Vom Kasino der Kali-Chemie zum Hubertushof

Von: Toni Dörflinger
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Stolberg-Atsch. Meistens enthält ein Kasino die Speise- und Aufenthaltsräume eines Unternehmens. Eine ähnliche Funktion hat wohl das Kasino der Chemischen Fabrik Rhenania erfüllt, die später die Bezeichnung Kali-Chemie trug.

Das Unternehmen – das 1850 unter dem Namen „Waldmeisterhütte“ von Friedrich Wilhelm Hasenclever gegründet wurde und bis 1944 seinen Standort an der Ecke Würselener Straße/Rhenaniastraße hatte – unterhielt nämlich an der Rhenaniastraße 23a ein eigenes Kasino.

Erstmals urkundlich erwähnt wird das vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Kasino im Jahr 1897. Denn dieses Datum trägt eine im Stolberger Stadtarchiv aufbewahrte Konzessionsurkunde, die für den Betrieb einer Gaststätte erforderlich war. Schließlich enthielt das Kasino neben getrennten Aufenthaltsräumen für Arbeiter und Angestellte des Chemieproduzenten auch eine Gaststätte. Sie war aber nicht für den öffentlichen Betrieb vorgesehen und nur für die Beschäftigten des Unternehmens zugänglich.

Das Chemieunternehmen, das überwiegend Soda, Salzsäure und Chlorkalk herstellte, hatte zeitweise bis zu 750 Mitarbeiter umfasst. Die Einschränkung auf den nichtöffentlichen Betrieb hatte anfänglich immer wieder zu Problemen geführt. Denn die Gaststätte im Kasinogebäude wurde auch von den Beschäftigten des nahen Hauptbahnhofes und des Betriebswerkes der Deutschen Bahn gerne aufgesucht: Gäste, die durchaus willkommenen Umsatz brachten und die man demzufolge nicht gerne ausschließen wollte.

Das führt dazu, dass man kurz nach dem Ersten Weltkrieg eine Konzession für den allgemeinen, öffentlichen Betrieb der Gaststätte beantragte, die vom Leiter des Büros der Rhenania geführt wurde. Seine Wohnung hat der Büroleiter und Gaststättenbetreiber im Obergeschoss des zweistöckigen Kasinogebäudes. Und so wurde in der Folgezeit das Kasino der Rhenania, dem auch eine Kegelbahn angeschlossen war, als öffentliche Gaststätte geführt, die für die Bevölkerung der Atsch und darüber hinaus, frei zugänglich war.

In der Nachkriegszeit wurde die Gaststätte, die in den späten 1980er Jahren ihren Betrieb einstellte, unter dem Namen „Hubertushof“ oder „Gasthof Willmsen“ geführt. Inzwischen macht das Gebäude einen arg vernachlässigten Eindruck.

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