Stolberg - Weg in die Innenstadt soll den Rechten verwehrt bleiben

Weg in die Innenstadt soll den Rechten verwehrt bleiben

Von: Michael Grobusch
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Viele Menschen und bunte Luftballons soll es am 3. April wieder auf dem Kaiserplatz geben. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Sie haben stillgehalten, aber sie waren nicht untätig. „Wir wollten einfach nicht die Ersten sein, die auf die Veranstaltung der Neonazis hinweisen”, erklärt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und schaut zufrieden in die Runde.

Die ist an diesem Nachmittag mit vielen bekannten Gesichtern besetzt und dokumentiert, dass Stolberg sich einmal mehr gegen den drohenden Aufmarsch von Rechtsextremisten wehren will. Für den Abend des Karfreitags hat der Vorsitzende der Dürener Kreis-NPD, Ingo Haller, einen Fackelmarsch angemeldet, einen Tag später wird es ab Mittag einen „Trauermarsch” geben, der an den Tod eines 19-Jährigen im Frühjahr 2008 erinnern soll.

Allen Fakten und auch den wiederholten Aufrufen der Eltern zum Trotz, wollen die Rechten das Schicksal des jungen Mannes erneut für ihre Propaganda missbrauchen. Das Betreten der Innenstadt aber, das ist das erklärte Ziel der Gegendemonstranten, soll ihnen wie schon am 8. August 2009 verwehrt bleiben.

„Wenn wir die beiden angekündigten Termine hinzunehmen, wird Stolberg am 3. April zum achten Mal innerhalb von zwei Jahren von den Neonazis heimgesucht”, verweist Peter Bongard vom „Bündnis gegen Radikalismus” auf die braune Statistik und ergänzt: „Für eine kleine Stadt wie die unsrige ist das schwer zu ertragen.” Bongards Mitstreiterin Anna-Maria Keimes ist aber zuversichtlich, „dass es uns gelingen wird, die Bevölkerung zu mobilisieren”. Und nicht nur von den Einheimischen, sondern auch von außerhalb sei mit viel Zuspruch zu rechnen. Peter Bongard haben Solidaritätsschreiben von Künstlern und Schauspielern erreicht, er zitiert aus Briefen von Katja Riemann und Ranga Yogeshwar und übermittelt die Botschaft von Konstantin Wecker, der den Stolbergern sein Lied „Sag Nein” ans Herz legt.

Ein entschiedenes Nein soll es dann auch geben, bekräftigt Ferdi Gatzweiler und verweist auf ein breites gesellschaftliches Bündnis, das sich im Vorfeld des Neonazi-Aufmarsches formiert. Aus organisatorischen und auch juristischen Gründen wird es dabei eine klare Zweiteilung geben. Für den Freitag rufen die evangelische und katholische Kirche gemeinsam zu einem ökumenischen Kreuzweg auf. Er soll um 18 Uhr vor der Vogelsangkirche beginnen und die Teilnehmer über Alter Markt, Steinweg und Rathaus bis zur Mühle führen, wo vor der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt die Abschlussveranstaltung stattfindet. „Zu diesem Anlass wird das Aachener Friedenskreuz aus dem Dom nach Stolberg gebracht. Das ist schon sehr symbolträchtig”, erklärt Pfarrer Andreas Hinze, der mit seinem katholischen Kollegen Hans-Rolf Funken den Kreuzweg vorbereitet.

Nach derzeitigem Stand werden sich die Gläubigen über Schellerweg und Europastraße zur Mühle bewegen. Das lässt den Schluss zu, dass den Rechtsradikalen - wie schon im Vorjahr - eine Strecke vom Mühlener Bahnhof über die Frankentalstraße bis zur Birkengangstraße zugebilligt wird. Allerdings hält sich die Polizei bis dato noch bedeckt, weil weitere Gespräche mit den Anmeldern vorgesehen sind.

Vom Euregiobahn-Haltepunkt Schneidmühle bis zum Birkengang könnte der braune Umzug dann am Samstag führen. Auch dies würde den Auflagen des vergangenen Jahres entsprechen und zugleich bedeuten, dass sich der friedliche Protest, der unter das Motto „Wir sind Stolberger, Nazis sind es nicht” gestellt wird, wieder über die gesamte Innenstadtachse erstrecken kann. Das vorläufige Programm sieht um 11.30 Uhr eine Auftaktkundgebung auf dem Jordansplatz vor. Im Anschluss zieht ein Demonstrationszug zum Kaiserplatz, wo es Reden, Stände von Vereinen, Parteien und Institutionen sowie ein Bühnenprogramm geben wird - unter anderem mit „Rolly Brings & Band”. Gegen 14.30 Uhr wird es einen weiteren Demonstrationszug zurück zur Mühle geben. Auf dem dortigen Markt soll dann eine Begegnung der Kulturen den Abschluss bilden.

„Wir wollen zeigen, dass Stolberg unsere Stadt ist”, zeigt sich Ferdi Gatzweiler kämpferisch. „Und wir wollen unsere Stadt von diesem braunen Fluch befreien.”
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