangenes Jahr mussten wir wirklich zittern, ob wir jedem Bedürftigen auch ein Paket mitgeben können.“ Rund 800 festlich verpackte Kisten kamen da im Zinkhütter Hof zusammen – gefüllt mit Knödeln und Rotkohl, Plätzchen und Schokolade, Rotweincreme, aber auch Basis-Lebensmitteln wie Mehl, Salz, Zucker und Nudeln. Pakete speziell gepackt für Muslime gab es auch, ohne Alkohol und ohne Schweinefleisch.

„Wir betreuen aber 700 Haushalte, das sind über den Daumen gepeilt 1600 Kunden“, bringt Herpertz die stattliche Zahl für Stolberg auf den Tisch und fügt leicht sarkastisch hinzu: „Wir sind das einzige Unternehmen, dass sich über weniger Kunden freuen würde.“

Natürlich, nicht jeder von diesen 1600 Kunden käme am Aktionstag auch im Museum vorbei, um sich ein Paket abzuholen. „Eine Zitterpartie war es im vergangenen Jahr dennoch.“ Zum Vergleich fügt Herpertz hinzu: „Es gab Zeiten, da konnten wir mit Paketen in vierstelliger Summe aufwarten.“ Was der Leiter denn den Menschen sagen würde, die er wieder mit leeren Händen aus dem Zinkhütter Hof schicken müsste? „So weit will ich gar nicht denken.“

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