Stolberg - Vom Dornröschenschloss in den hiesigen Garten

Vom Dornröschenschloss in den hiesigen Garten

Von: fe
Letzte Aktualisierung:
11811725.jpg
Eine üppig blühende Bourbon-Rose mit betörendem Duft ist die alte Sorte „Louise Odier“. Ferdinand Keuter brachte sie 1998 als namenlosen Steckling aus Südfrankreich mit. Hans-Werner Schmidt fand den Namen der Rosensorte heraus. Foto: Keuter
11811723.jpg
Brachte „Louise“ aus Südfrankreich mit: Blumenfreund Ferdinand Keuter.

Stolberg. Im neuesten Jahrbuch der Gesellschaft deutscher Rosenfreunde schreibt Hans-Werner Schmidt über eine Rose, die ihm „über den Gartenzaun“ gereicht wurde und deren Name es zu bestimmen galt: Das Ehepaar Keuter aus Gressenich schenkte sie ihm (und anderen) anlässlich eines Besuchs der Eschweiler Volkshochschule.

Alles rund um diese Rose beginnt mit einer Hochzeit im Jahre 1998, als das Ehepaar Keuter die deutsche Seite der im Périgord ansässigen Brauteltern vertritt. Vielleicht wegen der locker-fröhlichen Atmosphäre werden die beiden zu einem Landsitz in das kleine Dorf Vitrac eingeladen, mit dem Hinweis, der große Garten dort sei sehr attraktiv, und sie würden sich doch für alles Grün begeistern.

Nie gesehene Üppigkeit

Das Anwesen stellt sich als ein Gemäuer in den Farben der Umgebung heraus, ein scheinbar marodes Schloss von geheimnisvoller Schönheit. Hier wohnt ein französischer Deutschlehrer mit seiner Familie ausschließlich im Sommer. Er zeigt sich überrascht von dem Besuch, bittet die Gäste aber gern hinein.

Gastfreundschaft – ja, aber keine deutsch-französische Freundschaft an sich. „Ich höre immer noch das Poltern der deutschen Stiefel in meiner Jugend; Ihr Land ist für mich sehr weit weg, und die Menschen dort sind mir sehr fremd“, gesteht der Schlossherr den Gästen damals recht freimütig, heißt sie aber trotzdem willkommen – denn sie interessieren sich wirklich für den herrlich wilden Garten und lassen sich von dessen Charme verzaubern.

Der Nachmittag ist sonnig, die Hitze des August gut zu ertragen. Dann das Überraschende: An der warmen Bruchsteinmauer des Hauses stehen Rosen in einer von den Keuters noch nie gesehenen Üppigkeit. Voller Bewunderung bleiben sie stehen, schnuppern den unnachahmlichen Duft... und sind begeistert.

Der Hausherr zeigt sich berührt: „Ich schenke Ihnen gern eine Erinnerung an den heutigen Tag“, sagt er, bricht willkürlich einige Zweige der Rosenstöcke ab, achtet dabei zu wenig auf seine Arme und bekommt schnell die stachelige Quittung. Ferdinand Keuter: „Wir hatten ein richtig schlechtes Gewissen, als wir die ‚Stöckchen‘ in feuchtes Zeitungspapier wickelten, wie er uns aufgetragen hatte, während er nach Pflastern für seine blutigen Kratzer suchte.“

Den Namen der Rose? Nein, wisse er nicht; die Sträucher seien vor weit mehr als 100 Jahren gepflanzt worden – solche niederen Details habe man damals nirgendwo notiert, wurde den Deutschen zum Abschied bedeutet, und der Name sei doch irgendwie auch nicht so wichtig ... oder?

Der Auftrag des Pädagogen: Man möge die Zweige auf dem Weg nach Stolberg immer feucht halten, sie dann einfach sehr sonnig und tief in Gartenerde setzen, gut und regelmäßig gießen – dann würden sie schnell Wurzeln bekommen und im kommenden Jahr mit Sicherheit kräftig blühen.

Freigiebig verschenkt

Ferdinand Keuter: „Es war sensationell. Ein paar entblätterte Zweige – mehr nicht. Und daraus sollten neue Rosen sprießen? Aber die ersten Triebe wuchsen schon Wochen später – und im Herbst gab es sogar erste Blüten. Unfassbar!“ Schon im nächsten Sommer bleiben Wanderer vor dem Haus in Gressenich genauso erstaunt stehen wie die Keuters zuvor in Vitrac, bewundern die sonnendurchglühten Blüten und sind begeistert.

Das alles erzählt das Ehepaar Keuter, als eine Gruppe der Volkshochschule Eschweiler ihren Garten besucht. Der Bericht der Gastgeber bekommt sogar einen besonderen Klang, weil bereits zehn oder zwölf Töpfe mit schon fertig bewurzelten Steckhölzern stehen; die Keuters haben diesen Besuch nämlich seit langem vorbereitet und verschenken ihre „französische Schlossrose“ nun freigiebig an alle, die daran interessiert sind. Kommentar der Besucher im Gästebuch: „Wir versprechen Ihnen hoch und heilig, Ihre Steckhölzer im Garten sorgfältig zu pflanzen, zu hegen und zu pflegen – aber wir würden natürlich gerne wissen, wie diese Rose in Wirklichkeit heißt.“

So beginnt dann (nach seiner Pensionierung 2014) die Suche des ehemaligen Eschweiler VHS-Leiters Schmidt nach dem Namen der Rose. Und er wird nach Rücksprache mit dem hiesigen „Rosen-Freundeskreis“ auch fündig: Die französische Grand Dame ist eine „Louise Odier“, also eine Bourbonrose. Ihr Einführungsjahr wird mit 1851 angegeben. Sie blüht zuverlässig mehrmals im Jahr, wurde seinerzeit auch von vielen französischen Züchtern als Elternteil verwendet und gilt als erstklassige Schnittrose.

Hans-Werner Schmidt: „Kennt man den Namen einer Gartenrose, kennt man auch ihren Steckbrief, ihre Herkunft und die Rosenklasse. Und je mehr man weiß, um so besser.“ Das Ehepaar Keuter war jedenfalls sehr überrascht, dass sie eine so „alte“ Rose in ihrem Garten besitzen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert