Warten auf das erste eigene Bienenvolk

Von: Sonja Essers
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Eine Bienenwabe: Zwar gibt es in Deutschland wieder sehr viele Imker. Die Anzahl der Bienenvölker geht jedoch zurück. das liegt beispielsweise an der sogenannten Varromilbe, die ganze Bienenvölker tötet. Foto: Laura Beemelmanns
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Junger Imker: Lutz Kogel aus Stolberg wartet auf seine ersten Bienenvölker. Foto: Sonja Essers

Stolberg-Büsbach. Jung und modern sind wohl die Adjektive, die einem bei Lutz Kogel zunächst in den Sinn kommen. Der 39-Jährige arbeitet hauptberuflich bei einem Aachener Versicherungsunternehmen, trägt ein lilafarbenes Hemd und wohnt gemeinsam mit seiner Familie in einem modern eingerichteten Einfamilienhaus in Büsbach. Wer ihm zum ersten Mal begegnet würde wohl kaum vermuten, dass der junge Familienvater ein Hobby ausübt, dessen Klischees er rein gar nicht erfüllt.

Dem gängigen Bild eines typischen Imkers entspricht Lutz Kogel nämlich rein gar nicht. Der Kupferstädter hat weder weiß-graue Haare noch raucht er Pfeife. Er ist das beste Beispiel dafür, dass sich die Imkerei in den vergangenen Jahren einer Verjüngungskur unterzogen hat und derzeit beliebter denn je ist. Der Grund: „Immer mehr Menschen bekommen ein Bewusstsein dafür, wie schlecht es den Bienen wirklich geht“, sagt Lutz Kogel.

Zahl der Imker steigt

Das war jedoch nicht immer so, wie auch ein Blick auf die Statistik zeigt. 1991 gab es bundesweit 97.568 Imker. Die Zahl ging jedoch immer weiter zurück und erreichte 2008 ihren Tiefstand. Zu diesem Zeitpunkt gab es 58.173 Imker. Nur sieben Jahre später sieht es ganz anders aus. Ende 2015 gab es in der Bundesrepublik 103.370 Imker. Nachwuchsmangel herrscht in dieser Branche definitiv nicht.

Dafür machen sich die Imker allerdings Sorgen um ihre Schützlinge. Schließlich nimmt der Bestand der Bienenvölker immer weiter ab. Gab es 1991 deutschlandweit noch 1.055.686 Bienenvölker, so waren es 2015 nur noch 699 187 Bienenvölker.

Lutz Kogel würde sich wünschen, dass sich noch mehr Menschen um den Fortbestand der Biene kümmern würden. Ihn fasziniert das Insekt bereits seit dem Kindesalter. Zeitweise überlegte er sogar hauptberuflich Imker zu werden. Was ihn an den Tieren fasziniert? „Es gibt zwar ein Staatensystem, in dem die Königin über allen steht, aber eigentlich ist sie die Sklavin des Volkes und muss bis zu 2000 Eier am Tag legen“, sagt Kogel. Außerdem sei er davon begeistert, dass jedes Tier seine eigene Aufgabe habe.

Nachdem er sich einige Zeit nicht mehr mit dem Thema beschäftigt hatte, kam es im vergangenen Jahr dann jedoch erneut auf. Bei einem Besuch in Rheinbach bei Düsseldorf trafen er und seine Frau einen alten Schulfreund, der als Imker tätig war. Schnell kamen die beiden Männer ins Gespräch und Lutz Kogel merkte: „So kompliziert, wie ich mir das immer vorgestellt hatte, ist es eigentlich gar nicht.“

Fortan drehte sich ein Großteil seines Lebens um die kleinen schwarz-gelben Tierchen. Zum Geburtstag und zu Weihnachten ließ er sich Fachliteratur schenken, um sein Wissen noch weiter auszubauen. Seine Begeisterung teilt er mit seinem Sohn Ben.

Gespannt sind Vater und Sohn vor allem auf die Ankunft der ersten eigenen Bienen, die in den kommenden Tagen auf dem Programm steht. Die Tiere sind Ableger aus dem Bienenstock seiner Dozentin. Schließlich nimmt Lutz Koch seit Februar dieses Jahres im Hohen Venn bei Eupen an einem Imkerkurs teil und drückt alle zwei bis drei Wochen im Haus Ternell die Schulbank.

Die Kosten betragen 200 Euro. Was der 39-Jährige dort lernt? Neben der Biologie des Tieres steht auch der Umgang mit verschiedenen Bienenstocksystemen auf dem Lehrplan. Auch Themen wie der Ablauf des Bienenjahres und die Verwendung von Werkzeugen wie Smoker, Stockmeißel, Abkehrbesen und Co. werden behandelt.

In seinem Leben spielt das Thema Nachhaltigkeit nun eine wichtige Rolle. Unkraut-Vernichter ist für ihn ein Tabu. Momentan überlegen er uns seine Frau, welche Pflanzen für Bienen geeignet wären. „Man bekommt einen ganz anderen Blick auf die Natur“, sagt Lutz Kogel. Seine zwei Bienenvölker, die jeweils rund 1500 Tiere umfassen, wird er zukünftig nicht auf der Wiese hinter seinem Haus unterbringen. Nette Nachbarn stellten ihm die ehemalige Pferdewiese zwischen den Straßen An der Höhe und dem Gallierweg zur Verfügung.

Die erste große Herausforderung erwartet Kogel im kommenden Sommer. Dann muss er dafür sorgen, dass seine Bienen nicht ausschwärmen. Das wäre das Todesurteil für das Volk. Der Grund: die sogenannte Varroamilbe. Sie sorgt dafür, dass ganze Bienenvölker aussterben. Der Imker hat die Aufgabe, die Milbe zu bekämpfen. „Ohne Imker können Bienen heute nicht mehr überleben, weil sie die Varroamilbe nicht von sich aus bekämpfen können“, macht Kogel deutlich.

Mit dem ersten Honig kann der 39-Jährige ebenfalls im kommenden Jahr rechnen. In diesem Winter brauchen die Tiere ihren Ertrag um selbst über die Runden zu kommen. „Die Ableger dieses Jahres sind die Rennpferde des nächsten Jahres“, zitiert Lutz Kogel seine Dozentin aus dem Imkerkurs. Zwischen 15 und 48 Kilogramm Honig kann der Jungimker pro Stock gewinnen.

Auch der Austausch mit anderen Imkern in der Kupferstadt funktioniere bestens. „Alle sind nett und offen und man wird oft sogar eingeladen sich die Bienenstöcke anzuschauen“, sagt Kogel.

Bliebe nur noch die Frage zu klären, wie oft der Jungimker schon gestochen wurde. „Bisher noch kein einziges Mal“, sagt Kogel, der meist ohne Handschuhe und Schleier arbeite. „Bienen sind sehr sanftmütig. Nur bei Gewitter sollte man nicht an den Stock gehen, dann sind sie nämlich grellig“, sagt Kogel.

 

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