Stolberg - Vom Süden her gehts an Stolbergs Innenstadt ran

Vom Süden her gehts an Stolbergs Innenstadt ran

Von: Jürgen Lange
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Selbst aus der Luft kaum zu entdecken: Die Vicht könnte besser in Szene gesetzt und Aufenthaltsqualität geschaffen werden, falls am Steinweg einige Häuser zugunsten kleiner Plätze abgerissen würden; an den Ecken Mühlenstraße und Wurstgasse ist das in einem ersten Entwurf angedacht. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. „Wir schaffen Grundlagen für die Zeit, in der wir Geld haben”, musste Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt gleich einschränken, als der Ausschuss für Stadtentwicklung einstimmig beschloss, im Rahmen des Entwicklungskonzeptes für die Innenstadt den Bereichen von Willy-Brandt-Platz und oberen Steinweg zuerst ein zukunftsträchtiges Ambiente zu verleihen.

Denn angesichts der finanziellen Lage der Kupferstadt mochte Martin Hennig „den Bürgern keinen Sand in die Augen streuen”. Wobei sich der CDU-Politiker mit seinem SPD-Kollegen Rolf Engels auch einig war in der Einschätzung, dass „es entscheidend ist, dass die Dinge angepackt werden”.

Vichtbach und Fassaden

So richtig anpacken, das wird frühestens 2012 der Fall sein können, markierte Pickhardt den „wunden Punkt”. Denn die Stadt muss mit ihrem Konzept nicht nur die Hürde nehmen, in ein Förderkonzept aufgenommen zu werden und die erforderlichen Eigenmittel aufbringen zu können, sondern auch um die Gunst von Anwohnern und Eigentümern buhlen, um sie mit auf den Weg in eine Attraktivitätssteigerung der Innenstadt nehmen zu können, unterstrich Pickhardt. „Das wird noch eine ganz harte Nummer, aber wir müssen realistisch vermitteln, was geht, sonst kommt der tiefe Fall.”

Das gilt nicht nur für die Stimmungslage, sondern auch für die Stadtentwicklung, beschrieben Rainer Kalscheuer und Stephan Hoppe, die für die beauftragte Deutsche Stadt- und Grundstückentwicklungsgesellschaft mbH (DSK) die „Vision Stolberg” betreuen. „Der Leerstand im Steinweg ist dramatisch”, sagte Kalscheuer. Und setzt in Absprache mit der Lenkungsgruppe den Hebel für eine Weitergestaltung auch in Oberstolberg an.

Es reiche nicht, dass Kaufland und Burg-Center angesiedelt seien. Jetzt müsse auch die Verknüpfung zum Steinweg gestaltet werden. Der Oberstolberger Markt soll Bindeglied zum Steinweg werden - entweder durch eine Neuordnung der vorhandenen Funktionen oder als sogenannter „shared space” als ein Platz, den sich alle Verkehrsteilnehmer teilen (müssen).

Gerne sehen würden die Planer auch einen Abriss der Bruchsteinmauer am Eingang des oberen Steinwegs, um eben diesen einladender gestalten zu können, während ein Abriss des Hauses 1-11 wohl Vision bleiben dürfte. Allerdings könne man versuchen, durch eine Fassadengestaltung das wuchtige Objekt besser der historischen Bebauung anzupassen.

Genau die biete mit einer Reihe schmucker Gründerzeit-Fassaden durchaus eine Chance, falls diese besser in Szene gesetzt würden. Im Übrigen komme man nicht daran vorbei, durch die Zusammenlegung im Erdgeschoss Geschäftsflächen von einem heute erforderlichen Zuschnitt zu schaffen. Und dies am besten auch in den Obergeschossen, um mit attraktivem Wohnraum Bewohner an die Innenstadt zu binden.

Nicht Halt machen dürfe die Sanierung vor den Hinterhöfen, wo unansehnliche Fassaden die Altstadt-Optik trüben. Die soll besser zur Geltung kommen können, wenn die Breschen zur Vicht geschlagen werden. Aus Sicht der Planer ist das vorstellbar beispielsweise an der Einmündung der Mühlenstraße und an der Wurstgasse, wo an kleinen Plätzen Austritte über die Vicht angedacht sind.

Die weiteren Quartiere

Neben einem aktuell erforderlichen effektiven Leerstandsmanagement schwebt der DSK langfristig eine Infrastruktur mit Gastronomie, Kultur und touristischem Sortiment vor. Wobei all dies nur realisierbar ist, wenn privates Engagement Hand in Hand mit öffentlichen Impulsen gehe.

Dies gilt auch für die weiteren fünf „Amöben”, für die im Anschluss an die beiden Pilot-Bereiche die Konzepte ausgefeilt werden sollen. Wobei das Stadtmarketing erster Ansprechpartner für eine Immobilien-Standort-Gemeinschaft wäre, um den Einkaufsstandort unterer Steinweg zu stabilisieren, wo auch größere Ladenlokale entstehen könnten.

Mehr Platz soll dem Kaiserplatz durch Rückbau der Pflanzbeete beschert werden, um ihn als zentralen Ort besser „bespielen” zu können - mit Veranstaltungen ebenso wie durch Gastronomie.

Gestärkt werden müsse auch die klassische Einkaufszone Rathausstraße durch größere Ladenflächen und breitere Gehwege. Platz für impuls-gebende Investitionen sehen die Planer noch in den Gärten zur Bahntrasse hin.

Mehr Aufenthaltsqualität soll das Quartier rund um den Bastinsweiher beschert werden, wobei die Straßenfläche reduziert und der Weg zum Wasser geöffnet werden könnte. Zwar biete die Flora auch Platz für Einfamilienhäuser, aber der Wert als Freiraum sei wichtiger, er müsse aber gestaltet und mit Leben gefüllt werden - ebenso wie die Wiese Frankental.

Der integrative und multikulturelle Charakter des Quartiers Mühle soll gestärkt werden, wobei das nördliche Eingangstor in die Innenstadt deutlich attraktiver werden müsse, beispielsweise durch eine einheitliche Überdachung mit Arkaden-Charakter. Neben dem Steinweg seien auch auf der Mühle private Modernisierungsmaßnahmen besonders erforderlich. Als städtische Aufgabe sieht die DSK eine attraktivere Gestaltung der Passage zum Kaplan-Dunkel-Platz.

Als nicht investives Starterprojekt könnte ein Pendelbus auf der Talachse die sieben Quartiere ebenso verbinden wie Stationen für einen Fahrradverleih eingerichtet werden könnten.

Die Gewinner der Ideenschmiede:

Zwei Freikarten für eine Stadtführung erhält jeder der 18 Teilnehmer, die mit insgesamt 27 Beiträgen die Ideenschmiede für die Innenstadt angeheizt haben. Darüber hinaus wurden die sechs interessantesten Beiträge - anonymisiert bewertet - mit einem Preisgeld von 100 Euro durch Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt belohnt: Frederick Brückner, Axel Conrads, Peter Hartnack, Kristina Bosshammer, Wolfgang Lennartz und Bodo Sieper.

Die Ideen zeichneten sich durch große Vielfalt aus, würdigte Pickhardt das einfallsreiche bürgerliche Engagement. Die Vorschläge reichten von einer Straßenbahn und dem Abriss des Gebäudes Steinweg 1-11 über einen Streichelzoo in der Flora und einem Steg auf dem Bastinsweiher bis hin zu Toiletten und Hunde-WC in der Innenstadt. Eindrucksvoll hätten die Bürger auch immer wieder den Bezug zu Wasser und zum Vichtbach hergestellt.
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