Stolberg - Von Dahmens Hüsje und dem Fingerhut-Komplex

Von Dahmens Hüsje und dem Fingerhut-Komplex

Von: Toni Dörflinger
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Historische Elemente am Vogelsang: Das Gebäude von 1985 greift den Fachwerkstil des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Vorgängerbaues auf. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Als „Dahmens Hüsje” hat der Maler und Grafiker Gottfried Dahmen seine im Mai 1985 entstandene Aquarellzeichnung bezeichnet. Das Bild zeigt ein an der Vogelsangstraße liegendes altes Eckgebäude, das einst den von Josef Dahmen geführten Lebensmittelladen beherbergte.

Das Mitte der 80er Jahre zeichnerisch erfasste Haus war das letzte Überbleibsel einer Fingerhut genannten Doppelhofanlage, die im 17. Jahrhundert errichtet, der Messingproduktion gedient hatte. Ältester Teil, der aus vier Häusern bestehenden Anlage, war der mit Fachwerkelementen versehene Mittelbau.

Zwei Toreinfahrten - eine an der Vogelsangstraße, eine am Pley - sorgten dafür, dass auch die im hinteren Bereich gelegenen Bauten erreicht werden konnten.

Als im Sommer 1985 die Tiefbauunternehmer Kurt und Günther Strauff Pläne für eine Neubebauung vorlegten, gehörte die Messingproduktion schon lange der Vergangenheit an. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die neuen Eigentümer die stillgelegten Werksbauten in eine Wohnanlage umgewandelt.

Eine Wohnanlage, die in den 50er Jahren nicht durch ihre traditionsreiche Geschichte, sondern durch ihren schlechten baulichen Zustand Aufsehen erregte.

So befindet sich im Stadtarchiv eine Akte, die ausführlich die marode Beschaffenheit des einst zum Fingerhut-Komplex gehörenden Gebäudes Vogelsangstraße 19 beschreibt.

Das Gebäude wurde in der Nachkriegszeit von der Stadt Stolberg als Obdachlosenunterkunft genutzt und musste 1958 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Als sich rund 30 Jahre später die Firma Strauff aufmachte, das Gesicht des traditionsreichen Eckgrundstücks zu verändern, bestand nur noch das als „Dahmens Hüsje” bezeichnete Objekt.

Die restlichen Gebäude hatte man schon einige Jahre vorher beseitigt und die so gewonnene Freifläche in einen Parkplatz verwandelt. Im Dezember 1985 wurde der Grundstein für das als vier separate Wohnhäuser geplante Neubauprojekt gelegt.

Noch vor Baubeginn hatte man festgestellt, dass auch das alte Eckgebäude nicht mehr zu retten war und für eine Sanierung nicht in Frage kam. So wurde Ende 1985 der letzte Rest einer traditionsreichen Hofanlage beseitigt.

Nicht verwirklicht wurde auch die ursprüngliche Idee im Erdgeschoss des Hauses Vogelsangstraße 19 einen Durchgang zu schaffen, der eine Verbindung zu der oberhalb verlaufenden Grabenstraße her stellen sollte.

Stattdessen planten die Bauherrn Strauff nun ein Geschäftslokal, das dem Verkauf von Tabakwaren, Zeitschriften und Andenkenartikel dienen sollte.

Aber auch dieser Plan wurde nicht verwirklicht. Als im März 1987 die Baumaßnahme abgeschlossen war enthielt das am Pley liegende Gebäude kein Ladenlokal, sondern eine Wohneinheit. Zum Tragen kam allerdings eine ganz andere Idee.

Ende der 80er Jahre wurde an der Stelle an der einst das Geburtshaus von Propst Heinrich Grüber lag eine Gedenktafel angebracht. Als 1989 die Häuser Vogelsangstraße 25 - 27 entstanden stellte sich heraus, dass man sich von dem Einfall einen Verbindungsweg zur Grabenstraße herzustellen, doch noch nicht endgültig verabschiedet hatte.

Denn der alte Vorschlag wurde wieder aufgegriffen und aus der Versenkung hervorgeholt als seitlich vom Haus Vogelsangstraße 27 die zur Grabenstraße führende Treppenanlage entstand.
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