Stolberg - Wabe: Die sozialen Problemfälle nehmen zu

Wabe: Die sozialen Problemfälle nehmen zu

Von: Heike Eisenmenger
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Berät Menschen, die in Schwierigkeiten geraten sind: die Dipl.-Pädagogin Heidi Schneider. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Probleme sind so zahlreich, „dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll”: Diesen Satz hört Heidi Schneider von der Caritas-Wabe-Fachberatungsstelle in Stolberg immer häufiger. Die Diplom-Pädagogin leitet die Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten an der Frankentalstraße.

Die Probleme der Ratsuchenden reichen vom Verlust der Wohnung, Überschuldung, Konflikten innerhalb der Familie, über Arbeitslosigkeit bis hin zum Strom, der abgestellt wurde.

Es ist ein ganzes Paket von Problemen, das die meisten der Ratsuchenden mit sich herumschleppen. Was für Heidi Schneider und ihre Kollegen in der Praxis bedeutet, dass die Vielzahl der Probleme eine längerfristige Begleitung verlangt. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsdiensten ist aufgrund der Vielschichtigkeit an der Tagesordnung.

Die Stolberger Beratungsstelle ist eine von insgesamt fünf Caritas-Wabe-Anlaufstellen in Stadt und Kreis Aachen. Die jährliche Auswertung der Beratungsgespräche zeigt, verpackt in nüchternen Zahlen, wie es um unsere Gesellschaft bestellt ist. Wie gesund eine Gesellschaft ist, zeigt sich darin, wie man mit den Schwächsten, mit den Menschen, die Hilfe brauchen, verfährt.

Gemessen daran, ist es um unsere Gesellschaft nicht gut bestellt: „Die Gesellschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt hat nur noch wenig wenn überhaupt Geduld mit den Schwächeren”, sagt Heidi Schneider ohne Umschweife.

In ihrem Berufsalltag erlebt die Diplom Pädagogin immer wieder, dass selbst vermeintlich Stärkere den Boden unter den Füßen verlieren.

Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. „Ein Todesfall, eine Trennung oder auch der Arbeitsplatzverlust - man definiert sich auch über seine Arbeit - können dazuführen, dass auch ein psychisch stabiler Mensch abrutscht”, erklärt die Diplom- Pädagogin. Immer häufiger betroffen ist der einst gesunde Mittelstand - es ist also ein Trugschluss zu glauben, dass in der Hauptsache nur Menschen mit geringem Bildungsgrad ins soziale Aus geraten.

Nicht nur Hartz IV-Bezieher drückt die Schuldenfalle in die Knie: Immer häufiger gehören auch Menschen, die Arbeit haben, dazu. Es wird ihnen der Strom abgestellt, weil sie die Rechnung nicht bezahlen können. „Es ist schon hart, wenn man den ganzen Tag arbeitet, und es reicht dennoch nicht zum alltäglichen Leben. Von Luxus wollen wir erst gar nicht reden”, sagt Schneider.

So deprimierend dieser Zustand auch ist: Den Kopf hängen zu lassen, das ist etwas, was speziell in einer solchen Situation prekär ist. „Bei einem dauerhaft niedrigen Einkommen ist absolute Disziplin bei der Geldeinteilung notwendig, um am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können”, betont die Beraterin.

„Auffällig war im vergangenen Jahr, dass immer mehr Familien in sozialen Schwierigkeiten geraten. Das Familienleben ist geprägt von Existenznöten, die wiederum Eheprobleme auslösen. Auch zwischen Eltern und Kindern kriselt es zunehmend”, schildert Schneider. Ebenfalls auffällig im vergangenen Jahr war, dass immer mehr Klienten über kein Konto verfügen.

Eine Zunahme ist auch bei Ratsuchenden mit Migrationshintergrund zu verzeichnen, wertet Schneider den Jahresbericht aus. Weiterhin hat Schneider festgestellt, dass zunehmd Menschen mit einem guten bis hohen Bildungsgrad um Rat suchen.

Insgesamt 123 Ratsuchende kamen 2008 zur Stolberger Beratungsstelle. Insgesamt besuchten 344 Klienten im Kreis Aachen die fünf Caritas-Wabe-Beratungsstellen.
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