Stolberg - Von der Kupferstadt aus geht es nach Tadschikistan

Von der Kupferstadt aus geht es nach Tadschikistan

Von: Dirk Müller
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Dr. Volker Siller, der Vorsitz
Dr. Volker Siller, der Vorsitzende des Vereins „Menschenskind” schließt ein letztes Mal die Türe des Kinderrettungswagens „Sindbad”, der künftig in Zentralasien im Einsatz sein wird. Foto: D. Müller

Stolberg. Als er im Juni 1997 angeschafft worden ist, war er ein Vorreiter in gleich mehrfacher Hinsicht. Das wird er im kommenden Jahr immer noch sein, wenn „Sindbad” in Tadschikistan zum Einsatz kommt.

Der Stolberger Kinderrettungswagen war seinerzeit das erste multifunktionale Intensiv-Rettungsmobil in der Region, das speziell auf die Belange von Säuglingen und Kindern ausgerichtet war. In der Kupferstadt war „Sindbad” seit zwei Jahren im Ruhestand, aber jetzt hat der Rettungswagen eine neue Bestimmung gefunden. Nach dem Winter wird das Fahrzeug in Tadschikistan Dienst tun und wurde jetzt gebührend verabschiedet.

Vorreiter war „Sindbad” aber nicht nur wegen seiner technischen Details wie der Luftfederung: Den rund 250.000 D-Mark teuren Kinderrettungswagen schaffte der Verein zur Förderung der Betreuung und Beratung kranker Kinder und ihrer Familien „Menschenskind” an. Finanziert wurde „Sindbad” durch Spendenmittel. Aufgrund des beispielhaften Engagements der Kupferstädter Bevölkerung konnte der Rettungswagen gekauft, ausgestattet und unterhalten werden - zum Wohle der Kinder.

„Sindbad hat in Stolberg mehr als 5000 Einsätze gefahren, und manchmal ging es dabei auch um Leben und Tod”, beschreibt Dr. Volker Siller, Vorsitzender von „Menschenskind”. Er ist zuversichtlich, dass das Fahrzeug mit einem so genannten „Koffer”-Aufbau auch weiterhin kranke Kinder in das nächstgelegene Krankenhaus bringen wird, nur eben nicht mehr in der Kupferstadt, sondern in Tadschikistan.

In dem armen Binnenstaat in Zentralasien, das einen Bürgerkrieg hinter sich hat, werde „Sindbad” gute Dienste leisten, da er über eine immer noch moderne und voll funktionsfähige Ausstattung verfüge, betont Siller. Außerdem sei der Motor quasi gerade einmal „eingefahren”: „Die Maschine ist bisher 96.000 Kilometer gelaufen - das ist für einen Mercedes-Motor wirklich noch wenig”, meint Mark Siebertz. In seinem Autohaus wurde „Sindbad” regelmäßig gewartet, und dort stand der Rettungswagen in den letzten zwei Jahren auch unter, da er in Stolberg nicht mehr gebraucht wurde.

Warum erklärt der Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Bethlehem Gesundheitszentrums, Dr. Heiner Kentrup: „Als Sindbad angeschafft wurde, war das Fahrzeug, das einzige in der Region, dass zum Beispiel mit einer Luftfederung zum schonenden Transport der kleinen Patienten und dem Leichtmetall-Koffer-Aufbau sowie der umfassenden Intensiv-Ausrüstung ausgestattet war. Rettungswagen, wie sie heute in Stolberg im Einsatz sind, erfüllen all diese Standards, die 1997 noch ein Novum waren, und sind zudem auf aktuellerem Stand der Technik. Man kann sagen, in jedem modernen Rettungswagen steckt heute ein Sindbad”.

Dank gilt Spendern

Bei der offiziellen Verabschiedung des Kinderrettungswagens dankte Siller den vielen Spendern, die mit ihrem Einsatz zunächst den Kupferstädter Kindern geholfen haben und künftig auch den Kindern in der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan helfen werden. Stolz und ein weinig Wehmut mischten sich bei den Anwesenden, die Weggefährten des Projekts „Sindbad” waren. Mit Ferdi Gatzweiler, seinem Vorgänger Hans-Josef Siebertz und Wolfgang Hennig, der schon vor über 15 Jahren die Werbetrommel für den Verein „Menschenskind” gerührt hat, waren alle drei „Sindbad-Bürgermeister” ebenso anwesend wie der eifrige Spendensammler „Max der Clown” und so mancher der vielen Spender.

Der Krankenhauspfarrer Christoph Schneider segnete „Sindbad” vor seiner Reise in das Land zwischen China und Afghanistan, welche der Kinderrettungswagen übrigens nicht auf eigenen Reifen antreten muss.

Im Rahmen von „Tajik Aid”, einem Projekt innerhalb der franziskanischen Initiative „vision:teilen”, wird „Sindbad” noch in Deutschland auf einen Lkw verladen, um „huckepack” in Richtung Türkei - Kasachstan - Zentralasien zu fahren. „Das spart einfach Motor-Laufleistung für Tadschikistan auf, denn schließlich soll unser Sindbad dort noch möglichst lange und viele Kinderleben retten”, sagt Siller von „Menschenskind”.
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