Warum es in Paris eine „Zülpicher Straße“ gibt

Von: K. Meurer
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Nachhaltiges Erlebnis: Die Exkursion des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins nach Zülpich. Foto: Verein

Stolberg/Zülpich. Die Landesgartenschau 2014 ist vielen der 22 Teilnehmer noch im Gedächtnis, die kürzlich als Gruppe des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins eine Exkursion zum geschichtsträchtigen Ort Zülpich unternommen haben.

Der Fokus lag diesmal allerdings auf der noch viel weiter zurückliegenden Vergangenheit von Zülpich, nämlich der alten Römerstadt „Tolbiacum“.

Der erste Weg der geschichtsinteressierten Ausflügler führte in die Pfarrkirche, St. Peter, die 848 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach dem alliierten Bombenangriff am 24. Dezember 1944 wurde die Kirche vollständig zerstört und zu Beginn der 1950er Jahre in Backsteinziegeln neu errichtet.

Da das Interieur vor dem Angriff ausgelagert werden konnte und somit von der Zerstörung verschont blieb, konnten die historischen Antwerpener Schreinaltäre nach dem Neubau wieder in den jetzt modernen Kirchenbau integriert werden.

Fragmente der zerstörten Kirche

Ein besonderes museales Seitenschiff nahm die sehenswerten Fragmente der zerstörten Kirche auf und schuf damit einen kunsthistorischen Kontrast zum sakralen Kirchenraum. Der Besuch der romanischen Krypta beendete den Besuch von St. Peter.

Die kommenden zwei Stunden gehörten einer Stadtführung, die vor allem den historischen Anfängen und der römischen Zeit von Zülpich gewidmet war. Eine Sternstunde in der fränkischen Historie stellte sicher die Taufe des heidnischen Königs Chlodwig I. dar, der seiner christlichen Ehefrau Chrodechild versprochen hatte, den christlichen Glauben anzunehmen, wenn die Alemannen in der Schlacht von Zülpich (496) besiegt werden könnten.

Es war die Zeit im 5. Jahrhundert, als die germanischen Alemannen meist erfolgreiche Raubzüge in dem Gebiet der Franken unternahmen. Im Verlauf der Schlacht soll der damals noch heidnische Frankenkönig, Chlodwig I., seine Taufe für den Fall eines Sieges gelobt haben. Die Alemannen unterwarfen sich, nachdem ihr König gefallen war. Chlodwig I. soll den Erfolg seinem Gelöbnis zugeschrieben haben.

Die Schlacht von Zülpich

Er glaubte an die Hilfe Gottes in der Schlacht und ließ sich noch im selben Jahr 496 in Reims zum Christen taufen. Nach germanischer Tradition wurde damit das ganze Frankenreich christlich. Seither gilt die Schlacht von Zülpich als Ursprung des französischen Staates. Unter Napoleon III. wurde eine breite Straße im Südosten von Paris Rue de Tolbiac („Zülpicher Straße“) benannt, und sie trägt diesen Namen bis heute.

Den krönenden Abschluss der Exkursion bildete die Besichtigung der Römerthermen Zülpich. Basis dieses Museums der Badekultur bildete die Ausgrabungsstätte einer römischen Badeanlage (Therme).

Besonders beeindruckend war die „Hightech“ der Antike, die den Römern mit heißem Badewasser und Fußbodenheizung Wellness und Entspannung ermöglichte. Dieses Museum der Badekultur beinhaltet eine europaweit einzigartige Ausstellung.

Mit multimedialen Mitteln werden dem Besucher Artikel und Ambiente von der römischen Therme bis zur aktuellen Badekultur nahe gebracht. Die Führungen durch diese geschichtlichen und historischen Schwerpunkte der Stadt Zülpich machten diese Exkursion zu einem nachhaltigen Erlebnis.

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