Weihnachten künftig unterm Laubbaum?

Von: Nicola Gottfroh
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Laubbäume schützen den Wald.
Laubbäume schützen den Wald. Darum pflanzt Thomas Corsten aus dem Team von Förster Theo Preckel derzeit auch vor allem junge Buchen in den Waldboden zwischen die Fichten.N.Gottfroh

Stolberg. Manchem kam es vor wie ein Aprilscherz Ende November: „Deutschen Wäldern gehen die Nadelbäume aus. Tannenbäume werden knapp”, meldete die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) jüngst. Manchem Weihnachtsfreund konnte Angst und Bange werden bei der Vorstellung, Weihnachten künftig unter einem Laubbaum feiern zu müssen.

„Das ist wohl überzogen”, kommentiert Theo Preckel, Förster im Stolberger Stadtwald, diese Meldung und versichert: „Unterm Laubbaum wird man wohl auch die nächsten Jahrzehnte nicht Weihnachten feiern. Weder in Stolberg, noch anderswo.” Denn auch wenn ein Umdenken stattgefunden habe zu mehr Laubhölzern im Wald und beim Umbau des Waldes derzeit hauptsächlich Buchen und andere Laubbäume gepflanzt würden, der Stolberger Stadtwald bestünde auch nach dem Umbau noch immer zum überwiegenden Teil aus Nadelhölzern - und das bleibe auch künftig so.

Brotbäume des Waldes

„Mehr als 70 Prozent der Bäume in dem Forst gehören zu den Nadelhölzern. Das hat einen ganz besonderen Grund: Nadelbäume, allen voran die Fichten, sind die Brotbäume eines Waldes. Sie bringen bereits nach etwa 35 Jahren die ersten Erträge, Buchen dagegen brauchen 60 bis 70 Jahre, ehe sie Erträge abwerfen. Man investiert Jahrzehnte lang nur in die Pflege der Buchen”, so Preckel. Dennoch sind die Bäume, die Preckel und sein Team in den vergangenen Jahren gepflanzt haben, immerhin zwischen 20 000 und 40 000 Bäumen im Jahr, zum Großteil Laubbäume. „Laubbäume tragen zur Sicherheit des Nadelholz-Bestandes bei. Die Buche als Herzwurzler dient als stabilisierender Faktor”, so Preckel.

Denn nicht jeder Boden sei für Fichten und ihre Flachwurzeln geschaffen. „Bei Stürmen kippen vor allem die Fichten gerne um. Der Sturm Kyrill vor einigen Jahren hat riesige Flächen entfichtet, die wir dann mit Buchen aufgeforstet haben, während der Fichtenbestand natürlich verjüngt wurde. Fichten in Zusammenspiel mit Buchen ergeben einen Mischwald. In dem finden die Nadelbäume an den stabiler stehenden Laubbäumen Halt. Laubbäume schützen also den Nadelwald”, erklärt Theo Preckel.

Dass in deutschen Wäldern kaum mehr Tannen und Fichten wachsen, das hält auch Förster Robert Jansen aus dem Staatsforst für Zukunftsmusik. Zwar zeichnete sich eine Entwicklung ab zu mehr Laubhölzern, aber Gefahren für den Bestand der Nadelhölzer sehe er dadurch nicht. „In unserem Forstamtsgebiet ist die Verteilung der Laub- und Nadelbäume etwa 50 zu 50. Die gute Mischung bringt dem Forst schließlich Stabilität”, so Jansen. Zwar könnten durch den Klimawandel mehr wärmeliebendere Baumarten wie Douglasien oder verschiedene Laubbäume hinzukommen, ein Wald ohne Fichten, Tannen und andere Nadelhölzer kann sich der Förster allerdings nicht vorstellen. „Um die Tradition des Weihnachtsbaums braucht sich also niemand zu sorgen”, so Jansen.

Vor allem auch deshalb nicht, weil Tannenbäume extra fürs Weihnachtsfest gepflanzt und gezogen würden.
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