Vom rechten Spuk bleibt die Kupferstadt wohl verschont

Von: Dirk Müller und Michael Grobusch
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Bund und fröhlich soll es – ähnlich wie im vergangenen Jahr – am Samstag beim Friedensfest auf dem Kaiserplatz zugehen. Foto: J. Lange

Stolberg. Anfang April 2013 blieb die Kupferstadt nach einem höchstrichterlichen Entscheid erstmals seit fünf Jahren nazifrei. Und deutet man die Aussage der Polizei richtig, stehen die Chancen für Stolberg gut, auch am kommenden Wochenende von Neonazis verschont zu bleiben.

„Es gibt bislang keinerlei Anzeichen, dass es einen rechten Aufmarsch geben wird“, erklärte Pressesprecher Paul Kemen am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Sehr wohl liegt hingegen die Anmeldung einer Privatperson für einen „Demonstrationszug“ durch die Innenstadt am Samstag vor. Er soll unter dem Motto „Stoppt die Kriminalisierung von Antifaschisten“ stehen und vom Bündnis „Stolberg nazifrei“ veranstaltet werden. Aussagen zum genauen Zeitpunkt und zum Zugweg konnte die Polizei noch nicht machen.

„Wichtig präsent zu sein“

Derweil liegen vom Stolberger Bündnis gegen Radikalismus laut Kemen sogar zwei Anmeldungen vor. Die erste bezieht sich auf den Freitagabend (4. April) und dürfte vorsorglich dem Umstand geschuldet sein, dass die rechte Szene in der Vergangenheit mehrfach einen abendlichen „Fackelmarsch“ durch die Innenstadt initiiert hat. Auch zu diesem wird es nach aktuellem Stand der Dinge nicht kommen, womit eine mögliche Gegenveranstaltung durch das Bündnis gegen Radikalismus hinfällig werden dürfte.

Anders verhält es sich mit dem Samstag (5. April), an dem in jedem Fall das „Friedensfest auf dem Kaiserplatz“ stattfinden wird. „Es ist wichtig, präsent zu sein und Farbe zu bekennen – ob die Rechten in Stolberg aufmarschieren oder nicht“, formuliert es Markus Stork für das parteiübergreifende Bündnis auf breiter gesellschaftlicher Basis. „Das wird ein freudiges, friedliches und politisches Volksfest“, zeigt sich Bürgermeister Ferdi Gatzweiler zuversichtlich. Der politische Charakter der Veranstaltung äußere sich in dem klaren Bekenntnis der Teilnehmer zur Demokratie.

„Das Friedensfest wird zeigen, wie Stolberg wirklich ist, nämlich multikulturell, offen und gastfreundlich“, so Gatzweiler. Bei der Namensgebung habe das Bündnis gegen Radikalismus bewusst darauf verzichtet, sich gegen Rassisten und Faschisten auszusprechen, erklärt Dr. Anne Keimes: „Im Vordergrund steht, gemeinsam zu feiern, dass Stolberg eine bunte, lebens- und liebenswerte Stadt ist.“

Bereits vor dem eigentlichen Beginn auf dem Kaiserplatz öffnen am Samstag das alte und das neue Rathaus um 11 Uhr ihre Pforten. Im Foyer des neuen Verwaltungssitzes ist eine Ausstellung zu sehen, die Karen Lange-Rehberg und Beatrix Oprée vom Stolberger Bündnis organisiert haben.

Die Ausstellung thematisiert die „Auswirkungen des Rechtsextremismus speziell auf Flüchtlinge bezogen“ und ist noch bis zum 19. April zu den Öffnungszeiten der Verwaltung zu sehen. In das historische Rathaus locken derweil kulinarische Köstlichkeiten aus verschiedenen Kulturkreisen. Beteiligt sind die Ditib-Gemeinde, das Islamisch-albanische Kulturzentrum, die IG-Frauen und -Mädchen und die Union Europäisch-Türkischer Demokraten.

Auf der Bühne auf dem Kaiserplatz startet der „Europäische Cultur-Creis“ das Programm um 11.45 Uhr mit einem Gedichtsvortrag und Musik von Yolanda Kamps und Crew. Um 12 Uhr erfolgt die offizielle Eröffnung des Friedensfestes durch den Bürgermeister und Mitglieder des Stolberger Bündnisses unter musikalischer Begleitung der „Crack Field Stompers“. Ab 12.30 Uhr treten Kupferstädter Schulen in Aktion.

Gruppen der Gesamtschule sowie des Goethe- und des Ritzefeld-Gymnasiums stellen Worte wie „Toleranz“ dar, und Schüler der Kogelshäuserschule versehen die Stehle am alten Rathaus mit neuen Hinweisen. Teile des Solidaritätsbanners werden ebenfalls ausgerollt, das Friedensfest soll sich aber auf das unmittelbare Areal des Kaiserplatzes beschränken, um die Gewerbetreibenden in der Innenstadt nicht unnötig in Mitleidenschaft zu ziehen, erläutert Ferdi Gatzweiler.

Anschließend singt der Chor des Ritzefeld-Gymnasiums das Lied „Mein Stammbaum“ von den „Bläck Fööss“, gefolgt von einem Beitrag der Musikschule Merz, den das Saxofon-Duo Daniel Imiela und David Bartusel präsentiert. Nach dem kleinen Bühnenprogramm des Stolberger Kulturvereins „City Starlights“ gibt es mehrere Redebeiträge, bevor die Big-Band des Ritzefeld-Gymnasiums erneut für Livemusik sorgt: Die „Crack Field Stompers“ unter der Leitung von Christoph Hobinka lassen das Friedensfest dann voraussichtlich gegen 14.30 Uhr ausklingen. Burggeflüster Seite 18

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