Stolberg - Vorbereitung auf die Erstkommunion mal ganz anders

Vorbereitung auf die Erstkommunion mal ganz anders

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Bild vom letzten Abendmahl: Während Rainer Oberthür aus der „Ostererzählung“ vorliest und die Bilder zeigt, ist es mucksmäuschenstill im Gemeindehaus.
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Später holen sich die Kinder ein Autogramm. Foto: D. Kinkel

Stolberg. Ziemlich schnell hört der Quatsch auf, verebben die Zwischenrufe und wird es mucksmäuschenstill im Raum des Ökumenischen Gemeindehauses: Fast 200 Köpfe – jung wie alt – schauen gespannt nach vorne und hören zu.

Der Autor und Religionspädagoge Rainer Oberthür ist an jenem Freitagnachmittag zu Besuch und liest aus seinem Buch „Die Ostererzählung“ vor.

Kindgerecht erklären

Wer weiß heute schon noch genau, was es mit Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern auf sich hat? Der Grundschullehrer und Autor zahlreicher pädagogischer und religionspädagogischer Praxishilfen weiß es genau. Und vor allem weiß er es kindgerecht zu erklären. Rainer Oberthür erzählt die heilige Woche in Jerusalem nach und zeigt die Ursprünge unserer Feiertage auf.

Bevor es salopp formuliert ans „Eingemachte“ geht, also das Thema „Tod und Auferstehung Jesu“ weder zu brutal noch zu verharmlosend darzustellen, begrüßt Petra Morschel die Besucher. Im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung ist der heutige Termin ein „Muss“ für die 114 angehenden Kommunionkinder der Pfarre St. Lucia. Gleichzeitig ist es auch die erste große Veranstaltung im fast fertiggestellten Ökumenischen Gemeindehaus. „Ich freue mich sehr, dass Herr Oberthür heute bei uns ist, das gibt diesem wichtigen Thema einen besonderen Rahmen“, so die Gemeindereferentin.

Am Text seines ersten Bilderbuchs „Die Ostererzählung“ habe er fast ein Jahr geschrieben, so Rainer Oberthür. Denn er wollte zugleich bibelnah und kindgerecht erzählen: dem Wortlaut des Evangeliums verpflichtet und dennoch für Kinder ab fünf Jahren verständlich, ohne die zentrale Geschichte der christlichen Botschaft zu verfälschen, zu verniedlichen und zu klein zu handeln. „Kinder wollen und sollen die Größe und Bedeutung des hier Erzählten erspüren, erahnen und erkennen“, sagt der stellvertretende Leiter des Katechetischen Instituts des Bistums Aachen.

Wie Jesus gestorben ist

Eine Rahmenerzählung zwischen einem Kind und seiner Mutter ermöglicht dem Autor in der Eröffnung zu signalisieren, dass das Kind schon einiges über das Leben Jesu gehört hat und nun selbst nach der Geschichte von seinem Tod verlangt. „Mama, ich möchte etwas wissen vom Ende, wie Jesus gestorben ist“, liest Oberthür vor. Die Mutter erzählt von Passion und Auferstehung am Markus-Evangelium entlang, sodass die biblische Erzählung im Buch als erzählte Geschichte im Augenblick des Vorlesens erzählt wird.

Und dann erzählt die Mutter von den sieben Tagen in Jerusalem, der heiligen Woche. Sie beginnt mit Bartimäus, der wieder sehen kann und mit Jesus und seinen Jüngern nach Jerusalem geht. Rainer Oberthür übernimmt die Rolle der Mama – das sorgt natürlich für Gekicher unter den Kindern – und zeigt beim Vorlesen die bunten Bilder.

Diese stammen aus der Feder von Renate Seelig, die Bilderbücher für verschiedene Verlage gestaltet und immer wieder gemeinsam mit Oberthür arbeitet. „An das letzte Abendmahl erinnern wir uns heute noch, am Gründonnerstag. Karfreitag wurde Jesus vom Kreuz genommen und in ein Grab gelegt, am Samstag geschah nichts“, erzählt Rainer Oberthür und erklärt, dass das so war, weil der Samstag, der Sabbat, der jüdische Ruhetag ist. Schließlich beendet er die Erzählung mit dem Ostersonntag, dem Tag der Salbung. „So wurde Jesus zu Christus, das heißt ‚der Gesalbte‘“, erläutert er. Ihre großartige Geschichte mit Jesus hätten die Jünger weiter erzählt, und das hätten sie 2000 Jahre lang gemacht, „und ich mache das jetzt bei Euch auch“. Jesus‘ Auferstehung zeige, dass die Liebe stärker ist als der Tod.

Hatte Jesus auch mal Streit?

Kaum schlägt Rainer Oberthür die letzte Seite zu, wird er auch schon mit Fragen gelöchert: Hast Du wirklich das Buch geschrieben? Wer hat die Bilder gemalt? Wie haben die Jesus denn ans Kreuz gekriegt? Geduldig beantwortet der Grundschullehrer alle Fragen. Über die Frage des achtjährigen Amal, ob Jesus denn auch mal Streit hatte, muss er kurz überlegen, findet jedoch auch dazu die passende Antwort. Matthias möchte wissen, wo der Berg ist, auf dem Jesus gekreuzigt wurde, und Lucca fragt, ob der Galgen mit dem Kreuz gleichzusetzen sei.

„Ich finde es sensationell, dass die Kinder so gut aufgepasst und mitgemacht haben. Wirklich spannend, zumal es ein schweres Thema ist, es geht schließlich um die großen Fragen“, sagt Rainer Oberthür.

„Kommunionsunterricht ist toll, heute fand ich es besonders schön. Und die Führung durch den Aachener Dom war auch cool“, sagt die achtjährige Nina. „Toll und spannend“, ergänzt Noah (9), und Moritz ist begeistert, „dass der Autor selber da war und aus seinem Buch vorgelesen hat“. Dementsprechend groß ist auch der Andrang kurz nachdem jedes Kind ein eigenes Exemplar der „Ostererzählung“ bekommen hat: Signierstunde mit dem Autor. So viele Autogramme habe er noch nie gegeben, schmunzelt Oberthür.

Nach der ernsten Geschichte über den Tod gibt‘s eine heitere Zugabe: Der Autor liest aus seinem Buch „Neles Buch der großen Fragen“ vor. Nele, ein Mädchen im Grundschulalter, staunt über das Universum und unser Leben. „Jetzt bin ich nicht eine Mama, sondern ein zehnjähriges Mädchen“, sorgt Oberthür wieder für Lacher. Und erst Recht, als er Einblicke gibt in die verdrehte Welt, in der Menschen auf Händen singen, Vögel im Wasser und Fische in der Luft schwimmen, Hunde mit ihren Schnauzen wedeln und Hühner eckige Eier legen...

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