Villa Lynen: Das Ende einer unendlichen Geschichte

Von: Michael Grobusch
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Im hinteren Bereich der Villa Lynen werden derzeit die Terrasse und die Außentreppe erneuert. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Der Zahn der Zeit hat an der Villa Lynen genagt. Und er nagt immer noch - vor allen an den Nerven der Mitarbeiter und Besucher, die sich in der Außenstelle der Stolberger Stadtverwaltung aufhalten. Sie hat etwas von einer unendlichen Geschichte, die Sanierung des historischen Gebäudes, die im Oktober 2006 begonnen und bis zum heutigen Tag nicht beendet wurde.

Zwar ist die zur Rathausstraße gewandte Hauptfassade schon seit gut einem Jahr fertiggestellt und dem repräsentativen Charakter des Prachtbaus wieder angemessen. An der Rückseite und in Teilen der Räumlichkeiten sind es aber immer noch die Handwerker, die das Bild prägen.

Bald aber soll damit Schluss sein, hat Hochbauamtsleiter Ulrich Coopmann am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung angekündigt. Spätestens Anfang September werden die letzten Arbeiten beendet sein.

Es ist eine Verkettung von unglücklichen Umständen, die dazu geführt hat, dass das Vorhaben sich derart in die Länge zieht. Aufgrund der Insolvenz des mit der Projektbetreuung betrauten Architekten und einem später folgenden, monatelangen Streit mit der beauftragten Baufirma, der vor Gericht und mit der Suche nach einem neuen Partner endete, waren die aufgestellten Zeitpläne immer wieder hinfällig geworden.

Doch nicht nur der Ärger mit den Handwerkern, sondern auch sich unverhofft offenbarende, zusätzliche Schäden sorgten für erhebliche Verzögerungen. Nachdem Risse in der Deckenkonstruktionen entdeckt und dadurch die gesamte Statik in Frage gestellt worden war, sperrte die Stadt im vergangenen Jahr kurzerhand den einst vornehmen Ballsaal und ordnete eine Grundüberholung an.

Die Decke, deren Träger völlig verrottet waren, wurde zwischenzeitlich komplett erneuert, der darüber befindliche Balkon wird bald wieder nutzbar sein. Auch die Erneuerung der Terrasse auf Höhe des Erdgeschosses und die Befestigung der Treppenstufen macht Fortschritte.

Parallel dazu werden im Saal schon die letzten Feinheiten vorgenommen. Der Kronleuchter hängt wieder, am Dienstag waren die Rollläden an der Reihe, die wieder gängig gemacht werden müssen.

Aufgabe des Schlossers wird es sein, die Geländer am Balkon und am Treppenaufgang anzubringen und die alten, sandgestrahlten Fenstergitter an ihren alten Plätzen zu befestigen.

1911 bis 1913 gebaut

So wird die Villa Schritt für Schritt wieder in den Zustand versetzt, in dem sie Robert Lynen in den Jahren 1911 bis 1913 im Stile des Historismus hatte bauen lassen. Dass dies unterm Strich ein ziemlich teures Unterfangen ist, steht außer Frage. Die Kosten stehen aber offensichtlich in keinerlei Relation zu der zeitlichen Ausdehnung der Sanierung, wie Ulrich Coopmann versichert.

500.000 Euro hatte die Stadtverwaltung ursprünglich angesetzt. Mit rund 465.000 Euro liegt der tatsächliche Aufwand sogar noch darunter - und das inklusive der Deckensanierung im Ballsaal, die eigentlich nicht Bestandteil der Schätzung gewesen war. 200.000 Euro werden vom Land NRW aus Mitteln für die Denkmalpflege beigesteuert, den Rest trägt die Stadt.

So scheint es, dass auch in der unendlichen Geschichte bald das letzte Kapitel aufgeschlagen wird. Der Tenor dürfte dann lauten: Ende gut, alles gut!
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