Vom Hosenlatz an die Weltspitze: Pryms Druckknopf

Von: Elke Silberer, dpa
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Wie genial muss eine Erfindung sein, dass sie so lange aktuell bleibt. Der Druckknopf der Firma Prym klickt, klickt und klickt - seit über 100 Jahren. Das System im Kern hat sich nicht verändert, aber als Spitzenreiter am Weltmarkt darf sich der Kleine auch mal fein rausputzen. Foto: dpa

Stolberg. Er ist ein kleines unverzichtbares Ding: Der Druckknopf hält zusammen, was zusammengehört. Die Welt verändert sich, Produkte kommen und gehen, der Druckknopf bleibt - und das seit über 100 Jahren. Das Knöpfchen mit dem Köpfchen und der Feder scheint oft alternativlos.

„Die Funktion ist unerreicht”, sagt Prym-Chef Andreas Engelhardt. Er kommt gerne auf die anderen erfolgreichen Sparten des Mischkonzerns zu sprechen: Als Kurzwarenhersteller rund um Nadeln, Fäden und Reißverschlüsse ist Prym weltweit bekannt, die Sparte Inovan produziert Sensoren und Kontaktelemente für Elektrik. Aber für den Verbraucher ist und bleibt Prym nun mal der Druckknopf.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Prym-Knopf an seinen Sachen zu haben, ist relativ hoch. In dem Stolberger Werk nahe Aachen rauschen täglich 15 Millionen Druckknöpfe aus den ratternden Maschinen. Das Familienunternehmen sieht sich als Weltmarktführer. Bewiesen ist das nicht, weil sich der japanische Konkurrent YKK auf Reißverschlüsse konzentriert und keine Zahlen zum Klick-Knopf mitteilt.

Der Stuttgarter Heribert Bauer erfand den ersten Druckknopf 1885 aus praktischen Erwägungen, „um das Öffnen und Schließen der Herrenhosen beim Latz zu vereinfachen”, wie es in der Patentschrift heißt. Erste Prototypen versagten, es kam zu peinlichen Situationen. Erst als Kupfermeister Hans Prym 1903 den Druckknopf mit einer Feder ausstattete und damit zuverlässig und handhabbar machte, war das der Schlüssel zum Weltruhm.

Der Druckknopf gehört bei Prym zur Sparte Fashion mit Accessoires, Reißverschlüssen und Druckknöpfen. Damit machen die Stolberger ein Drittel ihres Umsatzes von jährlich 360 Millionen Euro. Das nach eigenen Angaben älteste industrielle Familienunternehmen begann 1642 mit Herstellung und Vertrieb von Metallwaren. Heute arbeitet es mit weltweit 3900 Beschäftigten, davon knapp 1400 in Deutschland. Der Star unter den Knöpfen wird aber komplett in Deutschland produziert.

Praktisch ist der Druckknopf noch heute, aber für jeden Einsatz sind besondere Qualitäten gefragt: Reißfest an Kinderkleidung, robust für den Outdoorbereich, dauerhaft belastbar als Geldbörsen-Verschluss, chic an der Kleidung von Markenherstellern. Bei den Größen der Modewelt ist das kleine Städtchen Stolberg bei Aachen ein Begriff, sie kaufen bei dem Mittelständler ein. Prym-Chef Engelhardt nennt im Gespräch Namen von Weltruhm, die er öffentlich aber nicht nennen darf. Vertragssache.

Nur soviel: Da kam ein Jeanshersteller und wollte Knöpfe, die so aussehen, „als hätten wir sie an einer Jeans aus der Erde gegraben, die der Gründer vor 150 Jahren vergraben hat”. Nostalgische Anmutung mit rostiger Optik. Das ist ein Expertenjob für die Oberflächenbeschichter - genauso wie fürs andere Extrem, wenn der Kleine zum blitzenden Schmuckstück auf Edelkleidern von Top-Designern herausgeputzt wird.

Das barocke Verwaltungsgebäude zeugt von betulicheren Zeiten des Messingverarbeiters. Das Geschäft ist schnell geworden. Von der Idee bis zum Kunden dauert es in der Regel vier Wochen. Der schnelle Kollektionswechsel, die Vielfalt der Systeme, das sieht Prym als Riesenanforderung an Material, Logistik und Schnelligkeit.

Der Druckknopf werde die Zeit überdauern, meint Engelhardt: „Das Prinzip der Funktion ist unerreicht. Er ist schnell und zuverlässig.” - Und zieht den Vergleich zum Gürtel: „Der ist ja auch unverzichtbar.”
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