Vor 95 Jahren explodierte die „Stolberger Düngerfabrik“

Von: Toni Dörflinger
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Die an der Rhenaniastraße gelegene Stolberger Düngerfabrik um 1900, etwa 20 Jahre vor der Zerstörung. Foto: T. Dörflinger
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Kein Stein blieb mehr auf dem anderen, als am 12. April 1920 die Düngerfabrik explodierte.Repro: T. Dörflinger Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Die Zerstörung war enorm und die Folgen weitreichend: eine bis auf die Grundmauern zerstörte Fabrik, 23 Tote und 100 Verletzte sowie erhebliche Schäden an der Substanz umliegender Gebäude. Am morgigen Sonntag vor 95 Jahren explodierte an der Rhenaniatraße die „Stolberger Düngerfabrik“.

Die Katastrophe ausgelöst hatten vermutlich Entladearbeiten. Per Bahn angelieferte explosive Stoffe – das Werk besaß einen eigenen Bahnanschluss – hatte man allen Anschein nach unsachgemäß behandelt. Aber die genaue Ursache des Desasters, das sich bis heute in das Gedächtnis der Stolberger eingegraben hat, konnte nie ermittelt werden.

„Schippan“ genannt

Gegründet hatte man die Düngerfabrik, die am 12. April 1920 zerstört und danach nicht mehr aufgebaut wurde, vermutlich um 1900. Anfänglich hatte das Werk, das später in das Eigentum der benachbarten „Rhenania“ überging, Alexander Schippan gehört. Darum ist bis heute als Synonym für das kleine Unternehmen, das die vom Nachbarwerk Rhenania hergestellte Schwefelsäure für die Produktion von Superphosphat nutzte, auch der Name „Schippan“ gebräuchlich. Die Erinnerung an die Tragödie hält eine Gedenkstele wach, die man auf den Tag genau im April 1922 auf dem Friedhof an der Bergstraße errichtet hat. Über den genauen Standort der Fabrik, deren Spuren inzwischen total verwischt sind, gibt es unterschiedliche Aussagen.

Betrachtet man aber alte Fotos, die das Ausmaß der Zerstörung zeigen, greift schnell die Erkenntnis, dass die Unglücksfirma der damaligen Firma „Feuerfeste Peters“ gegenüber lag und etwas oberhalb der Stelle lag, wo sich heute die Nahverkehrshaltestelle „Am Büchel“ befindet.

Schäden an Nachbargebäuden

Auf die Aufnahme von 100 Verletzten war das damalige Bethlehem-Krankenhaus nur unzureichend vorbereitet. Eilends mussten zusätzliche Räume notdürftig hergerichtet werden. Schon der Transport der Unfallopfer ins Krankenhaus hatte erhebliche Probleme bereitet. Sachgemäße Fahrzeuge gab es nur wenige. So mussten auch Handkarren für den Transport der Opfer herhalten.

Nicht nur zahlreiche Tote und Verletzte gab es zu beklagen, sondern auch erhebliche Schäden an den Nachbargebäuden. Denn die durch die Explosion hervorgerufene Druckwelle hatte dafür gesorgt, dass in den Nachbargebäuden Dächer abgedeckt wurden und Fensterscheiben zersprangen: So auch am nur wenige Meter vom Unglücksort entfernten Bahnhofsgebäude, dessen Dachflächen – wie zeitgenössische Aufnahmen beweisen – total zerstört wurden und in dessen Fensterrahmen kein Glas mehr heil blieb.

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