Wahrzeichen der Stadt: Stollen unter der Burg werden erschlossen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
touri12bu__stollen
Lebendige Geschichte unter der Burg: Das Stollen-System soll bald touristisch vermarktet werden. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Das wird richtig spannend”, sieht sich Ferdi Gatzweiler schon mit einer „Funzel” bewaffnet durch die Gänge schleichen. „Das spricht die Stolberger ebenso an wie auswärtige Besucher”, ist der Bürgermeister überzeugt. Denn die geschichtsträchtigen Stollen unter der Burg sollen jetzt touristisch erschlossen werden.

Sie boten den Stolbergern Schutz vor Angriffen während des Zweiten Weltkriegs, sie dienten als Bierkeller, und ihre Historie reicht bis ins Mittelalter zurück, als die Gerichtsbarkeit noch auf der Burg ausgeübt wurde.

„Da dienten sie bestimmt als Gefängnis und Folterkeller”, schmunzelt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt mit Blick auf das Machbare. „Zurück in die Zukunft” könnte ein Thema sein, mit dem die Stollen vermarktet werden können. Mittelalterliche Gerichtsbarkeit könnte ebenso dargestellt werden, wie die Funktion als Lebensraum von Fledermäusen oder die Funktion als Luftschutzbunker. „Aus dieser Zeit sind noch einige Details vorhanden”, weiß Pickhardt.

Doch bevor Touristen aus Nah und Fern die Gänge unter der Burg erobern können, steht noch jede Menge Arbeit. „Noch sind wir in amtsinternen und privatrechtlichen Abstimmunsgesprächen, was realisiert werden kann”, hat Breuer einen Etat von 40000 Euro für das Projekt. Immerhin erstreckt sich das Stollensystem über drei Ebenen. Die untere führt von der Klatterstraße zu einem Wohnhof an der Burgstraße.

Die mittlere zieht vom Steinbackofen am unteren Burgzugang, die obere in Höhe der Fußgängerbrücke oberhalb des Burghauses durch das Kalkgestein. Sie sind mehr oder minder gut miteinander verbunden, beispielsweise führt ein vier Meter breiter Schacht von der oberen auf die mittlere Ebene. „Es ist in jedem Fall eine tolle Location, um Geschichte lebendig werden zu lassen”, schwärmt Breuer. Zwar ist bereits heute der Gang durch diese Kulisse sehenswert, aber in diesem Jahr soll noch an dem Konzept gefeilt werden, wie die Stollen unter der Burg im Detail touristisch vermarktet werden (können).

Bereits fertige Pläne werden in den nächsten Wochen Realität: Die Ausschreibung für den Wohnmobil-Campingplatz wird vorbereitet. „Noch vor dem Sommer soll er komplett eingerichtet sein”, sagt Barbara Breuer. Je nach Größe der Fahrzeuge können sechs bis zehn Camper im Schatten der Direktoren-Villa des Zinkhütter Hofs ihren Stellplatz finden, wobei der benachbarte Parkplatz weiteres Potenzial bietet.

Strom- und Wasserversorgung, Entsorgungsstation und Infopunkt werden installiert. 60.000 Euro kostet diese Investition, die alles bietet, was des Wohnmobilisten Herz erträumt. Denn die Lage des Platzes am Zinkhütter Hof wird als ideal eingestuft: gut zu erreichen und dennoch ruhig gelegen, mit kurzen Wegen in die Natur wie in die Innenstadt.

Damit man sich dort auch bestens zurecht finden kann, erfolgt in diesem Jahr eine neue touristische Ausschilderung. „Angelaufen ist bereits die Bestandsaufnahme durch das Fachbüro”, so Breuer. Es folgt die Ausarbeitung eines Konzeptes zur Führung von Auto- und Fußbesuchern sowie die Feinabstimmung im Arbeitskreis Tourismus. Ergänzt wird die neue Beschilderung durch Informationstafeln an den Sehenswürdigkeiten, „und Ortseingangsschilder mit einem Willkommensgruß in der Kufperstadt sind auch in der Konzeption”, erklärt Andreas Pickhardt. Immerhin stehen 80.000 Euro nur für dieses Projekt bereit.

„Wir nehmen noch einmal richtig Geld in die Hände, um in Vorleistung zu treten”, freut sich der Bürgermeister, dass der Stadtrat den gemeinsamen Weg weiter beschritten und erhebliche Mittel für den Ausbau einer touristischen Infrastruktur bereit gestellt hat. Insgesamt über 408.000 Euro stehen bereit: 200.000 Euro unter dem Produkt Tourismus und zusätzliche 200.000 Euro verteilt auf weitere Etatpositionen.

Damit schafft die Stadt die Grundlage für eine touristische Vermarktung”, spricht Ferdi Gatzweiler die „Perspektive 2010” an. Dann soll der Tourismus aus der Verwaltung ausgegliedert und in eine Touristik-GmbH überführt sein. „Für den weiteren Fortschritt ist es wichtig, dass sich Gewerbetreibende und Privatleute einbringen”, betont der Bürgermeister, dass er nicht nur ein idelles, sondern auch ein finanzielles Engagement erwartet.

„Denn die Stadt kann nicht jedes Jahr solche Summen in den Tourismus stecken”. Auch Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel müssten diese Chance auf zusätzliche und neue Einnahmequellen erkennen und in den Tourismus investieren. „Ich bin froh, dass die Gesellschaft für Stadtmarketing die GmbH-Gründung im Schulterschluss mit der Stadt forciert”, sagt Gatzweiler. Bereits im April sollen erste Sondierungsgespräche erfolgen.

Neue Kupferstadt-Souvenirs

Es gibt zwar die Accessoires mit dem alten Stolberg-Logo, aber die sind bislang eher bei Einheimischen auf Interesse gestoßen. Die Touristen fragen dagegen zunehmend richtige Souvenirs nach, so wie man sie überall auf der Welt an Sehenswürdigkeiten kaufen kann, berichtet Barbara Breuer. Deshalb will die Touristik-Leiterin in Kürze typische Mitbringsel aus der Urlaubsstadt an der Vicht anbieten.

Bierkrüge, Tassen, Vasen, Untersetzer und weitere Accessoires, die des Touristen Herz begehren, mit dekorativen Motiven aus der Kupferstadt werden deshalb gefertigt. „Wir sichten zurzeit unterschiedliche Angebote und Anbieter”, berichtet Breuer, der 15000 Euro für die kreative Aufgabe zur Verfügung stehen. Übrigens sind es häufig Besucher aus den Niederlanden, die derartige Souvenirs nachfragen.

Den Kontakt in die Niederlande will Breuer zukünftig weiter intensivieren. „Insbesondere nach Süd-Limburg”, denn aus dieser Grenzregion kommen bereits viele Stolberg-Besucher auch dank der Euregiobahn. „Wir wollen dieses Potenzial weiter ausschöpfen”.

Die Kupferstadt im Aachener Land präsentieren und vor allem viele Kontakte knüpfen möchte Barbara Breuer auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vom 11. bis 15. März. Sie ist die größte Tourismusmesse der Welt und eine einmalige Kontaktbörse. Vertreter aller wichtigen Behörden und Institutionen treffen dort zusammen.

Auf 80.000 Euro summieren sich die Mittel für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. 20000 Euro stehen bereit für die weitere Qualifizierung von Events wie Kupfermeistertretten, Weihnachtstage und Stadtfest.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert