Wälle aus dem Mittelalter bald unter Schutz

Von: dö
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Stolberg-Schevenhütte. Oberhalb der Wehebachtalsperre liegt auf dem Burgberg eine Befestigungsanlage, deren Ring- und Abschnittswälle sowohl aus vorgeschichtlicher wie aus frühmittelalterlicher Zeit stammen. Diese Anlage soll jetzt unter Denkmalschutz gestellt werden. Erste Hürden diesbezüglich wurden inzwischen genommen.

Archäologisch untersucht wurde die aus zwei unterschiedlichen Wällen bestehende Anlage in den 1930er und 1970er Jahren. Jetzt war die südlich von Schevenhütte liegende Befestigungsanlage Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt. Denn das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland hatte beantragt, die Anlage unter Schutz zu stellen und in die Bodendenkmalliste der Kupferstadt Stolberg einzutragen. Dem wurde seitens der Ausschussmitglieder einstimmig gefolgt.

Laut Beschreibung, die der Landschaftsverband der Verwaltungsvorlage beigefügt hat, hat die frühere Fliehburg eine hohe Bedeutung für den vorgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Befestigungsbau im Rheinland und der nördlichen Eifel sowie für die Siedlungsgeschichte von Stolberg und Umgebung.

Erste Untersuchungen der Wallanlagen fanden bereits 1935 und 1937 durch die städtischen Museen Aachen statt. Damals wurde auch eine Vermessung durchgeführt. Fortgesetzt wurden die Untersuchungen 1976 im Rahmen des geplanten Baues der Wehebachtalsperre. Damals hatte man die beiden Wallanlagen archäologisch durch Grabungen erfasst und dokumentiert.

Im Bereich von Wall II legte man sechs Schnitte an, bei dem eine aus Trockenmauern bestehende Steinmauer in Schalbautechnik entdeckt wurde, die im oberen Bereich eine Holzpalisade trug. Brandspuren wiesen auf eine Zerstörung durch Feuer hin.

Weiterhin konnte ein Tor mit einem 3,50 Meter breiten Durchgang dokumentiert werden, das anhand der vorgefundenen quadratisch angelegten Pfostenlöcher von Holzbauten flankiert war. Die Zuhilfenahme der vorgefundenen Keramik erlaubte den damaligen Archäologen die Datierung des Walls in das 9. oder 10. Jahrhundert. Wall I wurde damals ebenfalls archäologisch untersucht.

Die Untersuchungen ergaben, dass dieser Wall auf der natürlichen Geländekante angelegt war und aus einer Steinschüttung bestand, die mit Lehm vermischt war. Gesichert war der Wall, der an der Basis vier Meter und am Scheitel zwei Meter Breite aufwies, durch einen davor liegenden muldenförmigen Graben.

Die Länge des damals entdeckten Walls beträgt rund 57 Meter. An der Innenseite von Wall I kamen zwei parallel verlaufende Pfostenlöcher mit Holzkohle zutage. Aufrecht stehende Pfosten dürften hier also zu einer Innenabstützung des Erdwalls gehört haben, vermuteten die Archäologen.

Datiert wurde die Entstehung dieses Walls von den Fachleuten in die Eisen- oder Bronzezeit. Besonders erfreute die Archäologen, dass sie damals in Stolberg mit Wall II eine der selten im Rheinland nachgewiesenen Bergbefestigungen aus der karolingischen Zeit entdeckt hatten. Bis heute weiß man aber nicht, zu welchem Zweck diese Anlage erbaut und bei welchem Anlass sie zerstört wurde.

Mit Hinweistafeln ausgestattet und als archäologisches Denkmal ausgewiesen wurden die Wallanlagen bereits in den 1980er Jahren , kurz nach der Fertigstellung der Wehebachtalsperre. Allerdings unterblieb damals die offizielle Unterschutzstellung der Bauwerke und die eigentlich fällige Eintragung in die Bodendenkmalliste der Stadt Stolberg. Das wurde jetzt mit einer Verspätung von rund 30 Jahren im eingangs erwähnten Fachausschuss des Stadtrates nachgeholt.

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