Wasserverband Eifel-Rur gestaltet Inde in der Hamm naturnah um

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Hat nur noch die Gummistiefel an, um trockenen Fußes im Münsterbach stehen zu können: Katharina Fritz. Sie wohnt mit ihrer Familie in der Hamm-Mühle. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Wasserverband Eifel-Rur gestaltet die Inde in der Hamm naturnah um. Anwohner können aufatmen. Aber nicht im Schnorrenfeld.

Stolberg-Atsch. Ein Stück weit Skepsis scheint geblieben: In Gummistiefeln kommen Katharina Fritz und ihr Opa zur Hammstraße. Hier haben sich einige Menschen versammelt, um der offiziellen Inbetriebnahme der Baustelle, also dem Spatenstich, beizuwohnen. Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) führt an der Inde – den Stolbergern ist an dieser Stelle der Name Münsterbach geläufiger – im Gewerbegebiet Atsch eine Renaturierungsmaßnahme durch und gestaltet dort auch die Wehranlage um. Die Renaturierung dient zudem der Verbesserung des lokalen Hochwasserschutzes.

Gummistiefel ausziehen heißt es deshalb endlich für Katharina, aber auch für die anderen von Hochwasser betroffenen Anwohner. Da ist zum Beispiel Gaby Podborny, die mit ihrer 16-jährigen Tochter Lena sozusagen mittendrin wohnt – seit über 20 Jahren. „Es ist kein schönes Gefühlt, immer von Hochwasser betroffen zu sein“, sagte sie in der Runde vor Lokalpolitikern und Beteiligten des WVER. Beim letzten Mal musste das Wasser mit Pumpen aus ihrem Haus gesaugt werden. Einen Keller gebe es nicht, da habe man mitten in der Wohnung im Wasser gestanden. „Das war beängstigend“, blickte sie zurück.

„Wir sind eine Stadt mit viel Wasser, war zwar schön ist, aber auch mit Herausforderungen verbunden ist, wenn man Hochwasser ertragen muss“, bedankte sich Bürgermeister Ferdi Gatzweiler beim Wasserverband, der mit der naturnahen Umgestaltung gleichzeitig eine große Badewanne für den Münsterbach schafft.

Die Inde ist bei Hochwässern an dieser Stelle nicht leistungsfähig genug, um Wassermassen abzuführen, was in der Vergangenheit immer wieder zu Überschwemmungen geführt hat. Das so genannte Jahrhundert-Hochwasser liegt in der Atsch bei 56 Kubikmetern in der Sekunde. „Der rechte Indearm schafft aber nur 15 Liter pro Sekunde“, erklärte Professor Wolfgang Firk. Diese Leistungsfähigkeit sei wegen der anliegenden Bebauung auch nicht erweiterbar, so der Vorstand der WVER. Und weil der linke Indearm in seinem jetzigen Zustand nicht leistungsfähig genug sei, die verbleibenden 40,8 Kubikmeter pro Sekunde abzuführen, wird der linke Arm, der zurzeit noch in gefasster Führung am Industriegebiet vorbeiläuft, auf die benachbarte Freifläche verlegt. Zudem wird der Münsterbach aufgeweitet, so dass ein Rückhalteraum von 8150 Kubikmetern entsteht.

Eine zusätzliche Aufweitung wird unterhalb der Brücke an der Hammstraße in Höhe des ehemaligen Hundeplatzes vorgenommen, unmittelbar bevor sich die beiden Indearme wieder vereinigen. „Im Rahmen dieser Renaturierungsmaßnahme gewinnen wir eine kleine Auenlandschaft von 20.000 Quadratmetern“, sagte Paul Larue. Der Verbandsratsvorsitzende des WVER betonte die Wichtigkeit einer naturnahen Führung. Dem konnte sich Verbandsratsmitglied Axel Wirtz nur anschließen: „Früher wurde viel mit Beton gebaut, heute stehen neben dem Hochwasserschutz auch die Umwelt und der Mehrwert für die Bevölkerung an erster Stelle.“

Froh darüber, auch im Sinne der Anwohner, dass es jetzt endlich losgeht, war die stellvertretende Bürgermeisterin. Hildegard Nießen wies aber auf das ungelöste Problem an Atsch-Dreieck hin und appellierte an den Wasserverband: „Lassen Sie bitte das Schnorrenfeld nicht absaufen!“ Auch hier läuft den Anwohnern bei Hochwasser regelmäßig der Keller voll. Untersuchungen des Wasserverbandes haben bislang zu keiner nachhaltigen Lösung zur Wasserführung geführt.

Die bestehenden Wehre an der Indeteilung bleiben als Bodendenkmäler weitgehend erhalten, werden aber außer Betrieb genommen. Die Teilung wird stattdessen vorverlegt und durch eine ökologisch durchgängige Blocksteinrampe hergestellt. „3500 Tonnen Blocksteine werden gesetzt, um diese Rampe zu errichten. Und dann bauen wir oberhalb noch eine Geschwemmselfalle ein“, sagte Firk. Zur Erklärung: Die Inde führt eine große Menge Treibholz aus dem Oberlauf mit sich. Dieses „Geschwemmsel“ sorgte in der Vergangenheit im rechten Indearm und an den Wehren für Probleme. Deswegen wird die bereits vorhandene Böschung, an der sich Treibgut sammelt, genutzt und zur Falle ausgebaut, in der sich das Schwemmgut sammeln kann, das dann entfernt wird.

Der Mühlengraben wird zudem komplett von der Inde abgetrennt und dient dann nur noch als verrohrter Kanal für Regenwassereinleitungen aus dem Industriegebiet. Dieses Wasser leitet er dann in den Münsterbach ein.

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