„Was tun wenn’s brennt?“: Lehrgang bietet Antworten

Von: Jürgen Lange
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Es muss kein großer sein, ein kleiner Feuerlöscher tut‘s auch: Regina Erschfeld kümmert sich um die Brandschutzerziehung. Foto: J. Lange
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Ganz so einfach, wie es aussieht, ist es nicht: Auch beim Umgang mit dem Feuerlöscher gibt es vieles zu beachten. In einem exklusiven Lehrgang bildet Regina Erschfeld bis zu 20 unserer Leser zum Brandschutzhelfer aus. Foto: Boris Roessler / dpa

Stolberg. „Was tun wenn’s brennt?“, fragt schon Ende der 70er Jahre Hans-A-Plast: „Ruhe bewahren“. Damit haben die Punkrocker aus Hannover mit ihrer gesellschaftskritischen Ironie eigentlich schon das wichtigste Verhalten in einem echten Brandfall markant beschrieben.

Ruhe bewahren im Notfall kann aber am besten, wer vorbereitet und gewappnet ist. Über die Notwendigkeit von Rauchmeldern ist in der letzten Zeit viel geredet worden. Aber was ist dann wirklich zu tun, wenn die hoffentlich montierten Alarmanlagen im Brandfall auch schrillen? Wie informiert man die Feuerwehr richtig, damit sie alle notwendigen Informationen mit auf den Weg zum Einsatzort bekommt? Und wie kann man einen Brand bis zum Eintreffen der professionellen Helfer selbst bekämpfen?

Auf diese und viele Fragen mehr gibt ein rund dreistündiger Lehrgang in Theorie und Praxis Antwort, den Regina Erschfeld von der Stolberger Feuerwehr exklusiv für unsere Leser veranstaltet. Termin ist Samstag, 8. Juli, ab 10 Uhr; eine Anmeldung ist zwingend erforderlich. Seit 17 Jahren ist die 51-Jährige bei der Stolberger Feuerwehr aktiv und aktuell für die Brandschutzerziehung zuständig. Mit dem absolvierten Kursus winkt unseren Lesern das Zertifikat als Brandschutzhelfer.

„Dieses ist ein Dokument“, betont Erschfeld. Und damit verbunden ist eine umfangreiche theoretische Einweisung in die Materie und in die gesetzlichen Grundlagen. Nicht nur, weil die erfolgreiche Teilnahme an dem Kursus mit einer Urkunde honoriert wird, sondern vor allem, „weil die Grundlagen wichtig sind für die praktische Anwendung“. Und die folgt direkt im Anschluss auf dem Hof der Feuer- und Rettungswache „mit Feuerlöschübungen am brennenden Objekt“, verspricht Regina Erschfeld.

Dann können unsere Leser mit dem Feuerlöscher selbst versuchen, der Flammen Herr zu werden. Aber das ist gar nicht so einfach, wie man glauben mag. Wie muss man sich einem Feuer nähern? Wird der Feuerlöscher komplett in die Glut entladen oder werden die Flammen portionsweise und umsichtig erstickt? Muss man bei der Anwendung eines Feuerlöschers im Freien überhaupt auf die Windrichtung achten?

Das sind nur einige wenige der Herausforderungen, vor denen der ungeübte Anwender dieser praktischen roten „Löschflaschen“ steht, von denen es unterschiedliche Modelle für vielfältige Anwendungen und mit differenzierter Handhabung gibt. „Wir verwenden in der Regel Schaumlöscher“, betont Erschfeld. Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass sich die Folgeschäden des wässrigen Schaums, etwa in der Wohnung, in Grenzen halten. Ganz anders sieht das bei Pulverlöschern aus. „Das feine Pulver setzt sich in jede Ritze – und bleibt ewig“, mahnt Regina Erschfeld und warnt zugleich vor gefährlichen Momenten bei einem Einsatz: Nur allzu schnell ist der Helfer selbst eingenebelt, damit handlungsunfähig und im schlimmsten Fall verletzt.

Vorausgesetzt, der heimische Feuerlöscher ist überhaupt funktionsfähig: Viele Eigenheim- und Wohnungsbesitzer haben beim Bezug ihre eigenen vier Wände mit einem Löscher ausgestattet. Meist wird er von außen abgestaubt und wohl gepflegt, aber die inneren Werte geraten über die Jahre gerne in Vergessenheit.

„Feuerlöscher müssen alle zwei Jahre auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden“, sagt Erschfeld. Zumindest wenn sie in öffentlichen Einrichtungen und Firmen deponiert sind, ist das gesetzlich vorgeschrieben. Im privaten Umfeld muss das zwar nicht zwingend der Fall sein, aber das bedeutet noch längst nicht, dass man sich jahrelang auf die Einsatzfähigkeit der Löscher verlassen kann.

Wartung erforderlich

Die Fehlerquellen sind vielfältig. Porös gewordene Schläuche können abplatzen, wenn sie im Einsatz unter Druck gesetzt werden. Der Druckbehälter kann seine Kraft durch Undichtigkeiten verloren haben. Oder das Pulver könnte nass geworden und verklumpt sein. Um solche Ausfälle zu verhindern, ist eine regelmäßige Wartung durch ein Fachunternehmen oder ein Austausch der Geräte erforderlich. Damit sie einsatzfähig sind, wenn es darauf ankommt.

Und damit man rechtzeitig auf einen solchen Ernstfall im Hause aufmerksam wird, ist die richtige Montage von Rauchmeldern unerlässlich. Seit dem 1. Januar diesen Jahres sind sie vorgeschrieben in allen Schlafzimmern, Kinderzimmern und Fluren, die als Rettungsweg dienen. Bis zu einer Grundfläche von 60 Quadratmetern ist ein Melder in der Mitte der Zimmerdecke erforderlich. Mehr kann aber durchaus sinnvoll sein. Beispielsweise im Wohnzimmer über dem Standort Fernseher und Audioanlage, oder im Versorgungsraum über dem Platz von Waschmaschine und Trockner.

Rauchmelder

Aber in der Küche und im Bad sind normale Rauchmelder fehl am Platze, da es aufgrund von Koch- und Wasserdampf zu Fehlauslösungen kommen kann. Dennoch werden auch für solche sensiblen Bereiche Spezialmodelle angeboten – mit einer Stummschalttaste. „Innerhalb von 30 Sekunden muss man handeln und den Stummschaltknopf drücken“, erklärt Erschfeld. Dann verstummt der Alarm.

Wird er danach allerdings erneut ausgelöst, ist der Warnton nicht mehr zu stoppen – quasi bis die Feuerwehr kommt. Griffbereit nahe zum Herd empfiehlt sich eine Löschdecke, um in Brand geratenes Fett abdecken zu können. Würde man Wasser hineinschütten, würden die Flammen durch die Gegend spritzen und den Brand ausbreiten.

Andere Gefahren können von Gasthermen oder offenen Kaminen ausgehen: Das geruchslose Kohlenmonoxid kann tödliche Folgen haben. „Spezielle CO-Melder warnen rechtzeitig“, sagt Erschfeld. Steckdosenleisten gelten als Gefahrenquelle, weil ihre Leistung mit zu vielen Stromgeräten überlastet wird und sie deshalb in Brand geraten können. Und dann folgt allzu gerne der Ärger mit der Versicherung...

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