Wehrkräfte eilen Essen zu Hilfe

Von: Rudolf Müller
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Vor dem Aufbruch wurden die Einsatzkräfte am Freitag von den Eschweiler Kollegen mit Kaffee und Verpflegungsbeuteln ausgestattet. Foto: R. Müller
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Angetreten: Fast 180 Kräfte der Feuerwehr-Bereitschaft 1 der Bezirksregierung machten sich am Morgen von Weisweiler aus unter Führung von Axel Johnen (vorne rechts) und Bernd Hollands (mit weißem Hemd) auf den Weg zum Einsatz.

Stolberg. Es ist noch dunkel, als die ersten Feuerwehrfahrzeuge am RWE-Kraftwerk Weisweiler eintreffen. Sie werden schon erwartet: von Kreisbrandmeister Bernd Hollands, Eschweilers Wehrchef Harald Pütz und dessen Stellvertreter Axel Johnen. Hier, am Kraftwerk, ist der ideale Platz, ein selten gesehenes Großaufgebot an Einsatzfahrzeugen Aufstellung zu einem Konvoi Richtung Ruhrgebiet nehmen zu lassen.

Über 35 Fahrzeuge sind es, die mit rund 180 Feuerwehrmännern und -frauen vor dem Kraftwerk anrollen. Kräfte der „Bereitschaft 1“ der Bezirksregierung Köln.

Die vor einigen Jahren unter dem Motto „Einigkeit macht stark“ zum gemeinsamen Einsatz bei Großschadenslagen gegründete „Bereitschaft 1“ umfasst die Wehren der Städteregion, sprich: Stadt und Kreis Aachen, sowie des Kreises Heinsberg. Für sie ist es die Nagelprobe: das erste Mal, dass sie einen Einsatz unter realen Bedingungen fahren. Ergänzt wird die Truppe durch Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes aus Euskirchen: Die sorgen gemeinsam mit Eschweiler Wehrleuten für die Logistik, sprich: Verpflegung der Einsatzkräfte.

„Kollegen aus Düren waren vor zwei Tagen in Essen“, berichtet Axel Johnen. „Nach deren Berichten gibt es da noch Arbeit für drei Wochen – Gefahrenabwehr, Straßen räumen, umgestürzte Bäume zersägen . . . Heute sind sogar Pioniere eines Mindener Bundeswehr-Bataillons in Essen – wie auch in Düsseldorf – im Einsatz.“ Hier wie dort müssen noch ganze Straßenzüge von umgestürzten Bäumen befreit und sicher passierbar gemacht werden.

Die „Bereitschaft 1“ macht sich auf Anforderung des Innenministeriums, das von der Stadt Essen ein entsprechendes Amtshilfeersuchen erhalten hatten, auf die 120-Kilometer-Strecke.

Es sind durchweg Freiwillige, die sich ehrenamtlich auf den Weg in die Ruhrmetropole machen. Männer mit Erfahrung im Umgang mit Kettensägen, Männer mit entsprechender Schutzkleidung. Unter den Kollegen, die aus der Eifel angerückt sind, sind drei Forstwirte. „Die Arbeit mit Motorsägen an so genanntem Spannungsholz ist nicht ohne“, weiß Johnen. Kreisbandmeister Bernd Hollands unterstreicht das: „Gerade umgekippte Bäume stehen immer unter Spannung, so dass viel Erfahrung und ein umsichtiges Vorgehen erforderlich sind. Unsere Kameradinnen und Kameraden haben aber alle eine hervorragende Ausbildung. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass es bei den Arbeiten an und mit den teils schweren Bäumen nicht zu Unfällen kommt und alle Helfer nach dieser 24-Stundenschicht wieder wohlbehalten zu Hause ankommen werden.“

Die Herzogenrather Kollegen haben einen Radlader und einen Kran, von einer Spedition zur Verfügung gestellt, mitgebracht. Aus Geilenkirchen kommt eine Drehleiter der Nato-Airbase. Auf eine Eschweiler Drehleiter muss Essen verzichten: Eine der beiden inde-städtischen Drehleitern muss für den Fall des Falles vor Ort bleiben, die andere war zur Wartung im Karlsruher Werk – und wurde auf der Rückfahrt von einem Pkw gerammt. Statt nach Eschweilers ging‘s prompt zurück nach Karlsruhe.

Morgen Tag der offenen Tür

Auch Stadtbrandinspektor Harald Pütz fährt nicht mit nach Essen: Für den morgigen Sonntag hat die Eschweiler Feuerwehr einen Tag der offenen Tür mit großem Programm anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens geplant – da gibt es noch eine Menge vorzubereiten.

Zwei Stunden Fahrzeit rechnet Hollands, der mit einem Pkw als Vorauskommando vorfährt, für die Strecke nach Essen. Wohin genau der Konvoi, der von Axel Johnen geführt wird, rollen wird, weiß früh um 6 Uhr noch keiner. Fest steht nur: Gearbeitet wird bis zum Einbruch der Dunkelheit. Danach wird die Arbeit mit Motorsägen und anderem Gerät einfach zu gefährlich.

Gegen 22 Uhr heißt es dann packen, sammeln und geordnet die Rückfahrt antreten. „Weit nach Mitternacht“, so schätzt Johnen, wird man wieder in Eschweiler eintreffen. Wenn der letzte Feuerwehrmann Samstag früh zu Hause in der Eifel in die Betten fällt, hat er eine 24-Stunden-Schicht hinter sich.

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