Stolberg - Weihnachten: Ein Marathonlauf für die Organisten

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Weihnachten: Ein Marathonlauf für die Organisten

Von: Marie-Luise Otten
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An Heiligabend singt Leuchter mit dem Kinderchor St. Hermann-Josef und dem Jugendchor Santa Lucia die Krippenfeier um 16 auf der Liester und um 18 Uhr die Christmette mit seiner Chorgemeinschaft. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Die Weihnachtszeit ist für Organisten mit reichlich Arbeit verbunden. Es gibt mehr Gottesdienste als sonst, und jeder möchte zu diesem Anlass etwas Besonderes geboten bekommen. In einem Familiengottesdienst mit Kindern ist die Musik zum Beispiel eine ganz andere als in der Christmette um 24 Uhr.

Die Vorbereitungen sind ein Kraftakt, die viel Kommunikation mit den Pfarrern und ebenso viel Organisationstalent erfordern. Das gilt für die Auswahl der Stücke, der Begleitung und auch der Sängerinnen und Sängern.

In Stolberg gibt es noch vier hauptamtliche und 16 nebenamtliche Organisten, die teilweise viel pendeln müssen, um alle Pfarren zu bedienen. Als Franz Körfer 1979 seinen Dienst in der Pfarrgemeinde Breinig antrat, wusste er noch nicht, dass er Jahre später als letzter Hauptamtler für neun Kirchengemeinden in der „Gemeinschaft der Gemeinden Stolberg-Süd“ tätig sein würde. Der Heiligabend kommt für ihn einem Marathon gleich, denn der viel beschäftigte Musiker ist gleich für drei Kirchen zuständig – und dies seit mehr als zehn Jahren.

Es gilt zwei Kindergottesdienste (in Breinig um 15 Uhr und in Büsbach um 16.30 Uhr) zu spielen sowie drei Christmetten vorzubereiten. Da in Mausbach und Büsbach die Messen parallel um 18 Uhr stattfinden, kann Franz Körfer hier nur im Wechsel anwesend sein. So dirigiert er in diesem Jahr in Mausbach den Kirchenchor St. Cäcilia und überlässt die Orgelbegleitung dem ortsansässigen, nebenberuflichen Organisten Günter Jansen. Um 22 Uhr beginnt dann die Christmette in Breinig, die Körfer mit Kirchenchor und Instrumentalgruppe jedes Jahr gestaltet.

Seit den Sommerferien bereitet er parallel zu den Aktivitäten in Mausbach und Breinig auch den Kirchenchor St. Hubertus Büsbach auf die feierliche Christmette um 18 Uhr vor. Als Dirigent für Mozarts Orgelsolomesse steht allerdings Franz-Josef Ritzerfeld, ein befreundeter Chorleiter aus Aachen, zur Verfügung, an der Orgel spielt Theo Palm. In den übrigen Pfarren wie Dorff, Gressenich, Schevenhütte, Vicht, Werth und Zweifall arbeiten nebenberufliche Organisten. Es sind Hanni Grawinkel, Günter Jansen, Theo Palm, Hans Weishaupt, Bernd Müllejans, Peter Doncks, Kathrin Janowski, Hans Geicht und Heidrun Stengel.

Sieben Kirchengemeinden zählt die Großpfarre St. Lucia, für die an den Festtagen ein hauptamtlicher und mehrere nebenamtliche Organisten zur Verfügung stehen. Hermann-Josef Schulte war am Anfang seines Berufes nur für zwei Kirchen (St. Lucia und St. Hubertus Büsbach) Organist und Chorleiter. Das habe sich mit der Zeit geändert. „Wenn auch die Pläne individuell und flexibel gestaltet werden, wäre ohne die nebenberuflichen Helfer doch das Amt des Organisten nicht zu bewältigen“, betont Schulte. Stress habe er mehr in der Adventszeit, wenn die Proben noch laufen und der Schulbetrieb noch im Gange ist. „An den Weihnachtstagen wird es für mich dann etwas ruhiger, auch wenn ich am Heiligabend noch vier Gottesdienste spielen und dirigieren muss.“

Schulte „startet“ um 11 Uhr im Seniorenzentrum auf der Liester. Um 15 Uhr beginnt die Kinderchristmette in St. Lucia, wo er mit dem Kinderchor „Stolberger Kirchenspatzen“ singen wird. Um 17.30 Uhr beginnt die Christmette in St. Franziskus unter Mitwirkung des Kirchenchores, und um 24 Uhr ist Schulte mit einem Bläserensemble und verschiedenen Chören in St. Lucia tätig.

Was die anderen Pfarren betrifft, sind die Messen in St. Josef (Donnerberg) und St. Sebastianus (Atsch) um 16 Uhr und in St. Mariä Himmelfahrt (Mühle) um 18 Uhr. Hier sitzen an der Orgel Franz-Josef Schafhausen, Rudi Römgens – ehemaliger Atscher, der extra Weihnachten nach Stolberg kommt, um in der Kirche auszuhelfen – und Ansgar Weigner. In St. Hermann-Josef (Liester) gestaltet derweil Dr. Christoph Leuchter die Weihnachtsmessen. Er hat stets einen gefüllten Terminkalender. Denn er doziert an der Hochschule, schreibt Bücher, leitet verschiedene Chöre und Bandprojekte. „Da ist es für mich an Weihnachten eher ruhig, weil dann wirklich nur noch die Musik in Kirchen und die Familie zählen.“

Heiligabend singt Leuchter mit dem Kinderchor St. Hermann-Josef und dem Jugendchor Santa Lucia die Krippenfeier um 16 auf der Liester und um 18 Uhr die Christmette mit seiner Chorgemeinschaft. Am Fest des heiligen Stephanus (2. Weihnachtstag, 11.30 Uhr) gestaltet er die Messe auf der Liester mit dem Neuen Chor Würselen und Band. Für Christoph Leuchter sind die Messen etwas Besonderes und eine Möglichkeit, neue kreative Ideen zu entwickeln. „Und Spaß macht es alle Male noch.“

In Herz Jesu Münsterbusch singt der Kirchenchor St. Cäcilia ebenfalls um 18 Uhr. Der pensionierte Peter Rath spielt die Orgel und dirigiert die weihnachtlichen Gesänge, die Chorleiter Gunther Antensteiner für diesen Abend vorbereitet hat. Dieser ist Hauptamtler an der evangelischen Finkenbergkirche, wo er Heiligabend drei Dienste zu versehen hat. Um 16 Uhr ist in der Finkenbergkirche Familiengottesdienst mit englischen Weihnachtsliedern, um 18 Uhr Messe für alle mit Orgel- und Saxophonklängen. Um 23 Uhr schließlich singt die Kantorei Motetten aus der Spätrenaissance und Barockzeit unter seinem Dirigat. Am ersten Weihnachtstag hören die Messbesucher dann noch Anten-steiner mit seinem Männerchor vom Donnerberg beim Festhochamt in St. Josef.

Parallel zu den Gottesdiensten auf dem Finkenberg findet im ökumenischen Gemeindezentrum ein Kindergottesdienst statt, der von einem eigenen Musikensemble begleitet wird. Die evangelischen Gottesdienste im Seniorenzentrum „Auf der Liester“ um 16 Uhr und in der Vogelsangkirche um 17.30 Uhr spielt der nebenamtlich beschäftigte Organist Claus-Peter Baars.

Für die evangelische Kirchengemeinde Zweifall/Kornelimünster ist Anke Holfter im Einsatz. An Heiligabend spielt die hauptberufliche Organistin dreimal Orgel, und zwar abwechselnd in Kornelimünster und Zweifall. Da der letzte Gottesdienst um 23 Uhr beginnt, übernimmt der Ehemann das Kochen, so dass im Anschluss an den zweiten Gottesdienst mit der Familie Weihnachten gefeiert werden kann. Holfter, die seit 30 Jahren mit kleinen Unterbrechungen zu Weihnachten die Orgel spielt, bekommt immer noch Gänsehaut, wenn im Familiengottesdienst die Kinder begeistert „Ihr Kinderlein, kommet“ und die Erwachsenen „O du fröhliche“ singen. Stress sei das für sie nicht. „Den habe ich nur bei schlechtem Autofahr-Wetter.“

 

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