Wandbild soll Lichtblick in der Stolberger Altstadt werden

Von: Martin Heinen
Letzte Aktualisierung:
14316759.jpg
Der Stolberger Künstler Majed Dallel will mit seinem Wandbild dafür sorgen, dass ein Schandfleck in der Stadt verschwindet. Foto: M. Heinen
14316758.jpg
Das neue Wandbild soll ein Lichtblick in der Stolberger Altstadt werden.

Stolberg. Endlich geht es los: Nicht nur die Nachbarn sind neugierig und lugen interessiert und aufmunternd durch den provisorischen Gitterzaun, den man im historischen Durchgangsbogen zwischen der Burgstraße und „In der Schart 27“ aufgestellt hat, um die Passanten vielleicht vor vorbeifliegenden Farbtropfen zu schützen.

Dramaturgische Ursache für den Zaun mit weißer Bespannung könnte aber auch sein, dass man das Werk – immerhin ein Panorama-Szenario von gut 20 bis 25 Quadratmetern Größe, vielleicht erst dann enthüllen will, wenn es auch wirklich fertig ist. Noch aber ist hinter der Stoffbahn der Künstler Majed Dallel (35) schon am Morgen mit diversen Pinseln, Farb- und Wassereimern, Trittleitern und einem Mini-Gerüst aktiv, um ein signifikantes Wandbild entstehen zu lassen, das in vielfältiger Weise ein Zeichen, ein Signal, eine gute Botschaft ist.

Für diese schöne Ecke, die jetzt noch schöner wird, für die Bedeutung und Potenziale der Altstadt und dann natürlich auch für Stolberg im Ganzen. Aber der Reihe nach, also Strich für Strich: Dallel, heute im frischen Windzug der Gasse und bei kühleren Temperaturen mit dickem Schal und Winterjacke ausgerüstet, ist zwar nicht der bekannte Aktionskünstler Christo, der Vergessenes, auch negativ Belastetes verhüllt, verdeckt, um es dann wieder zu entpacken, neu bezaubern und überraschen zu lassen. Parallelen gibt es dennoch: Es sind vor allem der Optimismus, der künstlerische Respekt vor den Gegebenheiten und das übergeordnete Motiv, die beide auf ihre Art teilen und wirken lassen.

Dallel, gebürtiger Tunesier, der sich vor gut einem Jahr eher zufällig in die Stolberger Altstadt verliebte, konsequent aus Aachen wegzog und hier nun mit seiner Freundin und seinem Atelier und vielen Ideen auch lebt, also nicht nur wohnt, ist quasi der erste künstlerische Vorarbeiter des Projektes „Verfügungsfonds für die Innenstadt“, das als ein Bestandteil des Entwicklungskonzeptes Talachse Innenstadt privates Ideen- und Aktionsengagement anschieben und unterstützen soll – dies in ideeller, aber auch in materieller Hinsicht. Eine wohl dringend notwendige Perspektive, die gerade auch den Blick und die Blicke auf die besondere Schönheit der Altstadt neu eröffnen und strahlen lassen soll.

Schlichte Verschönerung oder reine „Aufhübschung“ ist aber nicht der Blickwinkel von Dallel, obwohl allein schon das simple Überstreichen der mit wildem Graffiti verhunzten Torbogenwand die schlimmste Tristesse-Not hätte lindern können. Schon in seinem grundsätzlichen, künstlerischen Schaffen geht ihm um Schönheit und Ästhetik, eher abstrakt, realistisch umgesetzt, manchmal mit Öl-, mehr noch mit Acrylfarben.

Für den eher schattigen Bereich des Durchgangs – im direkten und im übertragenen Sinne – hat er sich eines seiner älteren Bilder zur passenden, thematisch klugen Vorlage genommen: angedeutete Schattenrisse und entsprechende Spiegellungen von Radfahrern.

Mit flüchtigen Konturen und skizzenhaften Andeutungen, die allerdings in Bewegung sind, die scheinbar doch ein Ziel haben, sich also als Schattengestalten doch aus dem Schatten heraus bewegen, keinesfalls statisch, sondern doch dynamisch sind.

Ein Lichtspiel als Lichtblick, eben ein gutes Motiv – vor allem mit seinen Motiven, die er gerne noch ergänzt: „Für mich ist Stolberg eine große Entdeckung – in vielerlei Hinsicht. Wir leben hier sehr gerne. Und ich würde mir wünschen, dass auch viele andere Künstler aus Aachen und der Region dies erkennen und die Potenziale, Wirkungsmöglichkeiten und kreativen Chancen, die sich eigentlich nur hier bieten, nun ebenfalls nutzen. Es gibt gerade hier viel zu gestalten, zu verbinden, zu entwickeln. Und zwar in fast allen künstlerischen Bereichen. Dies natürlich immer respekt- und gefühlvoll dem historischen Erbe und Charme gegenüber.“

Es werde Licht: Konkret muss und will er aber jetzt wieder ran, also auf die Leiter. Immer mit einem scharfen Blick auf sein Vorlagenbild, die Schablonen und Farbtöpfe. Seit drei Tagen ist Dallel schon aktiv, in spätestens zwei Wochen soll das Wandgemälde fertig sein.

Am Sonntag, 7. Mai, findet dann im Rahmen der Stolberger Kunstausfahrt von 14 bis 17 Uhr direkt am Torbogen die offizielle Enthüllung mit einem freundlichen „Come-Together“ für alle Stolberger statt. Dazu lädt auch das Architektenpaar Stefanie Schulz und Lutz Scheffler ein, das als Ideengeber und direkte Nachbarn das Projekt tatkräftig angeschoben hat. Die beiden betreiben seit November 2016 das Stolberger Gästehaus „Vanille & Chocolat“ in einem aufwendig restaurierten und mit viel Liebe umgestalteten, denkmalgeschützten Haus aus dem 18. Jahrhundert, das viele, vor allem auch internationale Gäste hat und meistens auch ausgebucht ist. Vielleicht gibt es ja demnächst auch die neue Postkarte mit dem „Licht und Schatten“-Bild und der sonnigen Botschaft: „Stolberg ist schön!“ Wer darauf nicht warten will, der kann sich zur Vernissage am 7. Mai schon einen direkten Ein- und Überblick über das schöpferische Gesamtbild des Malers Dallel gönnen, der dann seine Werke an gleicher Stelle ausstellt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert