Vom Industrieareal über Lager für Juden bis zum Denkmal im Park

Von: Christian Altena
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Stolberg. Als Berthold-Wolff-Park ist den Stolbergern die Grünanlage in Atsch bekannt, die zwischen Dreieck und Hauptbahnhof liegt. Wo sich zwischen Büschen und Bäumen ein interessantes Baudenkmal versteckt, lag nicht weit entfernt zur Nazizeit ein Arbeitslager für Juden, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Berthold Wolff selbst war ein angesehener Geschäftsmann im Steinweg, dessen Besitz die Nazis „arisierten“, d. h. zu einem Spottpreis an nichtjüdische Deutsche abgaben. Berthold, seine Frau Eva und Sohn Hans Philipp schafften es knapp, ihr Leben versteckt in Belgien zu retten. Ihre Lebensgeschichte voller sinnloser Tragik und dem Glück, anders als Millionen andere, das Terrorregime überlebt zu haben, würde dieses Format sprengen.

Dieses Industrieareal diente also einige Jahre als erbärmliche Unterkunft und Arbeitsstätte für Juden, bis sie 1942 in die Vernichtungslager deportiert wurden. Danach mussten russische, ukrainische und polnische Zwangsarbeiter ihren schweren Dienst in den hier ansässigen Chemiewerken leisten. Das prächtige Grün verrät heute nichts mehr von Lagern, von der Industrie und dem unsäglichen Leid.

Bis in die 1970er Jahre war das Terrain dann eine verfallene Industriebrache, mittendrin die beiden Ofenanlagen. Sie bildeten im Grunde Kern und Ursprung der dortigen Industrie, die Atsch früh zu einem Industriestandort machten.

Als Glühöfen wurden sie um 1800 errichtet und dienten sie als Verarbeitungsstätte für Messingprodukte. Leonhard Schleicher hatte damals ein Pumpwerk einer Steinkohlengrube erworben und fertigte dort Messingbleche. Um sie austreiben und walzen zu können, mussten sie zwischendurch im Glühofen neu erhitzt werden, damit das goldene Metall seine Sprödigkeit verlor, die das mehrmalige Auswalzen mit sich brachte.

Der kleine Weiher hatte wie viele andere im Stadtgebiet die Funktion, Wasser für Mühlräder zur Verfügung zu stellen, die die Energie für Anlagen und Maschinen aller Art lieferten. Auf einer historischen Fotografie aus der damaligen Zeit sind die Hallen des Walzwerks zu erkennen, das als einer von mehreren Produktionsstandorten der Firma Matthias Ludolf Schleicher Sohn genutzt wurde.

Im Jahr 1873 ist der Standort der Messing- und Kupferfabrik wie die anderen in Unterstolberg an der Krautlade, Kuhklau und Roderburg aufgegeben und an den neuen Standort an der Eisenbahnstraße vereinigt worden.

Einzig das bienenkorbförmige Zwillingsbauwerk ist von dem riesigen Industriekomplex rund um die Rhenaniastraße erhalten geblieben. In den 1970er Jahren waren die Öfen vom Verfall bedroht. Gerettet wurden sie, weil sie ein ganz besonderes und seltenes Relikt der Frühindustrialisierung sind.

1980 waren sie restauriert und in eine Parkanlage integriert worden, wo man als Besucher plötzlich auf sie stößt und von den früheren Anlagen ringsum keine Ahnung bekommt.

Nach dem Einsturz eines inneren Bogens im Jahr 2015 ist auch dieser Schaden wieder behoben worden, damit die Glühöfen als bedeutende Industriedenkmäler der Region weiterhin Zeugnis sind des ehemaligen Industrieortes Atsch und der Kupferstadt Stolberg.

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