Virtuoser Auftakt am Finkenberg

Von: Marie-Luise Otten
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Stolberg. Er konnte mal wieder strahlen. Gunther Antensteiner, Initiator des Internationalen Konzertzyklus´ auf dem Finkenberg, zeigte beim diesjährigen Eröffnungskonzert, dass er mit der Auswahl der Stücke die richtige Wahl getroffen hatte, denn nahezu voll besetzt waren die Bänke in der Finkenbergkirche.

Mit dem Auftaktstück, dem Einzug der Königin Saba aus dem Oratorium „Solomon” von Georg Friedrich Händel, gedachte Antensteiner Händels 250. Todestages. Hochmotiviert und leistungsstark vereinte er künstlerischen Ernst mit allgemein verständlicher Einfachheit.

Henry Purcell, der an der Westminster Abbey in London und später an der Chapel Royal Organist war, wäre in diesem Jahr 350 Jahre alt geworden. In seiner selten zu hörenden „Suite in D” zeigte der Interpret erneut seine herausragenden Qualitäten. Weitere Jubilare sind Felix Mendelssohn-Bartholdy (200. Geburtstag) und Joseph Haydn (200. Todestag).

Die sechs Sonaten von Mendelssohn sind keine Sonaten im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine durch den Komponisten vorgenommene Zusammenstellung aus 24 Einzelstücken, die in den Jahren 1844 und 1845 entstanden sind. Antensteiner hatte sich für die dritte Sonate entschieden. Einen Gegensatz zur Feierlichkeit des Anfangs gab es in der Mitte mit dem Choral „Aus tiefer Not schrei´ ich zu dir”, der versteckt in der Bassstimme auftauchte. In einer Anekdote heißt es, dass Mendelssohn diese Passage anlässlich der Hochzeit seiner Schwester geschrieben haben soll, da er seinen Schwager nicht mochte.

Antensteiner blieb immer präsent, vereinte Brillanz mit Leichtigkeit und bewahrte enorme Spannung in diesen funkelnden Sätzen. Bei seiner Improvisation zu Joseph Haydns Kaiserlied „Gott behüte unseren Kaiser, unsern lieben Kaiser Franz” zu Ehren des österreichischen Kaisers - heute besser bekannt als das Lied der Deutschen mit dem Text von Hoffmann von Fallersleben - ging dann das Herz vollends auf. Bemerkenswert, wie Antensteiner immer wieder zur Melodie zurückfand. Das großartige Finale ließ nichts an Klangfülle und -tiefe vermissen.

Nun war das Publikum in der nahezu voll besetzten Finkenbergkirche gefragt. Drei Liedvorschläge nahm Antensteiner auf und verarbeitete sie zu weiteren interessanten Improvisationen. Beginnend mit „Geh´ aus mein Herz und suche Freud” über „Wachet auf ruft uns die Stimme” bis zur alten DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen” präsentierte er sich als ein intelligenter und technisch souverän spielender Virtuose. Es war ein ausgezeichnetes Konzert, ein rechter Auftakt zu einer Saison musikalischer Erlebnisse, auf die sich die Konzertfreunde auf dem Finkenberg freuen können.
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