Wabe und Tafel stehen für konkrete Hilfe

Von: Sarah-Lena Gombert
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Im Sozialkaufhaus Wabe bekommen Bedürftige Kleidung, Möbel und auch Haushaltswaren zu besonders günstigen Konditionen. Auch bietet die Einrichtung vielen Menschen eine Beschäftigung. Foto: S.-L. Gombert
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Schauen sich im Stadtteil Mühle um: Staatssekretär Wilhelm Schäffer, Landtagsabgeordneter Axel Wirtz und Vertreter der Stadtverwaltung. Foto: S.-L.- Gombert

Stolberg. Seit knapp zwei Jahren beschäftigt sich die Stadt Stolberg mit ihrem Sozialraumkonzept. Es wurden Statistiken erhoben über die Bedarfsgemeinschaften in den einzelnen Stadtteilen. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Zielen für ein soziales Miteinander beschäftigten. Es gibt seit wenigen Wochen ein Soziales Leitbild samt Überschrift.

In Oberstolberg, auf der Mühle und in Münsterbusch soll nun die Armut verstärkt bekämpft und vermieden werden. Doch wie genau sieht das Leben in diesen Stadtteilen eigentlich aus? Das wollte Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär des nordrhein-westfälischen Sozialministeriums wissen.

Gemeinsam mit Axel Wirtz (CDU) als Vertreter Landespolitik und Bürgermeister Tim Grüttemeier, den beiden Dezernenten Robert Voigtsberger und Tobias Röhm sowie weiterer Vertreter der Stadtverwaltung hat er die Mühle besucht und dabei Zwischenstopps bei der Tafel und bei der Wabe eingelegt.

Die Route für den hochrangig besetzten Spaziergang war nicht zufällig gewählt: „In den drei Quartieren, um die wir uns im Zuge des Sozialraumkonzepts zunächst vornehmlich kümmern wollen, leben 60 Prozent der Bedarfsgemeinschaften unserer Stadt“, erklärte Robert Voigtsberger. Die Tafel und auch die Wabe liegen also mittendrin in einem der Viertel, in dem die meisten von Armut bedrohten Stolberger leben.

1850 Kunden besuchen regelmäßig die Verkaufsräume der Stolberger Tafel. 23 Prozent der Menschen, die hier Lebensmittel bekommen, sind Kinder, 24 Prozent sind im Rentenalter. Die Zahlen, die Thomas Schellhoff von der Stolberger Tafel präsentiert, sprechen für sich. „Unser Klientel sind in erster Linie Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner“, berichtet Schellhoff.

Die Zahl der Flüchtlinge, die bei der Tafel bedient werden, spiele eine eher untergeordnete Rolle. „Die Not ist steigend“, betont der Tafel-Vorsitzende. Die Zahl der gespendeten Lebensmittel steige zwar auch, aber nicht in der gleichen Geschwindigkeit wie die Nachfrage. Die Tafel könne akute Notlagen lindern, betonte Schellhoff. „Doch die Ursachen der Notlagen zu beseitigen, das ist die Aufgabe der Politik.“

Zwei Seelen in einer Brust

Es schlügen zwei Seelen in seiner Brust, kommentierte Wilhelm Schäffer. „Einerseits ist es toll, wie hier in Stolberg den Menschen geholfen wird“, sagte er. Auf der anderen Seite sei es ein gesellschaftspolitisches Armutszeichen, dass diese Hilfe überhaupt notwendig sei. Auch Tim Grüttemeier betonte, dass es wichtig sei, sich als Staat nicht zurückzuziehen. „Diesen Menschen zu helfen, das ist eine staatliche Aufgabe“, sagte er.

Axel Wirtz erklärte, dass das private Engagement vieler Menschen wie in der Tafel wichtig sei. „Doch auch die Stadt ist mit ihrem Sozialkonzept auf einem guten Weg“, so der Christdemokrat. Die große Koalition von CDU und SPD im Stolberger Stadtrat habe nicht nur bei Bauprojekten, sondern auch im Sozialbereich dazu geführt, dass viel angepackt werden kann.

Wuselig geht es zu in den Räumen der Wabe, dem Sozialkaufhaus, das die Caritas an der Ellermühlenstraße und an der Rathausstraße beim Bastinsweiher eingerichtet hat. Stolberger Bürger bringen Kleider- und andere Sachspenden her. Die Kunden, die einen Bedürftigkeitsnachweis erbringen müssen, können hier für wenig Geld einkaufen: Eine Damenhose gibt es beispielsweise für zwei Euro. Im Obergeschoss ist eine kleine Schreinerwerkstatt eingerichtet. Viele Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Stelle finden, bekommen in der Wabe eine sinnvolle Beschäftigung.

Die Männer, die hier gut gelaunt ihrer Arbeit nachgehen, überreichen dem Staatssekretär und dem Stolberger Bürgermeister ein kleines Geschenk: selbst gebaute Vogelhäuschen. „Unser Laden hat sich in den vergangenen Jahren wahnsinnig entwickelt“, sagt Alois Poquett von der Wabe.

Das Gebäude in der Ellermühlenstraße sei inzwischen im Besitz der Wabe, Und weil der Platz nicht mehr ausreiche, habe man die Räume an der Rathausstraße noch zusätzlich angemietet. „Langfristig planen wir, unser Haus an der Ellermühlenstraße wieder in Stand zu setzen“, sagt Poquett und betont: „Die Leute, die hier einkaufen, verdienen es, in einem anständigen Ambiente einzukaufen.“

Weitere Projekte wie die Wabe wünscht sich Bürgermeister Tim Grüttemeier für die Stadt. Zu tun gebe es im städtischen Bereich genug, auch Menschen, die arbeiten wollen. „Es wäre daher schön, wenn wir als Kommune mehr Unterstützung bekämen, um beispielsweise Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu bieten“, sagte er in Richtung Staatssekretär Schäffer. Dieser versprach daraufhin auch, der Stadt soweit möglich unter die Arme zu greifen. Es gebe diverse Förderprogramme auf Landes und auch Bundesebene, auf die eine Stadt wie Stolberg zurückgreifen könne.

Aufbauen auf Vorhandenem

Wie es mit der Sozialraumplanung in Münsterbusch, Oberstolberg und Unterstolberg nun weitergehe, wollte Staatssekretär Wilhelm Schäffer beim Abschlussgespräch im Stolberger Rathaus von den Verwaltungsmitarbeitern wissen. Das Credo der Stadtverwaltung fasste Sozialraumplaner Leo Jansen zusammen: Aufbauen auf bereits Vorhandenem, Verknüpfungen schaffen und Neues implizieren, wo es notwendig ist. Die Mühle sei immer noch ein sehr lebendiger Stadtteil, aber eben auch ein sehr belasteter Stadtteil.

„Wir befinden uns derzeit in einem Prozess, wo wir unterschiedliche Ideen und Ziele diskutieren“, erklärte Jansen. Beispielsweise könne man den Austausch von Einrichtungen wie der Wabe und der Tafel intensivieren. Und die Tafel, die mit ihrem Angebot viele Menschen in prekären Lebenslagen erreicht, auch als Plattform für Bildungsangebote nutzen. „Das wollen wir aber gemeinsam mit den Bürgern entscheiden“, so Jansen.

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