Volleyballerinnen mit Ballgefühl und Disziplin auf der Erfolgsspur

Von: Annika Kasties
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Beim letzten Spiel der Saison 2014/2015 gegen den SC 99 Düsseldorf gaben die Stolberger Volleyballerinnen alles. Zwei Sätze mussten sie gewinnen, um in die Oberliga aufzusteigen. Auch wenn sie das Spiel letztlich verloren, haben sie ihr Ziel erreicht. Foto: Thomas Unger
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Beim letzten Spiel der Saison 2014/2015 gegen den SC 99 Düsseldorf gaben die Stolberger Volleyballerinnen alles. Zwei Sätze mussten sie gewinnen, um in die Oberliga aufzusteigen. Auch wenn sie das Spiel letztlich verloren, haben sie ihr Ziel erreicht. Foto: Thomas Unger
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Beim letzten Spiel der Saison 2014/2015 gegen den SC 99 Düsseldorf gaben die Stolberger Volleyballerinnen alles. Zwei Sätze mussten sie gewinnen, um in die Oberliga aufzusteigen. Auch wenn sie das Spiel letztlich verloren, haben sie ihr Ziel erreicht. Foto: Thomas Unger
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Beim letzten Spiel der Saison 2014/2015 gegen den SC 99 Düsseldorf gaben die Stolberger Volleyballerinnen alles. Zwei Sätze mussten sie gewinnen, um in die Oberliga aufzusteigen. Auch wenn sie das Spiel letztlich verloren, haben sie ihr Ziel erreicht. Foto: Thomas Unger

Stolberg. Seit sie ein kleines Mädchen war, ist der Sport aus dem Leben von Diana Berthold nicht wegzudenken. Eigentlich stammt sie aus einer reinen Handballer-Familie. Dass sie trotzdem im Volleyball Karriere machte, ist dem Zufall geschuldet.

Berthold spielte unter anderem in Dresden, Leverkusen und bei Alemannia Aachen und schaffte es bis in die zweite Liga. Seit 2012 trainiert sie die Damenmannschaft der Stolberger TG. Seitdem befinden sich die Volleyballerinnen auf der Erfolgsspur. Die Mannschaft ist drei Mal in Folge aufgestiegen und spielt in der kommenden Saison in der Oberliga.

Wie sind Sie zum Volleyball gekommen? Wurde Ihnen das Spiel in die Wiege gelegt?

Berthold: Nein, überhaupt nicht. Meine ganze Familie hat Handball gespielt. Ich bin erst relativ spät zum Volleyball gekommen. Als ich 16 Jahre alt war, sind meine Eltern von Dresden nach Hanau gezogen. Ich habe mich entschieden in Dresden zu bleiben, da dort meine Freunde waren. Ich hatte das große Glück ins Sportinternat zu dürfen, da es jedoch nicht die Möglichkeit gab Handball zu spielen, musste ich letztendlich mit Volleyball beginnen.

Es war also letztlich purer Zufall?

Berthold: Ja, wenn meine Eltern nicht nach Hanau gezogen wären, würde ich vermutlich heute Handball spielen.

Wie war das für Sie mit 16 Jahren plötzlich nicht mehr bei den Eltern zu wohnen?

Berthold: Die erste Woche war komisch, doch dann war es das Beste, was mir je passieren konnte. Die Zeit im Internat kann mir niemand nehmen und ich würde jedem der die Chance hat, dazu raten. Wir waren mit ganz vielen verschiedenen Sportarten in einem Hochhaus untergebracht, aber alle hatten letztendlich das gleiche Ziel. Natürlich war man gezwungen, früh selbstständig zu werden, was ja aber nicht schlecht ist.

Trotz der anfänglich geringen Liebe zum Sport, waren Sie aber im Volleyball gleich sehr erfolgreich.

Berthold: Ja, als Quereinsteigerin schon. Ich habe mit fünf Jahren angefangen Handball zu spielen und wie gesagt erst mit 16 Jahren Volleyball. Natürlich gibt es da schon Unterschiede zwischen den Sportarten. Den einen Ball fängt man, den anderen muss man „volley“ spielen. Da hat mir mein Ballgefühl bestimmt geholfen und natürlich ist auch ein bisschen Glück dabei gewesen.

Wie ging es danach für Sie weiter?

Berthold: Von 1996 bis 1999 habe ich in Dresden Volleyball gespielt. Ich habe damals direkt in der Regionalliga begonnen, war aber im erweiterten Kader der ersten Mannschaft. 1999 bin ich dann nach Leverkusen gewechselt und habe dort bis 2001 Volleyball gespielt.

Dann kam es zu einer Spielpause. Was ist passiert?

Berthold: Ich habe mir bei einem Pokalspiel mein Knie verletzt. Ausgerechnet in einem Spiel gegen Alemannia Aachen. Mein Knie war komplett kaputt. Das war echt heftig, da ging gar nichts mehr. Ich musste fünf Mal operiert werden und habe drei Jahre lang keinen Sport machen können. Der Arzt hat damals zu mir gesagt: Du wirst nie mehr Volleyball spielen können, du wirst nie mehr Leistungssport machen können.

Ein vorschnelles Urteil, wie sich letztlich zeigte.

Berthold: Zum Glück! Ich bin 2004 per Zufall über einen Bekannten zur Stolberger TG gekommen. Ich habe dort Jugendarbeit gemacht und wieder angefangen auch selber ein bisschen zu spielen. Zwei Jahre später hat mich dann Alemannia Aachen gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei denen in der Mannschaft zu spielen. Von 2006 bis 2008 war ich tatsächlich als Zuspieler – vorher war ich Libera – bei Alemannia Aachen. Dass ich nach dem Unfall noch mal in der zweiten Liga spielen würde, hätte ich niemals gedacht.

So schließt sich also der Kreis.

Berthold: Wenn man sich das ganze Revue passieren lässt, ist das natürlich schon witzig. Ich habe mir bei einem Spiel gegen Alemannia Aachen das Knie verletzt, meine Karriere als aktive Spielerin schien beendet und einige Jahre später spiele ich dann doch noch beim selben Verein in der zweiten Liga.

Als Alemannia Aachen 2008 in die 1. Liga aufstieg, wechselten Sie nach Landgraaf in die 2. Liga und später nach Marmagen in die Eifel. 2012 nahmen Sie Ihren Job als Trainerin der Volleyballerinnen bei der Stolberger TG auf. Hatten Sie Sehnsucht nach Stolberg?

Berthold: Ich wurde von den Mädels direkt angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, die Mannschaft wieder zu trainieren, die ich schon vor einigen Jahren während meiner Jugendarbeit bei der Stolberger TG trainiert habe. Die Mannschaft hatte keinen Trainer mehr und da haben sie an mich gedacht. Um ehrlich zu sein, wenn es eine andere Mannschaft gewesen wäre, hätte ich den Trainerjob vermutlich nicht angenommen. Das wäre mir wahrscheinlich zu stressig gewesen. Doch ich kannte die Mädchen noch von früher und das Training mit ihnen hat mir damals großen Spaß gemacht. Also habe ich zugestimmt.

Seitdem Sie die Mannschaft trainieren, sind die Spielerinnen jedes Jahr aufgestiegen. Was machen Sie anders, als Ihre Vorgänger?

Berthold: Die Mädels waren immer schon gut, haben aber immer in der Bezirksliga gespielt und nie den Sprung in die Landesliga geschafft. Vielleicht fehlte ihnen dafür auch einfach das Quäntchen Glück. Da ist es natürlich umso schöner, dass uns das jetzt schon zum dritten Mal in Folge gelungen ist. Ich glaube dadurch, dass ich selbst in hohen Ligen Volleyball gespielt habe, lege ich die Trainingsinhalte vielleicht anders. Ich habe in Dresden und Leverkusen zehn bis zwölf Mal die Woche trainiert. Da hat man viel Input, den man weitergeben kann.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Berthold: Wir haben in den vergangenen Jahren viel an der Technik gearbeitet. Je höher es beim Volleyball geht, umso besser muss die Technik sein. Volleyball ist einfach ein technisch anspruchsvoller Sport. Und in der Technik sind wir als Mannschaft wirklich gut. Für mich ist das ganz wichtig, ebenso dass wir eine gute Annahme haben. In den Ligen, in denen wir bisher gespielt haben, sind wir eine der besten Annahmemannschaften gewesen. Aus einer guten Annahme kann man im Angriff viel variabler spielen.

Wie wichtig ist der Teamgeist für Ihren Erfolg?

Berthold: Die Mannschaft muss natürlich einfach stimmen. Mir nützt es nichts, wenn ich zwei, drei Mädels habe, die super sind. Nein, ich brauche ein Team, das einfach funktioniert und das ist bei den Mädels absolut der Fall. Alle zwölft Mädels ziehen an einem Strang und haben das gleiche Ziel. Das hat man grade in der letzten Saison gesehen. Die Spielerinnen wollten alle aufsteigen. Ob sie nun am Rand oder auf dem Spielfeld standen. Die Mädels sind also wirklich toll. Die haben total Lust, sind hochmotiviert und immer beim Training voll dabei. Die wollen sich entwickeln, die wollen was lernen. Mittlerweile sind sie auch alle gute Freundinnen geworden, das ist auch wichtig. Wenn die sich ständig streiten würden und ich schlichten müsste, dann kämen wir schließlich auch nicht zum effektiven Trainieren.

Für die Spielerinnen muss der rasante Aufstieg unglaublich sein. Wie gehen sie mit ihrem sportlichen Erfolg um?

Berthold: Die sind total euphorisch und überwältigt von sich selbst. Ich glaube, die fassen es immer noch nicht, was sie da geleistet haben. Als wir für das letzte Spiel der Saison gegen den SC 99 Düsseldorf trainiert haben – das Spiel, von dem der Aufstieg abhing – waren die Mädels total hibbelig und aufgeregt. Das hat sich auch seit unserem Aufstieg noch nicht geändert. Die Aufregung ist immer noch da.

Nach der Hinrunde belegten Sie als Aufsteiger nach nur zwei verlorenen Spielen gleich den zweiten Platz. Bestand da nicht die Gefahr, dass einem der Erfolg zu Kopf steigt?

Berthold: Nein, überhaupt nicht. Der Erfolg kommt ja nicht von allein. Das wussten die Mädels auch und das habe ich ihnen immer wieder gesagt. Wir waren erfolgreich, weil wir sehr gut trainiert haben. Die Mädchen waren weiterhin beim Training total aufmerksam und wollten sich weiterentwickeln. Es war eher so, dass sich einige Mädchen gefragt haben: Bin ich überhaupt noch gut genug? Und: Wir müssen besser werden! Da hat sich keiner plötzlich gefühlt wie ein „King“, dem niemand etwas anhaben könne. Im Gegenteil: Ich musste sie immer wieder bestärken und ihnen ein bisschen Selbstvertrauen geben. Auch jetzt ist es nicht so, dass sie vor Selbstbewusstsein strotzen.

Was sind jetzt Ihre Ziele? Werden wir nächstes Jahr den vierten Aufstieg in Folge sehen?

Berthold: Nein, jetzt muss man realistisch sein. In der Oberliga sind wirklich sehr gute Mannschaften. Auch die Einzelspieler werden immer besser. Dass wir noch einmal aufsteigen, kann ich mir nicht vorstellen. Unser Ziel muss jetzt definitiv der Klassenerhalt sein. Und dann müssen wir einfach mal gucken, wie sich die Mannschaft und jede einzelne Spielerin in der Liga entwickeln kann. Aber wir spielen natürlich, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. Und wer weiß, ich könnte mich irren. Schließlich hätte ich letztes Jahr auch nicht gedacht, dass wir direkt von der Verbandsliga in die Oberliga aufsteigen.

Sie haben einige der Spielerinnen schon trainiert, als diese grade mal zehn Jahre alt waren. Wie ist das für Sie persönlich, diese Entwicklung zu beobachten?

Berthold: Das ist etwas, das mich tatsächlich sehr stolz macht. Diese Entwicklung zu sehen, ist unfassbar. Damals waren sie noch total jung und haben drei gegen drei auf einem ganz kleinen Feld gespielt. Und heute fahren sie mit ihren eigenen Autos zum Training! Ich bin richtig stolz auf die Mädels.

Vermissen Sie das aktive Spiel?

Berthold: Im Moment macht mir der Trainerjob definitiv mehr Spaß als selbst auf dem Platz zu spielen. Es ist natürlich auch toll, dass wir jetzt solch einen Erfolg haben. Ich finde es einfach schön, dass ich das, was ich selbst in der Jugend lernen durfte, weitergeben kann.

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