Wasserverband will zwei Rückhaltebecken bauen

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Hochwasser: Jahr für Jahr kommen die Wassermassen. Mal richten sie in der Velau Schäden an, mal schwappt es bis zu den Altstadtbrücken oder kommt in Eisbrocken daher, wie in Vicht. Auf dem Plan unten sind zwei der möglichen drei Rückhaltebecken zu sehen. Foto: Jürgen Lange
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Robert Steegmans, Thomas Meurer, Tim Grüttemeier, Axel Wirtz und Wolfgang Firk (v.l.) schauen sich den Plan an. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Hochwasser: Jahr für Jahr kommen die Wassermassen. Mal richten sie in der Velau Schäden an, mal schwappt es bis zu den Altstadtbrücken oder kommt in Eisbrocken daher, wie in Vicht. Auf dem Plan unten sind zwei der möglichen drei Rückhaltebecken zu sehen. Foto: Jürgen Lange
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Hochwasser: Jahr für Jahr kommen die Wassermassen. Mal richten sie in der Velau Schäden an, mal schwappt es bis zu den Altstadtbrücken oder kommt in Eisbrocken daher, wie in Vicht. Auf dem Plan unten sind zwei der möglichen drei Rückhaltebecken zu sehen. Foto: Doris Kinkel-Schlachter
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Hochwasser: Jahr für Jahr kommen die Wassermassen. Mal richten sie in der Velau Schäden an, mal schwappt es bis zu den Altstadtbrücken oder kommt in Eisbrocken daher, wie in Vicht. Auf dem Plan unten sind zwei der möglichen drei Rückhaltebecken zu sehen. Foto: J. Lange

Stolberg. 2016 rollen die Bagger an – frühestens – wenn alles gut läuft. Das, was die Herren vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER) sagen, hört sich nach Zukunftsmusik an. Dabei läuft es schon auf Hochtouren. Man könnte auch sagen: es fließt.

 Es geht um den Hochwasserschutz für die Innenstadt. Bei einem Dauerregen „ist Stolberg in Gefahr, das ist bekannt“, sagt Thomas Meurer.

Der Projektleiter befasst sich schon seit geraumer Zeit mit der Thematik, „und mittlerweile ist, um es landläufig zu sagen, Fleisch an der Sache“, sagt Axel Wirtz. Der wiederum hat in seiner Eigenschaft als Mitglied des WVER-Verbandsrates zu einer Informationsrunde eingeladen, weil vielen Menschen die Frage auf den Nägeln brenne, „wie es um den Hochwasserschutz im Innenstadt-Bereich bestellt ist“.

Seit Jahren plant der Wasserverband zwei Rückhaltebecken für die Vicht. Das ist auch dringend nötig, denn kaum hat es einige Tage kräftiger geregnet, wird aus der Vicht im Herzen der Stadt ein reißender Fluss. Dann laufen Keller und Wohnunge voll Wasser. Und zwar nicht erst bei einem Jahrhunderthochwasser. „Der Hochwasseraktionsplan weist Defizite auf“, erklärt Robert Steegmans.

„Stolberg ist für ein 100-jährliches Hochwasser nicht gesichert, lediglich für ein 20-jährliches“, drückt der Vertreter des WVER-Vorstandes es mit statistischen Werten aus. Und Vorstand Professor Wolfgang Firk verdeutlicht: „100 Jahre ist eine Messgröße, aber das heißt nicht, dass 100 Jahre nichts passiert.“ Vielmehr bedeute es, dass die Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers in der Stolberger Altstadt in einem Jahr bei einem Prozent liege, wohingegen es bei einem HQ20 (20-jährliches Hochwasser) bereits fünf Prozent seien. Und Thomas Meurer betonte, dass bereit bei fünfjährlichen Hochwässern die Schäden groß seien. Laut Hochwasseraktionsplan beträgt die Schadenshöhe rund 16 Millionen Euro bei einem 50-jährlichen Hochwasser.

100 Quadratkilometer groß ist das Einzugsgebiet der Vicht. Bei einer Vorstudie wurden 30 mögliche Standorte für zwei Regenrückhaltebecken untersucht. Mit einem Rückhaltebecken ist es nämlich nicht getan, „es funktioniert nur in Kombination“, so Meurer. Hinzu kommen flankierende Maßnahmen im innerstädtischen Bereich. Hier ist allerdings noch nicht absehbar, wie diese im Detail aussehen. Zur Umweltverträglichkeitsprüfung gehörte auch ein sogenannter Scoping-Termin bei der Bezirksregierung Köln. Das Scoping ist nach EU-Richtlinie seit 1997 gesetzlich vorgeschrieben. Vertreter verschiedener Behörden treffen sich dort mit den anerkannten Naturschutzverbänden und eingeladenen Experten. Dieser Termin im Januar diente nochmal der genauen Überprüfung, und hier wurden auch alle Standorte besprochen.

Das Ergebnis: Es kommen drei Standorte für Rückhaltebecken in Frage, zwei davon liegen auf Roetgener Gebiet, einer auf Stolberger Boden zwischen Zweifall und Mulartshütte. Mit zwölf Millionen Euro schlägt die Maßnahme nach ersten Berechnungen durch den Wasserverband zu Buche, sechs Millionen pro Becken.

Das kleinere der Regenrückhaltebecken würde dann 400.000 Kubikmeter Wasser fassen, das größere 800.000 Kubikmeter. Anders als bei der letzten Hochwasserschutz-Maßnahme im Gewerbegebiet Atsch, bei der die Inde ein neues Flussbett erhalten hat, wird das Projekt mit Hauptaugenmerk Altstadt zu 65 Prozent mit Landesmitteln bezuschusst. „Somit entsteht keine direkte finanzielle Belastung für Stolberg“, sagt Axel Wirtz. Bei den übrigen 35 Prozent wird Stolberg zwar auch zur Kasse gebeten; das geschieht allerdings über die städteregionale Umlage und somit über langjährige Abschreibungen.

In der Atsch hat das Land 85 Prozent der Kosten übernommen, da die Maßnahme dort zwar auch dem Hochwasserschutz dient, vor allem aber eine naturnahe Umgestaltung des Gewässers darstellt.

Naturnah? Bei riesigen Regenrückhaltebecken aus Beton fällt einem dieses Wort sicherlich so ziemlich als letztes ein, wenn überhaupt. „Bei Starkregenereignissen brauchen wir die lokalen Rückhaltebecken aber unbedingt, weil ja auch die Niederschläge lokal sind. Wir haben hier bereits 54 Becken“, erläutert Wolfgang Firk. Die letzten beiden „Mini-Talsperren“ wurden im Herbst 2012 am Diepenlinchen- und Omerbach in Gressenich in Betrieb genommen.

Sie sorgen dafür, dass die Keller der Nothberger Bürger bei Dauerregen nicht mehr voll laufen. Für diese Eingriffe in die natürliche Landschaft musste der WVER umfangreiche Anpflanzungen von standorttypischen Gehölzen wie Weide, Erle und Wildkirsche im Umfeld vornehmen. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Bauprojekt, natürlich ist dieses viel größer dimensioniert. Wenn Planung, Kostenabrechnung und Standortfestlegung abgeschlossen sind, stellt der WVER einen Förderantrag bei der Bezirksregierung. Bis dahin ist wieder ein Jahr vergangen und hoffentlich nicht zu viel Wasser die Vicht hinabgeflossen...

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